Rose IdeeFacebook und Apple wollen ihre Mitarbeiterinnen offenbar dabei unterstützen Eizellen einzufrieren. Lena Baseler fragt nach dem Sinn und Zweck dieses kühnen Vorstoßes.

Berichten zufolge bezahlen Facebook und Apple  ihren Mitarbeiterinnen jetzt den Kinderwunsch. Oder besser gesagt: den erst einmal auf Eis gelegten Kinderwunsch. So sollen für die jungen Karrierefrauen – wie man so schön sagt – bis zu 20.000 USD bereitgestellt werden, um deren Eizellen einfrieren zu lassen, damit selbige irgendwann nach Gusto  – und vor allem wenn es zeitlich passt – aufgetaut werden können, um ein Kind zu bekommen. Wenn es denn zeitlich passt, Leihmütter gäbe es ja auch noch.

Was bitte soll das?

Geht es hier wirklich um die Selbstbestimmung der Frau bezüglich der Frage,  wann sie ein Kind zu gedenken bekommt? Ein Unternehmen bietet dir Hilfe dabei an, deinen Kinderwunsch zu verschieben, da Karriere und Kind ja eh nicht unter einen Hut zu bekommen sind? Und darf man dann als angehende Mama (also irgendwann in 15 Jahren) seinem Kind sagen: „Schatz, wenn Facebook nicht so großzügig gewesen wäre, gäbe es dich vermutlich gar nicht“?

In solchen Momenten des Zeitunglesens frage ich mich manchmal, was Simone de Beauvoir zu dieser Meldung gesagt hätte. Fast 30 Jahre nach ihrem Tod ist es per se traurig und erschreckend zugleich, dass die Gleichbehandlung von Frau und Mann immer noch Thema ist – und zwar ein alltägliches und massenhaftes.

 Auch die Frauenquote soll auf Eis gelegt werden

Zur Behandlung der Symptome, nicht der Krankheit selbst, werden dann Konstrukte wie die Frauenquote entwickelt. Ein künstlich geschaffener Prozentsatz von Frauen in leitenden Positionen. Und wenn es mit der Wirtschaft mal nicht ganz so rund läuft, stellt sich Frau Aigner vor die Kameras und Mikrofone der Mainstreammedien und erklärt, dass in Zeiten einer Konjunktureindämmung eine gesetzliche Frauenquote –mag man von ihr halten, was man will – „das komplett falsche Signal“ wäre und man selbige besser auf Eis legen sollte. Und siehe da, schon wieder werden Beschlüsse von und für Frauen in Frage gestellt.

Nun wird vielleicht der Einwand kommen, dass Facebook und Apple doch gerade innovativ etwas für die Selbstbestimmung der Frau tun, denn sie können jetzt ja in eine arbeitsintensive Führungsposition aufsteigen und trotzdem den Kinderwunsch nicht komplett verwerfen. Brave new world.

Meine Meinung: Nein, sie tun nichts für eine emanzipierte Selbstbestimmung.

Der Punkt ist: Facebook und Apple möchten ihre Mitarbeiterinnen nicht teilen. Von vornherein nimmt man an, dass Kind und Karriere eh nicht zu vereinbaren sind. Dies ist leider auch 2014 noch zu oft die traurige Wahrheit. Aber anstatt zu überlegen, wie dieses Problem gelöst wird, friert man Eizellen ein. Problem vertagt.

Mit  20.000 USD könnten  intelligente Elternzeiten und eine gute Kinderbetreuung zumindest in Teilen in die Wege geleitet werden. Nur so eine Idee…

Nun ja, man merkt wohl, dass mich als irgendwie Betroffene das Thema nicht kalt lässt. Facebook und Apple greifen mit ihrem Ansatz tiefer, als man das im Moment vielleicht glauben mag, in die Debatte um die moderne Rolle der Frau ein. Mit unabsehbaren Folgen, wie ich finde.

Das Schlimme daran ist: Ich unterstütze diesen Unfug passiv, da Facebook und Apple an mir Geld verdienen. Durch meine preisgegebene Daten.

Asche auf mein Haupt.

Titelfoto: CC BY-NC-SA 2.0 by Ying Chung Chen https://www.flickr.com/photos/wadanabe/

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