Rose Interview MikrofonChristina Lux? Christina Lux! Die in Köln lebende Singer-Songwriterin wird in diesem Jahr 50 und beschenkt uns mit einem Album, das wie gemacht ist für Sonntage.

Sonntag. Der Sonntagmorgen ist ein eigenartig schönes Ding. Der Abend- und Nachtirrsinn des Wochenendes liegt hinter uns. Aber vor uns noch ein ganzer freier Tag. Einer, der gedämpft und ruhig daher kommt. Der mit einem langen, späten Frühstück beginnt und dann mal schaut, was so kommt. Dieser Sonntagmorgen verlangt seit jeher nach passender Musik. Das fidel-aufputschende Upbeat-Zeug mit dem wir den Samstag beginnen, ist nicht mehr geeignet. Wir brauchen sanfte Musik, ein Klangteppich auf dem unsere vielleicht sogar verkaterten Gemüter ein wenig surfen können. Lange Zeit dudelte bei mir Sonntags immer Eleonor Friedberger durch die Wohnung. Nun aber habe ich etwas Neues für die Sonntage entdeckt: Christina Lux.

Zugegeben, bei allem Interesse für Musik, ist mir Christina Lux noch nie untergekommen. Dabei macht sie bereits seit 1998 eigene Platten. Allerdings findet diese Musik nicht statt in den von mir genutzten Quellen für neue Musik und sie wird auch nicht von meinen Freunden gehört. Vielleicht, weil sie nicht die Codes der urbanen Hypes bedient.

Dateiname :DSC_0013.JPG Dateigr��e :2.3MB (2455148 Bytes) Aufnahmedatum :Mit, 14. Nov 2001 16:05:31 Uhr Bildgr��e :3008 x 1960 Aufl�sung :300 x 300 dpi Bitanzahl :8 Bits/Kanal Sch�tzen :Aus Kamera-ID :N/A Kamera :NIKON D1X Qualit�tsmodus :Fein Messmethode :Mehrfach-Feld Belichtungsbetriebsart :Manuell Speedlight :Aus Brennweite :50.0 mm Verschlusszeit :1/250 Sekunden Blende :F5.6 Belichtungskorrektur :0.0 EV Fester Wei�abgleich :Automatisch Objektiv :28-70 mm F2.8 Blitz-Synchronisierungsmodus:N/A Belichtungsdifferenz :-6.8 EV Flexibles Programm :Nein Empfindlichkeit :ISO125 Sch�rfung :Normal Farbmodus :Farbe Farbeinstellungen :Modus II (Adobe RGB) Farbs�tigung :3 Farbs�ttigung :N/A Tonwertkorrektur :Normal Breite (GPS) :N/A L�nge (GPS) :N/A H�he (GPS) :N/A

Christina Lux  (Foto: © Manfred Pollert)

Und so blicke ich mit leichtem Zögern auf das CD-Cover in meinen Händen und in meinem Kopf dröhnt es „Juliane Werding!!!“. Eine visuelle Stimmung wie aus den Siebzigern: Frau mit Gitarre, schwarz-weiß, warmes Licht. Beim Einlegen der CD plagt mich der Gedanke, was ich machen soll, wenn ich die Musik grausam finde. Wie ich irgendwie höflich aus meiner Zusage die neue Platte zu besprechen wieder rauskommen könnte.

Und mitten in diesem Gedanken erklingen die ersten Takte einer sanft gezupften Gitarre und einer wirklich schönen Stimme, die gleichermaßen frisch und erwachsen klingt. Und ich denke mir: Sonntagmorgen! Solche Musik entschleunigt. Denn sie muss keinem was beweisen. Ich bin erleichtert und höre seit langem mal wieder eine Platte bis zum Ende.

Das Album „Embrace“ (erschienen am 31.7.2015) ist vor allem eine Live-Platte mit vielen englischen aber auch einigen deutschsprachigen Songs. Auf deutsch singen ist ja in den vergangenen Jahren noch mal neu populär geworden: Tim Benzko, Philip Poisel und andere… aber keiner von denen hat mich irgendwie weiter berührt. Bei Christina Lux ist das anders. Und das hat vielleicht etwas mit einer Sache zu tun, die man auch über junge Schriftsteller sagt: Sie können zwar erzählen, aber sie haben noch nicht genug erlebt, von dem sie erzählen können.

In diesem Sinne sind die Texte von Christina Lux wunderbar erwachsen, weil sie nicht die einfachsten und allgemeinsten Metaphern und Symbole nutzen, sondern ein Stück tiefer gehen. Den einen Schritt länger nachdenken, den man vielleicht nur denken kann, wenn man ein wenig mehr vom Leben gesehen hat als ein 25-jähriger. Christina Lux wird in diesem Jahr 50.

Zu bewundern ist das vor allem in dem Stück „Meer“, mit dem das Album endet. Es balanciert gekonnt am schmalen Abgrund zum Kitsch, wie immer, wenn auf deutsch über die Liebe gesungen wird. Aber der Balanceakt gelingt:

„Wenn ich das Meer wär‘
und du das Land
ich könnte kommen und gehen
ohne Angst

und wo immer wir uns träfen
wir könnten toben oder uns sanft berühren
und wo immer wir dann landen wir wüssten,
dass das Meer und das Land sich nie verlieren.“

Das muss man erst mal so leicht dahin schreiben. Hätte Herbert Grönemeyer, an den der Sound dieser Worte erinnert, die Zeilen geschrieben, Zigtausende würden sie auf seinen Konzerten mitsingen. Und so ist es bei aller Freude über die Entdeckung auch ein wenig schade, dass Künstler wie Christina Lux von vielen unentdeckt bleiben.

Aber für alle, die entdecken wollen: Christina Lux ist in den kommenden Wochen mit ihrer neuen Platte live unterwegs. Hier geht es zu den Terminen.

Titelfoto: © Manfred Kittner

2 Kommentare

  1. Detlef Kopp Antworten 8. August 2015 at 16:32

    Hallo Mario Münster,

    . ..ein schön geschriebener, lichtvoller Artikel über eine wunderbare Sängerin. Ich habe sie vor 2 Jahren live in Karlsruhe erlebt und war begeistert. Jetzt wohne ich seit kurzem in Berlin und überlege wie wir sie hierher locken könnten. Berlin steht nämlich noch nicht auf ihrem Konzertkalender. Kennen Sie eine kleinere Bühne hier, die für ihren Auftritt passend wäre?

    Herzliche Grüße,
    Detlef Kopp

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