Rose Musik SchlagzeugInterpol, 01. Juli 2014, Postbahnhof Berlin

Ich wollte ja gar nicht hingehen. Drei Konzerte der New Yorker Band Interpol habe ich gesehen. Die ersten beiden 2002 und 2005 sind unvergessen. Nummer drei war dann irgendwie überflüssig. Und dann stieg auch noch Bassist Carlos Dengler aus und damit 50 Prozent der Coolness dieser Truppe – ein Mann, der schon einen Österreichisch-Ungarisch anmutenden K.K. Schnurrbart pflegte als Hipster noch nicht mal davon geträumt haben.

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Foto: Eliot Lee Hazel

Freund M. überredete mich dennoch zum Konzertbesuch in dessen Vorfeld dann auch noch die Ankündigung eines neuen Albums für den September fiel. Und was soll ich sagen? Es war ein großartiger Abend. Präzise wie Uhrwerke und in allerbester Spiellaune haben Interpol einfach mal 70 Minuten lang nur Hits gespielt.

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Foto: Mario Münster

Meine Beziehung zu Interpol ist recht intensiv. In meinem Wohnzimmer hängt sorgfältig gerahmt eine handgeschriebene Setlist, die mir eine Freundin  bei einem Interpol-Konzert in Bristol geklaut und anschließend zum Geburtstag geschenkt hat. Vor vielen Jahren schrieb ich mir mit rotem Filzstift mal auf ein T-Shirt „my friend is a butcher he has 16 knives“ – die erste Zeile des grandiosen Songs Roland. Bei so einer Vergangenheit ist man dann ja entsprechend sensibel mit Auftritten der Band.

Aber wie gesagt, Interpol scheinen sich in einer Art Renaissance zu befinden. Bass und Schlagzeug haben pausenlos so viel Druck gemacht, dass ich noch heute morgen beim Kaffee diesen Interpol typischen Offbeat auf dem Tisch trommeln musste. Und Gitarrist Daniel Kessler war zwischen all den Hall- und Echosphären in Höchstform. Endlich auch sieht Paul Banks nicht mehr aus wie 15 und ist damit nun eine Erscheinung, die seiner Stimme entspricht.

Irgendwie denke ich immer, dass die Musik von Interpol der perfekte Soundtrack für die Manhattan Trilogie von Paul Auster wäre – was natürlich nirgends deutlicher wird als im Song NYC. Vielleicht wäre das ja noch mal ein Projekt für die Herren. Muss aber auch nicht. Das bisherige Modell ist großartig: Rein in die dunklen Kleider und turn on the bright lights.

Titelfoto: © Jelle Wagenaar

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