Rose Interview MikrofonDie kalifornische Band Dawes hat ein neues Album veröffentlicht. Zeit für eine Abrechnung oder, um es in Anlehnung an Tocotronic zu sagen, „Let there be Gegenlicht!“

Dinge, die wirklich nur in den USA gut sind? Pathos-Rockbands! Genre und Milieu übergreifende Konsens-Folk-Rocker ohne Angst vor der Geste und mit einem Sound, der unverwüstlich ist. Wilco, Bruce Springsteen, Crosby, Stills, and Nash oder eben Dawes!

Gebleichter Pumuckl mit Hut: Dawes Drummer Goldsmith. (Foto: Dan Martensen)

Gebleichter Pumuckl mit Hut: Dawes Drummer Griffin Goldsmith am Steuer. (Foto: © Dan Martensen)

Es fällt mir schwer über Dawes zu schreiben, ohne mit Schlagzeuger Griffin Goldsmith zu beginnen. Oder besser gesagt mit seinem Äußeren. Denn er sieht aus wie eine Mischung aus einem gebleichten Pumuckl und einem James Bond Bösewicht. Zudem er ist ne ziemlich coole Sau. Aktuell pflegt er einen Look, der an Tom Hanks in Cast Away erinnert. All das macht schon großen Spaß, ehe man einen einzigen Ton gehört hat.

Dawes leben neben ihrer bemerkenswerten Musikalität (und ihrem Look!) vom Storytelling Taylor Goldsmiths‘ – dem Sänger und Bruder des Schlagzeugers. Seit ihrer Gründung 2009 haben Dawes ein paar ganz wunderbare Geschichten für jede Lebenslage komponiert.

Da wäre zum Beispiel die Hau-Drauf Nummer „When my time comes.“ Das ist so ein Song, den man lauthals schreiend im Auto singt, wenn man von der Freundin verlassen wurde und man gerade einen Funken Mut gezündet hat. Oder wenn man sich an der Bar mit Bier und Scotch zugeschüttet hat und es dann noch mal so richtig lustig wird.

Let there be Gegenlicht! (Foto: Dan Martensen)

Let there be Gegenlicht! (Foto: © Dan Martensen)

Dann sind da auch zeitlos gute Folk-Songs, die in leisen Tönen große Geschichten erzählen. In „A little bit of everything“ treffen wir einen Lebensmüden auf der Golden Gate Bridge. Oder „So well“, in dem Goldsmith aus drei verschiedenen Perspektiven von der Liebe zu einer Frau einfach so dahin erzählt, als wäre es nichts.

Und jetzt haben Dawes mit „All your favorite bands“ ein ziemlich dreistes Rockalbum in den Orbit geschossen. Dreist, weil man so Musik heute eigentlich nicht mehr macht. Es sei denn, siehe Texteinstieg, man kommt aus den USA. Der Opener „Things happpen“ weist einem da schon gleich die Richtung. Trommelwirbel, Einführung einer super-simplen Melodie, die an die 80er Jahre erinnert, und dann erstmal so ein laidback Beat mit dem man gerne den Pacific Coast Highway entlangfahren möchte. Und es ist total vorhersehbar, dass der Song dann in einem sing-along Chorus mündet. Keine Überraschung. Aber sehr lecker!

Das wundervollste Stück der Platte ist „Right on Time.“ Mit dem geht es wieder ins Auto. Fenster runter. Einmal quer durch das große Land vom Atlantik zum Pazifik, genug kaltes Bier im Kofferraum, bei offenem Fenster rauchen. Und dann diese Bridge, die zum Chorus führt! „’Cause there’s a story that’s recorded in each fingerprint…“, der zweistimmige Gesang, die hymnischen Akkorde… Wofür wurde Musik erfunden? Genau für solche Takte.

„All your favorite bands“ ist noch so ein dreistes Stück. „May all your favorite bands stay together…“ Da denkt man dann an die stets schwarz gekleidete verklausulierte Unbestimmtheit, das ironische Zitieren, die Angst vor Bekenntnis und die Fake-Coolness der Metropolen-Jugend von heute, die darauf wartet, dass James Blake oder The XX aus dem Koma aufwachen und den nächsten Ton spielen… und so eine nackt-romantische Textzeile bekommt da beinahe was Satirisches. Dawes meinen das ernst. Stehen da breitbeinig , mit sich selbst im Reinen. Mögen sie für immer eine Band bleiben!

Dawes spielen im Rahmen des Lollapalooza Festivals am 13. September in Berlin.

 

Titelfoto: © Dan Martensen, Presskit Dawes

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