Rose KurzgeschichteVom Eh.

Damit eines klar ist. Wir sind nicht niedlich. Mögen wir vielleicht so klingen, wir sind es nicht. Herzig wenn dann, aber auch das nicht. Der Wiener Schmäh – suuupernett? Nein. Christoph Waltz hat seine Landsleute vor Kurzem trefflich beschrieben mit: “First of all, they are really nice, and second they don’t mean it.” Aber was soll‘s, ein Österreicher wird mit Urlaub assoziiert, wurscht ob jetzt wienerisch oder vorarlbergisch geredet wird – was wiederum die im Osten Österreichs eh nicht verstehen. Das Eh übrigens – ein ganz wunderbares Wort, das hier in Deutschland kein Pendant findet. Aber Achtung, es hüte sich der, der das Eh leichtfertig verwenden will, der Einsatz des Eh ist höchstkompliziert, falsch verwandt gefährlich! „Es war eh schön.“ heißt bei Gott nicht das was der gemeine Deutsche denkt dass es heißt, ha! Furchtbar war es! Und langweilig! Sofern Ton, Mimik, Zusammenhang und überhaupt auch darauf schließen lassen. Dennoch ist das Eh keine Ironie. Ist vielmehr ein Code. Man sehe sich vor. Na eh, was sonst.Wien

Vom Ausgehen.

Schlimmer noch als mit dem Eh verhält es sich beim Ausgehen, das mit einer Disco so wenig zu tun hat wie ein Schlachtschiff und ein Walzer (Zitat Christoph Waltz). Konkret, mit dem sich ausgehen. Also habe ich einmal, ich war ganz neu in Berlin und hatte ja auch sonst keinen Bezug zu Deutschland, achtlos aber wie immer elegant gesagt: „Des geht si scho aus.“ Der Blick des Gegenüber daraufhin verstandlos, vom Verständnis ganz zu Schweigen. Also nochmal. Hochdeutsch, lauter, deutlicher und ohne Dialekt:  „Das   geht   sich   schon   aus!“  Wieder der Blick ohne Verstand. Was ich denn meinen würde, wohin denn gehen und warum? Ich wurde unsicher, wusste nicht, ob ich mich unklar ausgedrückt habe oder ob es einfach beim Gegenüber hapert. Wurde noch unsicherer bei dem Versuch, es geht sich aus zu beschreiben. Schließlich heißt es das, was es sagt! Herrgott noch mal. Nie zuvor habe ich über etwas derart Logisches nachdenken müssen. Mein Versuch einer Übersetzung war es klappt schon, das ich da zum ersten Mal verwendet habe. Klappen für sich ausgehen. Bringt einen ganz aus dem ¾ Takt. Brrr.

Wien

Vom Wesen.

Nichts spiegelt besser das Wesen einer gesamten Nation wider, als die beiden Redewendungen Eh und das geht sich schon aus. Beides ist – ich will mich nicht festlegen – Auslegungssache. Das Eh im Kontext bedeutet einmal eine Abschwächung, ein anderes Mal eine besondere Hervorhebung. Das geht sich schon aus – hat man es einmal verstanden – ist die wortgewordene, sehr freundliche Beruhigung, dass man es doch bitte nicht so genau nehmen soll und der Sache besser etwas mehr Zuversicht entgegenbringt, die dem Ziel bestimmt zuträglicher ist als Pedanterie, man aber eventuell auch ein paar Abstriche in Kauf nimmt, dafür Lebenszeit und Zufriedenheit gewinnt. Der vom Österreicher akzeptierte und kultivierte Antitermin. Das +/- bzw. eher + als -. Denn zeitlich bezogen wird es eher ein bisserl später, monetär teurer und quantitativ wird wohl immer noch mehr in das Sackerl gestopft, es sei denn es geht um Geld, dann wird es wieder teurer. Sich nicht so ernst nehmen predigen ja jetzt auch viele Psychologen. Als wäre das so ein Novum. Urlaub in Österreich – und der Druck ist raus.

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