Rose KommentarIn diesen Tagen trifft ein relativ progressiver Papst im Rahmen der Familiensynode auf eine Kirche, deren Positionen in manchen Fragen unerträglich sind. Dennoch sollten wir diesem Papst zuhören.

 

Vor etwa zwei Wochen posteten wir ein Zitat des Papstes auf Facebook. Der Post wurde überdurchschnittlich oft geliked. Zeitgleich verloren wir zwei Follower. Eine Freundin schrieb mir eine SMS mit der Frage, ob ich endlich doch noch zum Glauben finden würde. Oha. Ein Wespennest.

Die katholische Kirche mitsamt ihres CEO (Christ‘s Executive Operator) zählt zu den wenigen Organisationen, bei denen ich mir kaum die Mühe mache Verständnis aufzubringen. Maßgebliche Positionen sind mit mir und meinen Werten unvereinbar. Allen voran der Umgang mit Geschiedenen und homosexuellen Paaren. Ich war nicht Papst, als Benedikt mal ran durfte, und es hat auch nicht geholfen, dass meine Oma ihre vier Enkel an Weihnachten und Ostern immer vorm Fernseher versammelte, um uns den päpstlichen Segen durch die Bildröhre abholen zu lassen. Rom fand ich aber ganz nett.

Und nun gibt es da diesen Franziskus. Hab‘ ich auch lange aus Gewohnheit ignoriert. Seine epochale Exkommunizierung der Mafiosi lies mich 2014 kurz aufhorchen. Dann verschwand er für mich wieder. Bis zu seiner USA-Reise vor zwei Wochen. Meine morgendliche Lektüre der digitale New York Times war tagelang geprägt von Franziskus. Es war spannend zu sehen, wie die liberale Weltstadt-Zeitung den Spagat versuchte zwischen, Live-Ticker, kritischer Distanz und pathetischer Bewunderung. Ich begann zu lesen. Unter anderem das eingangs genannte Zitat:

„In big cities, beneath the roar of traffic, beneath the rapid pace of change, so many faces pass by unnoticed because they have no ‘right’ to be there, no right to be part of the city. They are the foreigners, the children who go without schooling, those deprived of medical insurance, the homeless, the forgotten elderly. These people stand at the edges of our great avenues, in our streets, in deafening anonymity.”

Macht er die Welt besser?

Klarer kann man die Sache nicht ausdrücken. Und warum muss eigentlich erst der Papst kommen, damit man sowas liest?! Also las ich weiter. Franziskus sagt viele Dinge in derselben eindeutigen Diktion. Egal ob es um Klimawandel, Syrien, Gaza oder die Ukraine geht. Die französische „Le Monde“ sprach kürzlich vom „führenden Progressiven des Planeten“ (sorry, Horst Seehofer!), „Die Zeit“ nannte ihn „Gottes Blauhelm“. Was das bedeutet, erfährt man schnell, wenn man wie ich dann tagelang liest, was Franziskus so sagt und tut.

Er ist ein politischer Papst, einer, der sich in die Weltpolitik einmischt. Mit Worten und Botschaften, die man lange vermisste – und mit Diplomatie. Das neue Zeitalter zwischen Kuba und den USA geht – wenn man der Berichterstattung glaubt – zu großen Teilen auf diplomatische Bemühungen des Vatikan zurück. Und wie seine Worte wirken können, zeigte er wie erwähnt bereits 2014, als er in Italien alle Mafiosi exkommunizierte. Eine historische Zäsur, jahrzehntelang unvorstellbar. Eine Kriegserklärung an die Mafia. Ein Mann will die Welt bewegen und hat damit Erfolge.

In diesen Tagen nun ringt die katholische Kirche in Rom bei ihrer Familiensynode zwei Wochen lang um die Frage, ob sie sich in ihrem Familienbild gelebten Realitäten anpassen möchte oder weiterhin ihr Steinzeit-Paradigma predigt. Aber selbst, wenn sich in dieser Frage die Gestrigen durchsetzen, sollten wir diesem Papst zuhören. Vielleicht braucht unsere Welt jetzt einen wie ihn. Vielleicht kann er sie ein bisschen besser machen. Egal, welchem Verein er vorsteht.

Titelfoto: Republic of Korea, Korea_Pope_Francis_Haemi_Castle_17. Via: https://flic.kr/p/ou9DLm is licensed under a Creative Commons license: CC BY-SA 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

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