Rose Foto KameraVom Visuellen und Spirituellen. Ein Gespräch mit Kletterfotograf Frank Kretschmann.

Wenn Frank Kretschmann wieder einmal den Rucksack packt, gestaltet sich das als ein oft wochenlanges Abtauchen aus der vertrauten Welt daheim und ein Eintauchen in die grenzenlose Natur. Dann geht es ab durch nahe und ferne Länder, rauf auf die großen Wände, die Kamera immer mit dabei. Denn Frank ist gelernter Fotograf und wenn er seine Zeit nicht mit Arbeit im Studio verbringt, ist er viel draußen unterwegs, ob mit der Familie, mit Freunden oder auf Job; das ist ihm wichtig. Dem 33-Jährigen ist es mit Passion, harter Arbeit, körperlichem Einsatz und dem Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein, gelungen, seinen Beruf als Studiofotograf mit seinem großen Hobby, dem Klettern, zu verbinden. Doch auch hinter dieser Symbiose, die sich vorerst nach dem Traumjob eines jeden Outdoorfreaks anhört, steckt ein langer Weg und jede Menge Knochenarbeit.

Foto: Archiv :Kretschmann

Foto: Archiv :Kretschmann

Frank Kretschmann wurde in Dachau bei München geboren, wuchs dann in Willersdorf bei Forchheim auf. Der Besuch der Kunstfachoberschule in Nürnberg ermöglichte ihm erste Einblicke in die Fotografie, an den Schulabschluss knüpfte er eine Ausbildung zum Fotografen bei Kaletsch Medien in Nürnberg an. Nach seiner Ausbildung zog es den jungen Franken nach Südamerika, dort nutzte er die Zeit hauptsächliche für Kletterausflüge in die Anden. Nach einigen Jahren Studio Fotografie verkürzte er seine Arbeitszeit auf zwei Tage pro Woche. Die gewonnene Freizeit nutzte er intensiv zum Reisen und Klettern, Familie und Verpflichtungen gab es damals nicht. Der Konsumgedanke fehlt bei Frank so ein bisschen. Was zählt, ist das Klettern und vor allem der damit verbundene Lifestyle: draußen sein, draußen leben, reisen – und immer wieder fotografieren. Er ist Teil dieser großen Kletter-Community, nimmt sich Zeit für die Athleten am Berg, die sich bereitwillig ablichten lassen. Mühe, Hartnäckigkeit und die richtigen Connections zahlten sich über die Jahre aus. Was als ein Hobby begann, nahm mit der Zeit Konturen an. Den Sommer 2009 bezeichnet Frank als den Startschuss seiner professionellen Kletter-Fotografie und den Beginn einer Idee – „madebynomads“. In diesem Sommer konnten er und sein heutiger Kollege Franz Walter am Eiger in den Berner Alpen in der Schweiz die geschichtsträchtige Begehung der „Japaner-Direttissima“ mit dem deutschen Extrembergsteiger Robert Jasper und dessen Schweizer Kletterpartner Roger Schäli dokumentieren.

Foto: Archiv :Kretschmann

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Diese Aufnahmen waren der Grundstein zahlreicher Kontakte zu Magazinen, einer andauernden Freundschaft zu den beiden Sportlern und dem Ursprung einer Kooperation. „madebynomads“ bildet den Zusammenschluss einer Gruppe von unabhängigen Fotografen und „storytellers“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, kleine Projekte filmisch und fotografisch zu dokumentieren. In Fotos und Videos will dieser Zusammenschluss von kreativen Köpfen seinem Publikum einen nomadischen, naturverbundenen Lifestyle näher bringen. Bei unserem Gespräch merke ich schnell, Frank ist nicht nur Fotograf und Kletterer aus Leidenschaft, der 33-Jährige packt alles mit Begeisterung an, hat ständig neue Ideen, sprüht vor Kreativität. Dass die ersten Jahre dieser Szene-Fotografie kein Zuckerschlecken waren, versteht sich von selbst. Jede Sekunde wurde da in Eigenwerbunggesteckt, Sponsoren mussten gefunden und Kontakte gewahrt werden. Das alles kostete viel Zeit, Energie und vor allem Geld. Doch Frank bleibt passioniert: Was wirklich wichtig ist, ist das Dabeisein.
Es sind die Geschichten, die hinter den Bildern stecken und welche für den Aufwand entschädigen. Denn hier auf Tour werden echte Freundschaften geknüpft und immer wieder heißt es: Der Weg ist das Ziel! Der anfängliche Versuch, zwischen Studio-Fotografie und Freizeit einen Mittelweg zu finden, hat sich inzwischen längst zu einer Sieben-Tage-Woche entwickelt, denn Frank hat sich als Name in der Outdoor-Branche etabliert. Dennoch ist dem jungen Fotografen auch heute noch oft der Vorsatz von Bedeutung, neben so manchen Kommerz-Aufträgen zur Refinanzierung seiner Projekte mit seinen Aufnahmen nicht das große Geld verdienen zu wollen. Ihm ist wichtig, vor allem das zu tun, was Spaß macht und als interessant erscheint. Mit seinen Fotos und Videos will Frank in erster Linie Geschichten schreiben, intensive Erlebnisse und realitätsnahe Momente der Kletter-Szene wiedergeben.

Foto: Archiv :Kretschmann

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Es sind die Reisen in ferne Länder, die diese einschneidenden Erlebnisse ausmachen. Erst das Nirgendwo in den bereisten Entwicklungsländern lässt erkennen, wie gut es einem daheim geht. Die körperliche Arbeit an der Wand schafft Raum für das Bewusstsein des eigenen Lebens, erst die Natur erdet völlig. Das sind die Gründe, die Frank immer wieder raus aus dem Komfort und rein in den Dreck ziehen, auch wenn nach dem Job keine heiße Dusche in einem Hotelzimmer wartet.

Frank Kretschmann wurde am 16. Februar 1981 in Dachau bei München geboren und machte nach seinem Schulabschluss eine Ausbildung zum Fotografen bei Kaletsch Medien in Nürnberg. Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes, die Familie wohnt derzeit in Nürnberg. Frank arbeitet unter anderem mit großen Outdoor-Marken wie Monkee, Salewa und Adidas. Zu seinen Highlights im Klettersport zählen der „Jirishanca“ (Peru, Anden), der „El Capitan“ (USA, Yosemite) oder der „Arwa Spire“ (Indien, Garhwal Himalya). Für mehr Infos klicke www.funst.de und www.madebynomads.com

 

Foto: Archiv :Kretschmann

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