Rose FrageEin Haushaltsgerät das spaltet: Mopp oder Schrubber? Mandy Schoßig hat ihre Freunde gefragt, wie sie putzen und hat viele emotionale Antworten erhalten.

Ich mag sie ja nicht, diese Fusselschrubber. Als akkurate Putzfee habe ich den Eindruck, den Dreck damit eher hin und her zu schieben, statt ihn aufzunehmen und im Putzeimer zu hinterlassen, wo er meines Erachtens hingehört. Doch während ich diesen Gedanken noch denke, als ich meinen südfranzösischen Fußboden wische, der mir mitsamt Wänden Heimat für zwei Monate ist, frage ich mich, ob das wohl andere Menschen auch so sehen. ‚Iiih, mit diesem „deutschen“ Schrubber komme ich gar nicht klar‘. Und wie überhaupt so geputzt wird in der Welt, wundere ich mich. Denn das eigene Heim sauber zu halten, wollen ja irgendwie alle.

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Schrubber, der.

Gut, fangen wir mal in heimischen, sprechen wir es klar aus: deutschen, Landen an. Ich habe gelernt, mit dem geraden Schrubber, besenförmig gerade, aber mit kurzen starren Borsten, den Boden feucht zu säubern. Mit einem Lappen natürlich. Diese grauen Lappen, vor denen es mich als Kind immer gruselte, wenn ich angehalten war, den Hausflur zu wischen. Den musste man anfassen, brrr, um den Schrubber wringen, und zwar möglichst so, dass er nicht gleich wieder verloren ging mit dem ersten Schrubb. Und dann wieder anfassen, um ihn im immer schmutziger werdenden Wischwasser auszuspülen. Doppel-brrr. Meine Mutter forderte zudem noch, dass ich den Flur zweimal wische — einmal ziemlich nass und einmal fast trocken-feucht. Was ich eindeutig übertrieben finde. Kein Wunder, dass es heute diese schicken, flachen Wischgeräte gibt, die man mit einem Fußtippen zusammenfaltet und im Wasser säubert. Fortschritt im Sinne des sauberen Heims!

Spanische Besen in Frankreich? Olé!

Ich frage eine Putzfrau aus Frankreich, wie bei ihnen geputzt wird. Sie benutzt zu Hause tatsächlich nicht die Fusselversion des Mopps sondern auch einen flachen Wischer. Sie bestätigt allerdings, dass erstere in Frankreich häufig zum Einsatz kommen, besonders in Cafés. Oder auch in Ferienwohnungen — das ginge eben schneller, hmm. Und heißen würden sie auf Französisch „balai espagnol“ — spanischer Besen. Lustig.

Meine Umfrage im interkulturellen Freundeskreis zeigt denn auch vielfältige kulturelle Unterschiede im Putzbusiness. So kommen in Italien und Spanien durchgängig der Fusselmopp oder schlicht Vileda Wischmopp zum Einsatz. Dabei scheint es lokal Unterschiede in der Vorliebe für entweder die Fusselvariante oder den Mopp mit den breiten Stoffstreifen zu geben. Zu diesen „Wischquasten“ am Stiel greifen auch Menschen in Australien oder Südafrika, alternativ kommen hier die rechteckig zusammenfaltbaren Geräte zum Einsatz, die sich wie oben oben angesprochen mit dem Fuß handeln lassen. In Schweden gab es die Entwicklung weg vom hierzulande bekannten, borstenartigen Schrubber hin zu den Vileda-„Möbben“, wie sie sympathisch auf Schwedisch heißen.

Kein Wasserkontakt in den USA

Auch die Amerikaner und -innen putzen ihre Böden mit den fusseligen Putzhilfen. Meine Freundin Salem erklärt mir, dass es diese in diversen Formen und mit verschiedensten Hightec-Funktionalitäten gibt. Essentiell sei es, Unbequemlichkeiten wie das hiesige Boden-„Schrubben“ —möglicherweise gar auf allen vieren — absolut zu vermeiden. Dann doch lieber chlorhaltige Putzmittel benutzen, da wird auch die letzte Mikrobe abgetötet. Zweite, fast wichtigere, Vorbedingung: Das Schrubb-Gerät muss es um jeden Preis ermöglichen, den Boden zu säubern, ohne (sic!) dass man in Kontakt mit Wasser kommt. Denn auf gar keinen Fall will man in Übersee einen nassen Drecklappen anfassen. Deshalb kommt stets ein „Mop Bucket“ zum Einsatz, manche scheinen gar das Ausspülen im Waschbecken zu bevorzugen.

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Manche mobben den Mopp.

Doch der Blick nach Südosteuropa zeigt: Auch die Kroaten und Kroatinnen ekeln sich wie ich vor dem Fusselmopp. „In Kroatien wischt man nass!“, sagt Ana. Und zwar mit einem großen Wischer, wie wir ihn zum Fenster abziehen kennen. Daran wird ein großer Putzlappen geklemmt bzw. drumherum geschlungen und ab geht die Wisch. „Das ist wie wenn man einen Tisch wischt, nur dass es eben der Boden ist. Mit einem Fusselmopp würde man ja auch keinen Tisch oder eine Arbeitsfläche abwischen.“ Das Nass-Wischen sei dabei das allerwichtigste, reinliche kroatische Menschen würden das sogar mehrmals pro Woche tun, sodass sich das „deutsche“ Schrubben erübrige. Kleiner Zusatz: Davor wird der Boden selbstverständlich gefegt. Fegen gehöre deutlich zur kroatischen Kultur — es gibt Besen und Schaufeln in allen Größen und ein Staubsauger kommt selten bis gar nicht zum Einsatz. Anders als in Lateinamerika, wo viel gesaugt wird und wo in vielen Wohnungen zusätzlich zum großen Staubsauger kleinere Handstaubsauger in Benutzung seien.

Lieber Schmutz als Einmalprodukte

Eine Unsitte, in meinen ökologisch-orientierten Augen zumindest, sind die vielen Einmalprodukte, die in der sogenannten „zivilisierten“ Welt um sich greifen. Ein feuchtes Papiertuch, um damit mal eben den Boden zu wischen, um es dann wegzuwerfen? Pfui. Das geht doch auch anders, haben uns unsere Mütter beigebracht. Denn das scheint zumindest bei allen Befragten ebenfalls klar zu sein, das Fegen, Wischen und Schrubben haben sie von ihren Müttern gelernt — mitsamt allen regionalen Besonderheiten. Und über die Frage, ob es auch zukünftig Frauen sein werden, die ihrem Nachwuchs das Putzen beibringen, lasse ich mich beim nächsten Mal aus.

Weitere tolle Beispiele der weltweiten Putzkultur liefert der schöne Artikel von Benno Stieber „So putzt die Welt“, der viel ausführlicher als meiner und sehr amüsant zu lesen ist.

Titelfoto: © Shuttertstock

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