Vera Hofmann ist Fotografin und Teil der Künstlergruppe Benten Clay. Sie verbindet ästhetisch eingängige Fotos, Videos und Installationen mit Nachdenken. Über Tod und Erinnerung, digitales Leben, Macht und die Begrenzung natürlicher Ressourcen – beispielsweise. Diese Arbeit ist ihre Leidenschaft. Kann man davon leben?

Vera, Du hast deinen Job in der Werbebranche aufgegeben, um deine Leidenschaft Fotografie und Kunst zum Beruf zu machen. Ist es jetzt einfacher oder schwerer als du dir zu Beginn vorgestellt hast?

Definitiv schwieriger. Der Fotografiemarkt ist während meiner Ausbildung durch das Magazinsterben, Digitalkameras, Handykameras und Stockagenturen total eingebrochen und der Kunstmarkt, gerade in Berlin, ist mehr als gesättigt. Zum Glück habe ich einige gut bezahlte Aufträge in der Industrie, mit denen ich meine künstlerischen Projekte teilfinanzieren kann. Die Selbständigkeit erfordert Struktur, eine gute Selbstorganisation und Ausdauer. In der Kunst gelten noch mal ganz andere Spielregeln, auch im Selbstverständnis. Es ist eine Lebenshaltung, die man nicht nach Feierabend an der Firmentür abgeben kann und möchte.

Foto: Sabine Schründer

Foto: Sabine Schründer

Ich glaube, sie ist eine der schwierigsten „Branchen“ überhaupt, denn die Motivation erfolgt nicht aus finanziellen Gründen, der Markt ist klein und spezialisiert und man braucht einen sehr langen Atem und viel Engagement, an totale Selbstausbeutung grenzend, wenn man dies hauptberuflich und langfristig ausüben möchte. Viele Leute haben mir gesagt, ich sei mutig gewesen, meine vorherige BWL-Karriere einfach aufzugeben. Ich habe das nie so gesehen, sondern eher als logische Konsequenz. Bisher habe ich mir noch kein einziges Mal in meinen Job zurück gewünscht. Was nicht heißt, dass es keine Zweifel gibt, aber es gibt auf keinen Fall ein Zurück.

Braucht man einen Masterplan?

Der hilft sicherlich, ist aber eher ganzheitlich zu sehen als nur rein beruflich. Ich glaube, so lange man Etappenziele visualisieren kann, kann man sie auch erreichen. Und von da aus geht es zum nächsten Schritt.

Lohnt es sich in den Weg zu investieren?

Man sollte schon einen Plan haben, woher das Geld zum Leben kommen soll – leider. Aber das nimmt viel Druck raus. Wenn man das einigermaßen auf die Reihe bekommt, lohnt es sich immer und unbedingt, seiner Leidenschaft nachzugehen. Wenn man sich dann noch politisch einbringt und für Strukturen kämpft, in denen individuelle Entfaltung und Begabung zum Wohl der Gemeinschaft gefördert werden, könnte unsere Gesellschaft Quantensprünge erleben, da so viel ungenutztes, wertvolles Potential in langweiligen Jobs und unsinnigen Firmen versauert.

 

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