Rose KurzgeschichteWenn man in das Buch mit dem Titel „Zukunftsalmanach“ reinblättert, könnte man an ein modernes Märchenbuch denken. Ein Buch, das fiktive Geschichten erzählt, wie eine nachhaltige Zukunft aussehen könnte. Eine Zukunft, in der Wirtschaftswachstum nicht länger als einziger Garant für ein gutes Leben gesehen wird. Doch das Buch ist kein Märchenbuch. Es erzählt wahrhaftige Geschichten aus dem Hier und Jetzt. Die Autorinnen und Autoren um den Soziologen Harald Welzer, Direktor der Stiftung „Futurzwei“ und Professor für Transformationsdesign an der Uni Flensburg, haben ein Buch geschrieben über „Geschichten vom guten Umgang mit der Welt“. Es ist ein Buch über Menschen, die überzeugt davon sind, dass es Alternativen zur herkömmlichen Produktions- und Konsumpraxis geben kann und muss. Menschen, die mit Hingabe ihre Ideen dazu in die Praxis umsetzen. Menschen mit Idealen, Visionen und Mut – auch dem Mut zu scheitern. Im Gegensatz zu den Helden, Zauberern oder Feen in Märchen, gibt es die Protagonisten dieser Geschichten in Fleisch und Blut.

Copyright: S. Fischer Verlage, 2015. FUTURZWEI Zukunftsalmanach 2015/16. http://www.fischerverlage.de/buch/futurzwei_zukunftsalmanach_2015_16/9783596030491

Copyright: S. Fischer Verlage, 2015. FUTURZWEI Zukunftsalmanach 2015/16. http://www.fischerverlage.de/buch/futurzwei_zukunftsalmanach_2015_16/9783596030491

Geschichten über den Mut, Dinge anders zu tun

88 Geschichten haben die Autor/innen für ihren zweiten Zukunftsalmanach recherchiert und aufgeschrieben. Sie spielen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie handeln von Ideen, um Abfallberge zu vermeiden, regional gesunde Lebensmittel zu erzeugen und zu vermarkten, Produkte lange zu nutzen und gezielt aufzuwerten, sich gegenseitig im Kiez Dinge auszuleihen, anstatt Keller und Kammern mit nur selten benötigten Gegenständen vollzustellen. Ideen, was getan werden kann, damit weniger Lebensmittel im Müll landen, oder wie aus Textilresten und Altkleidern neue Mode entstehen kann. Ideen für einen anderen Umgang mit Geld, für effizienteren Energieeinsatz, für Do-it-yourself, und viele weitere. Einen Schwerpunkt widmet das Buch dem Thema Material: Manche Geschichten handeln von neuen und anderen Materialien für Baustoffe, Textilien und Kunststoffe, in anderen dreht sich der Plot um ein Wiedernutzen, Recyceln oder „Upcyceln“ (also ein Aufwerten) von Material.

Mit sprühendem Optimismus und Tatendrang gegen die Resignation

Die gelebten und erzählten Geschichten wollen nachvollziehbar machen, wie Veränderung geht und was man davon hat, erläutert Harald Welzer im Eingangsessay des Buches. Sie skizzieren, wie das, was Welzer ein „reduktives Kulturmodell“ nennt – nämlich eines, das sich dem bisher vorherrschenden Paradigma des „immer mehr“ entgegenstellt – funktionieren kann.

Das, was sich Futurzwei mit dem Buch vorgenommen hat, geht märchenhaft auf: Wenn man bis dato eher das resignierende Gefühl hatte, die paar guten Ansätze für anderes Wirtschaften seien wie ein Tropfen auf den heißen Stein, hilft das Buch, die Welt optimistischer zu sehen: Ja, ruft einem das Buch zu, ein Wandel ist möglich! Das Buch beweist, dass es schon heute ziemlich viele Tropfen gibt, die den Stein, also unsere wirtschaftliche und kulturelle Praxis, langsam aber sicher aushöhlen und in dessen Mitte neue und lebenswerte Modelle setzen. So ist das Buch nicht nur ein Jahrbuch der guten Ideen von heute, sondern ein echter Zukunftsalmanach – einer der Tatendrang wecken will, um eine lebenswerte, eine enkeltaugliche Zukunft selbst zu gestalten.

„Alternativlos“ war gestern

Wen es heute nervt, dass bei vielen Produkten im Falle eines Defektes eher ein Neukauf als eine Reparatur empfohlen wird; wer empört ist über geplante Obsoleszenz; wer dem Konsumwahn entfliehen möchte; ja, wer das Wort „alternativlos“ nicht mehr hören kann, sondern spürt, dass etwas grundlegend anders laufen müsste, dem sei der Futurzwei Zukunftsalmanach sehr ans Herz gelegt. Er stattet die Leser mit Anregungen, wie ein gutes Leben jenseits des noch dominierenden Mainstreams aussehen kann, in Hülle und Fülle aus. Und vor allem macht er Mut, weil er glaubhaft vermittelt, dass unser Wirtschafts- und Kulturmodell auch anders, besser, nachhaltiger funktionieren kann – und zwar in der Praxis, nicht in der Theorie.

FUTURZWEI Zukunftsalmanach 2015/16 ist im S. Fischer Verlag erschienen und für 16,99 Euro erhältlich. Herausgeber:  Harald Welzer, Dana Giesecke und Luise Tremel, ISBN: 978-3-596-03049-1.

Titelfoto: © Salvatore Vastano, Future. Via: https://flic.kr/p/pLsXJh is licensed under a Creative Commons License CC BY-ND 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/

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