Freundin – das meint eine intensive Beziehung und blindes Vertrauen, eine Frau, die mich kennt, wie niemand sonst mich kennt, die mich versteht und immer für mich da ist. Mit der ich Freud und Leid teile, die mich nach Hause bringt und den Kopf streichelt, wenn es mir dreckig geht. Und für die auch ich alles tun würde. Ich hatte nicht geglaubt, dass die beste Trösterin, Beraterin, Psychologin, Geheimnisträgerin und Reisebegleiterin von einem – wie ich annahm – harmlosen Ereignis gefährdet werden könnte. Das war, bevor ich selber Kinder hatte.

Viele Mütter, erzählten mir, sie hätten nun andere Freundinnen, als früher,  vor den Kindern, weil sie jetzt auch ein anderes – von den Wünschen und Bedürfnissen der Kinder strukturiertes – Leben führen würden. Und so eng wie damals in der Schule, im Studium und als sie anfingen zu arbeiten, würde das auch nie mehr werden. Dann lächelten sie müde und zuckten mit den Schultern. Als könne man über Jahre gereifte, intensive Freundinnenschaften mit einem Schulterzucken abtun! In meiner kinderlosen Welt war das undenkbar.

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Graffiti, Berlin 2016

Denn echte Freundschaft vergeht doch nicht, weil man einen neuen Freund hat, in eine andere Stadt zieht oder eben ein oder auch zwei Kinder bekommt. Als ich dann selbst einige Monate nach der Geburt meiner Kinder, aus dem postnatalen Zustand erwachte, war die Anzahl der Freundinnen, die ich sonst regelmäßig getroffen und gesprochen hatte, tatsächlich gesunken. Verließen die Ratten das sinkende Schiff?

Kinder sind die größte Herausforderung für Freundinnen, vor allem dann, wenn eine keine Kinder hat.

Mir wurde klar, ich war jetzt mehr als jemals zuvor, auf Nachsicht und Verständnis angewiesen. Und nicht jede Freundin war bereit, diesen Weg mit mir zu gehen. Denn natürlich war es attraktiver, anstatt sich zu mir auf die Couch zu setzen, bei cooler Musik in engen Bars Cocktails zu trinken. Oder ins Kino zu gehen, als stundenlang mit mir in Schnee und Eis durch die Stadt zu laufen, damit die Zwillinge im Kinderwagen auch brav schliefen. Und wer hat schon Lust, sich mit der Freundin auf dem Spielplatz zu treffen, wo möglicherweise nur über permanenten Schlafmangel und wunde Kinderpopos gesprochen würde? Umso dankbarer bin ich, dass mir einige Freundinnen geblieben sind von damals und ich meinen neuen Freundeskreis nicht auf meine Kinder schieben muss.

Freundinnenbonus: Wir sind dran!

Aber irgendwann – und das sollte uns Müttern klar sein – ist der Kredit verbraucht. Dann ist der Punkt gekommen, an dem wir ein wenig aus unserer Familien-Komfortzone raus und aufhören müssen, uns immer mit den Kindern zu entschuldigen. An dem wir nicht mehr selbstverständlich abendliche Besuche von den Freunden einfordern dürfen und erwarten, dass es okay ist, wenn wir auch die zwanzigste Verabredung in Folge absagen, weil es mal wieder eine schlechte Nacht war.

Denn irgendwann kommt der Moment, in dem die Freundinnen aufgeben könnten. Dann ist der Kredit aufgebraucht, die Tanks leer. Deshalb sollten wir uns beizeiten für Treue, Liebe, Ausdauer und Verständnis, die uns über Monate und Jahre entgegengebracht wurden revanchieren. Wenn uns wirklich etwas an unseren besten Freundinnen liegt – und das sind sie, wenn sie bis jetzt bei uns geblieben sind –, müssen wir über uns hinaus wachsen, die bequemen Ausreden stecken lassen, und uns auch wieder nach ihren Wünschen richten. Einfach mal wieder bei ihr um die Ecke etwas trinken gehen, sie mit einem tollen Konzertbesuch überraschen, ein gemeinsames Wellness-Wochenende vorschlagen oder irgendetwas von den Dingen tun, die man früher besonders gern zusammen gemacht hat. Sie haben es verdient!

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