Rose_MikroDer spanischen Band Hinds kann man gerade kaum aus dem Weg gehen. Gedanken zu einem Pop-Phänomen.

Ich habe viel Zeit damit verbracht, eine passende Metapher für die Musik der spanischen Band Hinds zu finden. Hier ein paar Versuche: Hinds klingen wie die Indie-Disco Springprozession, die Samstagnacht über die Warschauer Brücke in Berlin taumelt. Hinds sind der Soundtrack der Generation Easy Jet. Hinds sind der Soundtrack für Urban Outfitters Junkies. Hinds klingen wie der Instagramfeed von Twenty-Somethings.

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Hinds. Foto via http://hinds.bandcamp.com/

Irgendwie alles ebenso richtig wie falsch. Also ganz nüchtern: Hinds sind eine Rockband aus Madrid, bestehend aus Carlotta Cosials, Ade Martín, Ana García Perrote, sowie Amber Grimbergen. Ihr Sound: Irgendwo zwischen Lo-Fi Rock á la Velvet Underground und The Strokes gepaart mit Surf Rock. Und es war mir unmöglich nicht über diese Band zu schreiben.

Typisch Generation Y: Schwächen zur Marke machen

Warum? Hm. Vermutlich weil sie ein Pop-Phänomen sind, das ganz gut in unsere Zeit passt. Die Musik der Band ist bestenfalls kurzweilig, gute Laune machend und interessant. Kritischer gesprochen ist ihr Sound oft dermaßen plärrend und schräg, dass es schwer fällt zuzuhören. Dass sie eigentlich alle keine richtigen Musikerinnen sind, haben die vier rasch zur Marke gemacht und zusammengefasst in dem Mantra, sie könnten keinen Song zweimal gleich spielen. Typisch Generation Y. Ich kann etwas nicht richtig gut? OK, dann mach ich genau das zu meinem Erfolgsrezept. Ist doch niedlicher als „ambition makes you look pretty ugly“ (Radiohead). Eigentlich ganz charmant.

Nenn‘ mich beim Namen, wenn ich in deiner Kiste liege…

Vieles von dem, was Hinds singen und dudeln ist recht belanglos. Unterwegs sein, Freunde, trinken, Party, ein paar Dinge merkwürdig finden. Social Media Szenen und Weisheiten einer Generation, die alles darf und noch nicht so viel musste. Doch dann tauschen mitten in dieser Musik immer mal wieder Sätze wie dieser hier auf: „I want you to call me by my name when i’m lying on your bed.“ Oha. Und genau hier fängt Pop an zu funktionieren. Ist das jetzt Koketterie? Oder ein sanftes feministisches Statement? In dem Moment, in dem du anfängst nachzudenken, hat es dich.

Auch musikalisch gibt es solche Momente. Die Stimmen von Carlotta Cosials und Anna Garcia Perrote sind jede für sich genommen weder gut noch schön. Was sie interessant macht ist das laszive Gehauche. Aber es gibt Sequenzen, in denen sie sich an so etwas wie zweistimmigen Gesang probieren und für wenige Sekunden schaffen die zwei Stimmen dann wie zufällig so übereinander zu liegen, dass es verdammt catchy ist. Und dann spielt man den Song halt noch mal. So funktioniert Pop-Musik.

Songs von Hinds hören macht Samstagmorgens großen Spaß. Wenn die Ohren dann nach einer Weile weh tun, tröste ich sie immer mit ein paar Songs von Warpaint. Auch vier Frauen. Eine Generation älter. Andere Seite des Atlantik. Alles extrem gute Musikerinnen. Wenn man so will der Gegenentwurf zu Hinds. Brauchen tun wir sie wohl beide.

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