Rose Glück

Seitdem wir einmal über das Frauenradsportteam Velonistas Berlin berichtet haben, versuchen wir mit einem Auge immer zu verfolgen, was sich bei denen so tut. Am am vergangenen Wochenende trat die Velonista Cornelia Brückner bei den Berliner Landesmeisterschaften für ihren Verein Velox an und gewann sowohl das Einzelzeitfahren als auch das Strassenrennen. Wir haben mal nachgefragt, wie sich das so anfühlt.
Cornelia, herzlichen Glückwunsch – so einen Doppel-Triumph gibt es sicher nicht oft, bei den Frauen vermutlich noch weniger als bei den Männern?

Liebe Regine, erst mal vielen Dank für die Glückwünsche! Tatsächlich kommt es nicht oft vor, dass man beide Landestitel gewinnt. Obwohl man sagen muss, dass es bei den Frauen vielleicht doch etwas häufiger vorkommt als bei den Männern, denn da sind die Starterfelder viel größer und die Leistungsdichte ist auch höher. Trotzdem ist es ein toller Erfolg für mich – vor allem weil ich überhaupt nicht damit gerechnet habe. Und die beiden Titel haben auch eine echte Resonanz. In den letzten Tagen haben mir ganz viele Leute gratuliert und sich mit mir gefreut. Normalerweise werden Landesmeisterschaften ja nicht so wahrgenommen. Deshalb waren die letzten Tage einfach großartig.

Zielsprint

Kurz vorm Ziel. Foto: Privat.

Das Einzelzeitfahren hast Du mit einem Abstand von 13 Sekunden gewonnen, trotzdem gab es für einen Moment den Gedanken an’s Aufgeben. Mit 16 Kilometern war es auch eher eine längere Strecke. Was für Gedanken gehen Dir da so völlig auf Dich gestellt durch den Kopf?

Ja, so ein Einzelzeitfahren ist auch quasi eine Sportart für sich. Man muss die richtige Balance finden, genau an der Leistungsschwelle zu bleiben, die es dir ermöglicht, über die Distanz konstant die maximale Geschwindigkeit zu fahren. Da musst du deinen Körper schon sehr gut kennen. Und es ist ein permanenter Kampf gegen die Schmerzen und gegen deinen Körper, der dir signalisiert, dass du mit diesem Quatsch aufhören sollst. Bei mir lief es am Anfang gar nicht. Nachdem ich gut vom Start weggekommen war, bin ich plötzlich eingebrochen. Alles tat weh. Ich bin auf dem Rad rumgerutscht. Die Geschwindigkeit ging nach unten. Maximale Katastrophe beim Zeitfahren. Ich dachte schon: das war`s jetzt. Gleich überholt dich die nächste Starterin (auch meine größte Konkurrentin in dem Rennen) und rauscht lächelnd an dir vorbei. Du denkst an die Leute, die gekommen sind, um dich anzufeuern, die dich unterstützen und die du gerade enttäuschst. Ich war schon soweit, dass ich gedacht habe, ich fahr an den Rand und lass Luft aus dem Reifen und sag ich hätte einen Platten. Eigentlich darf man das gar keinem erzählen. Aber wie soll ich sagen, dann kam ein kleines Lüftchen von hinten oder vielleicht ging`s auch ein wenig bergab und auf einmal rollte es wieder und ich war zurück im Rennen. Und ab da versuchst du im Rhythmus zu bleiben und dich einfach selber immmer wieder anzutreiben. Manchmal kommt es mir so vor, als ob man in diesen Momenten nur aus einer Lunge und einem Muskel bestehen würde.

Die Strassenmeisterschaft war ein Rundstreckenrennen über 5×10 Kilometer. Nach Deinen Erfolgen im letzten Jahr kennst Du Deine Mitfahrerinnen sicher ganz gut. Das Feld war recht gemischt – wie war Deine Strategie?

Ja, man kennt sich mittlerweile schon ganz gut – ist ja ein kleiner Kreis hier. In diesem Rennen war ich nicht die stärkste Fahrerin. Das war mir von vornherein klar. Bei so einer Meisterschaft treten ja einige Fahrerinnen aus den Sportschulen an, bzw. auch Fahrerinnen aus Teams, die viel professioneller sind als wir Velonistas. Deshalb war meine Strategie erst mal eher passiv: abwarten und schauen, wie sich das Rennen entwickelt und wenn eine von den starken Fahrerinnen attackiert unbedingt mitgehen. Im Laufe des Rennens wurde aber schnell klar, dass es keine Fluchtgruppen geben wird. Dafür war das Feld einfach zu kompakt und alle haben gut zusammen gearbeitet, um die Fahrerinnen einzuholen, die sich absetzen konnten. Die letzten 2 Runden bin ich also im hinteren Teil herumgegondelt und hab mich komplett zurückgezogen. Als dann so 5km vorm Ziel die Positionskämpfe losgingen war ich aber voll da, hab mich an das Hinterrad der Favoritin geklemmt und auf die letzte Kurve gewartet. Das war nämlich der heikelste Part – nach der Kurve waren es praktisch nur noch 150m bis zum Ziel. Und es war klar: wer als erste in diese Kurve reinfährt hat das Rennen gewonnen. Meine Strategie ging dann insofern nicht auf, dass ich kurz vor der Kurve an Position 2 lag und das Ganze schon als „Werde ich eben Vizemeisterin“ abgebucht hatte. Doch plötzlich kam meine Konkurrentin etwas zu weit aus der Kurve raus, ich war innen und lag somit gleich auf mit ihr. Und dann hab ich nur noch gedacht: Conny, das ist deine Chance! Letztlich waren es nur ein paar Zentimeter, die ich auf dem Zielstrich vorne lag.

Aufwärmen

Vorbereitung ist alles. Foto: Privat.

Welche Bedingungen müssen FahrerInnen erfüllen, um an solchen Rennen teilzunehmen? Eine Profi-Lizenz braucht es dafür nicht zwingend, oder?

Nein, für die Landesmeisterschaft braucht es keine Profi-Lizenz oder so. Das heißt, man muss schon in einem Verein sein und eine Lizenz haben. Dafür füllt man einen entsprechenden Antrag beim BDR (Bund Deutscher Radfahrer) aus und wird dann registriert. Mit dieser Lizenz darf man an den regionalen und nationalen Lizenzrennen bzw. Meisterschaften teilnehmen. Bei den Frauen ist das wirklich ganz simpel, weil, wie gesagt, die Startfelder nicht so groß sind. Bei den Männern muss man sich erst für bestimmte Klassen qualifizieren.

3 Kommentare

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