Rose KommentarUnser Montags-Kommentar – heute zum Thema: VW. Viel war die letzte Woche bei #Dieselgate die Rede von den Folgen für VW. Reichen die Rücklagen? Wer folgt auf Winterkorn?  Wird mein Passat morgen stillgelegt? Sorgen macht man sich seither in den deutschen Medien auch um das Image der deutschen Automobilwirtschaft. Wie geht’s den Automobilwerten im DAX? Was wird nur aus „Made in Germany“?  Muss Onkel Siggi ausrücken, um die deutsche Wirtschaft zu retten? Ist das eine Verschwörung der US-Industrie gegen Dieseltechnologie aus Deutschland?

Es verkommt zur Randnotiz, dass der millionenfache Abgasbetrug Folgen für die Umwelt hat. Auch deutsche Städte haben massive Probleme, die von der EU vorgegebenen Grenzwerte für Stickoxide einzuhalten. Stuttgart droht bereits ein Strafverfahren. Über dieses ominöse CO2, von dem immer Alle reden, ganz zu schweigen. Angeblich hat es auch was mit Autos zu tun. Munkelt man.

Die Automobilbranche erweist sich seit jeher als findig, wenn es darum geht, Verbrauchs- und Emissionswerte zu pimpen, bis selbst Matthias Wissmann leicht errötet. Jener Autofahrer, der die vom Hersteller angegeben Werte zum Spritverbrauch im Alltag nur annähernd einmal reproduzieren konnte, ist  noch nicht geboren. Bereits letztes Jahr legte das International Council on Clean Transportation (ICCT) eine Studie vor zu den Abweichungen zwischen den Herstellerangaben und den realen Werten. Das Fazit: Die Diskrepanz wächst eher als dass sie schwindet. Betrug die durchschnittliche Abweichung zwischen beiden Werten im Jahr 2001 rund acht Prozent, waren 2013 knapp 38 Prozent erreicht. Jede Messung ist eben nur so gut wie ihr Verfahren. Deutschland ist innerhalb der EU der Bremsklotz, wenn es darum geht, wenigstens annähernd realistische Testverfahren verpflichtend einzuführen.

 

Feinstaub? Ist doch von den Franzosen erstunken und erlogen. Alles halb so wild.

 

So funktioniert das in Deutschland. Unermüdlich und höchst erfolgreich lobbyieren BMW, Mercedes und VW gegen strengere CO2-Grenzen, gegen bessere Messverfahren und gegen Tempolimits. Ich erinnere mich noch, wie vor einigen Jahren aus Frankreich der Rußpartikelfilter kam. Zeter und Mordio. Weil die deutsche Automobilbranche eine sinnvolle Technologie verpennt hatte, wehrte sie sich mit Klauen und Füßen gegen verpflichtende gesetzliche Vorgaben. Feinstaub? Ist doch von den Franzosen erstunken und erlogen. Alles halb so wild.

Unermüdlich schwafeln die Vorstände deutscher Autobauer von sauberen Flotten und gerieren sich als Speerspitze des ökologischen Ingenieurwesens, weil sie nach Jahren endlich vereinzelt ein annähernd vernünftig gebautes Elektroauto in den Modellreihen verzeichnen. Steckte die deutsche Automobilbranche nur ein Jahr lang ihr Marketing- und Entwicklungsbudget für neue SUV-Modelle in die Entwicklung der Elektromobilität, dann wären sie wahrscheinlich beim derzeitigen Dealbreaker Batterie schon Lichtjahre weiter.

Ende November findet in Paris die, man höre und staune, bereits 21. Klimakonferenz statt. Angela Merkel wird sich wieder als Klimakanzlerin vermarkten. Wir reden von jener Kanzlerin, deren Veto dafür sorgte, dass die CO2-Grenzwerte für PKW in der EU erst verzögert und in einer Lightversion eingeführt wurden, damit die deutschen Hersteller noch mehr Zeit haben, ihre PS-starken Spritschleudern irgendwie unter die Grenzwerte zu bekommen.

Deutschlands Automobilindustrie in ihrer rückständigen Borniertheit hat immer Vorfahrt. Das ist der eigentliche Skandal.

 

Titelfoto: © Via: Kenny Louie, VW. Via: https://flic.kr/p/dz7nbg is licensed under a Creative Commons license CC BY 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

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