Rose Interview MikrofonNoch lange bevor die CD den Musikmarkt eroberte, lag ich gerne auf dem Sofa meiner Eltern und hörte mich durch ihre Schalplattensammlung. Neben anderen Favoriten gehörte ein Lied der französischen Sängerin France Gall, das auf eine dieser hübschen tiefschwarzen Single-Schalplatten gepresst war, für eine Weile zu meinem Lieblingsstücken. Und dank einer besonderen Mechanik des Tonarms spielte der Plattenspieler das Lied ununterbrochen ab, bis – na bis es für den Rest der Familie nicht mehr zu ertragen war.

Wie einfach ist es doch in Zeiten moderner Audiogeräte ein Musikstück wieder und wieder abzuspielen, bis jede Nuance des Songs verinnerlicht und rezipierbar geworden ist. Nicht selten lässt die Leidenschaft – wie bei mir – dann aber auch nach einem kurzen Höhepunkt wieder nach. (Ich ging über zu Abba und überlegte mir später Tanz-Choreographien zu Spandau Ballet.)

Eine ganz andere Dimension bekäme das Ganze natürlich, wenn das Highlight der Playlist von der Band selbst vorgetragen würde. Live und in Farbe – sagen wir einfach mal sechs Stunden am Stück. Kann man sich gar nicht vorstellen. Und wäre das für die Musiker nicht auf die Dauer öde und anstrengend? Vielleicht hat der isländische Künstler Ragnar Kjartansson die US-amerikanische Band The National genau deshalb darum gebeten den Musiktitel Sorrow aus dem 2010 veröffentlichten Album High Violet zu spielen. Und nur diesen einen. Immer wieder. Etwa 108 Mal führte das fünfköpfige Team um Sänger Matt Berninger daraufhin den Song in einer Live Performance im New Yorker MoMA PS1 auf und wurde dabei von dem Künstler filmisch dokumentiert.

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Ausstellung „A lot of Sorrow“ in der Galerie König in Berlin

Passend dazu heißt das Filmprojekt nun auch „A lot of Sorrow“ und wird zur Zeit in der von Architekt Arno Brandlhuber 2014 für die Galerie Johann König umgewandelten St. Agnes Kirche, ausgestellt. Der kubische, nur durch schwaches Oberlicht und eben das Video erleuchtete Raum eignet sich hervorragend für die Installation, die lediglich aus Leinwand und Boxen besteht. Den Rest macht die sakrale Stimmung des Raumes – und natürlich die Musik. Jedem Schlussakkord folgt ohne Pause der Schlagzeugauftakt und Matt Berninger singt erneut: Sorrow found me when I was young, Sorrow waited, sorrow won, Sorrow they put me on the pill, It’s in my honey, it’s in my milk …

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Kaum vorstellbar, wie sich die Band dazu durchringen konnte sechs Stunden das gleiche Lied zu spielen. Und allmählich sind ihnen die Strapazen anzumerken. Sie wirken erschöpft, es schleichen sich Änderungen ein in die Musik, leichte Nuancen erst, später größere, die Band experiment und irgendwann beginnt Matt Berninger an Wein zu trinken. Und dann ist fast so schön wie in den Live-Konzerten.

Nur noch bis 23. August 2015

Galerie König
St Agnes
Alexandrinenstraße 118
10969 Berlin

www.johannkoenig.de

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