Rose IdeeDie globalen Protagonisten der Sharing-Economy wie Airbnb und Uber hatten bisher schon in ihrem Narrativ ein leichtes Spiel: Neue Wirtschaft vs. alte Wirtschaft, Fortschritt vs. Rückschritt und so weiter. Nun setzen sie noch eins drauf. Als Retter der Mittelschicht. Ein Geniestreich in Sachen Storytelling?

Am Dienstag gab es in San Francisco einen Bürgerentscheid, der grob zusammengefasst die Möglichkeiten von Untervermietungen durch Anbieter wie Airbnb beschränken wollte. Man könnte meinen, dass in einer Stadt, in der die Mieten in den vergangenen Jahren irrational gestiegen sind, die politische Erzählung vom bösen Buben Airbnb bei den Bürgern sofort verfängt, und sich die Bewohner klar für härtere Regeln in Sachen privater Untervermietung aussprechen.

Denkste!

Das Ergebnis einer recht intensiven Wahlauseinandersetzung fiel dann relativ klar zu Gunsten von Airbnb aus (55% zu 45%). Ein Ergebnis mit Signalwirkung. Vor allem deshalb, weil Airbnb ein weiteres Leitmotiv in die Erzählung seines Geschäftsmodells integriert hat: Die Rettung der Mittelschicht.

Kurz gesagt: Wer in harten Zeiten nur schwer über die Runden kommt, der soll wenigstens durch die private Untervermietung seiner Zimmer die Chance auf ein finanzielles Zubrot bekommen, um so ein anständiges Leben zu führen. Mit den Worten von Airbnb klingt das so: „In einem entscheidenden Sieg für die Mittelschicht sind die Wähler aufgestanden für das Recht von Arbeiterfamilien, ihre Häuser miteinander zu teilen. Sie haben sich gegen eine extreme, von der Hotel-Industrie gestützte Maßnahme gestellt.“ Hollywood calling! So viel Chuzpe muss man erstmal haben.

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Die Gründer von Airbnb können recht Selbstbewusst nach vorne blicken. Foto: Airbnb

Und noch eine Sache zeichnet sich ab: Airbnb ist es gelungen seine Nutzer als politisches Kapital zu mobilisieren. Von diesen Nutzern hat Airbnb weltweit mittlerweile 50 Millionen. Der durchschnittliche Airbnb-Vermieter verdient im Jahr damit ca. 7.000 Dollar. Und auch in dieser Nacht werden weltweit wieder eine halbe Millionen Menschen in einem Airbnb übernachten. Wer Airbnb nutzt, egal ob als Vermieter oder Urlauber, der wird sich nicht für Beschränkungen des Angebots aussprechen.

Millionen Unterstützer und ein Narrativ, das erfolgreich Modernität und Gerechtigkeit transportiert? Es stellt sich die Frage ob es etwas gibt, das ein weiteres Wachstum von Airbnb aufhalten kann. Und das Unternehmen liefert in diesen Tagen den Muster-Case für alle anderen Unternehmen der Sharing Economy: Wenn du nur groß genug und selbstbewusst bist, kann dir nichts passieren.

Es bleibt spannend!

Beitragsfoto: Airbnb

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