Bio-Lebensmittel sind für immer mehr Leute selbstverständlich; auf faire Produkte achten auch schon viele. Aber geht auch Kleidung im Alltag nachhaltig und fair? Mandy Schoßig macht sich auf die Suche und findet sie … überall.

Nach einem dieser Shoppingausflüge, als ich mit Tüten beladen im Café auf dem Dach des Bikini Berlin sitze, überkommt es mich. Der Gedanke: „Ich kann diese ganze Immer-mehr-immer-öfter-schnell-mal-eben-Kleidung-kaufen-Masche nicht mehr ertragen“. Uns ist klar, dass die Hose, für die wir nicht eben billig 90 Euro auf den Tisch geblättert haben, der Näherin in Kambodscha nur 1,50 Euro einträgt. Dass sie mit Pestiziden getränkt ist, um es auf der Fahrt im Container mit den Kakerlaken aufzunehmen. Und doch kaufen wir so weiter ein. Vielleicht deshalb jetzt dieser Gedanke: Ab heute soll nur noch ökologisch und fair produzierte Mode in den Schrank. Anspruch auf der ganzen Linie: biologisch erzeugte Baumwolle oder andere natürliche Fasern, faire Löhne und Arbeitsbedingungen, keine Schadstoffe. Geht das überhaupt?

Einen Einstieg fand ich über die Plattform EcoTopTen. Hier sind Produkte in ganz verschiedenen Kategorien gelistet, die umfassende Nachhaltigkeitskriterien erfüllen (!Transparenzhinweis: Die Website wird von meinem Arbeitgeber betrieben und ist not for profit). Hier finde ich auch Anbieter von öko-fair produzierter Kleidung aus Biorohstoffen. Die Liste der Labels ist ziemlich lang und ich habe mich durch jeden einzelnen Link geklickt – das Sortiment von Öko-Shirts, die auch so aussehen bis zu supermodischer, gar Avantgarde-Kleidung ist groß. Ein Glück! Ein paar meiner Highlights, bei denen ich in Zukunft gewiss das eine oder andere bestellen werde, sind unten aufgelistet.

Ob ich es wirklich schaffe, nur und ausschließlich öko-faire Kleidung zu kaufen? Ich weiß es nicht und will auch keine großen Worte schwingen. Oder wie meine Schwiegermutter zu sagen pflegt „schmeiß et net so weit fott, dann moost de et net su weit holle joon“ (hochdeutsch: „Sag niemals nie!). Halt ich mich also mal zurück mit den hoch-und-heiligen Versprechen und versuche einfach, mein Bestes zu geben.

Hier nun also meine kleine Auswahl nachhaltiger Labels – über Tipps und Empfehlungen zu anderen Marken oder auch Blogs in den Kommentaren freuen wir uns:

armed angels

Eines der bekanntesten Labels, denen die umweltfreundliche Produktion und gute Arbeitsbedingungen ein Anliegen sind. Einst im Keller, jetzt in einer schicken Fabrik in Köln Ehrenfeld: Die armed angels machen nicht nur faire und organic sondern vor allem auch schöne und alltagstaugliche Mode!
Mein Lieblingsteil: T-Shirt Maren Libelle

Kuyichi

Die niederländische NGO Solidaridad benannte ihr 2001 gegründetes Modellabel nach dem Peruanischen Gott des Regenbogens. Sie produzierten als erstes Label Jeans zu 100 Prozent nachhaltig und fair. Heute gibt es vor allem Jeans, aber auch tolle Shirts und Accessoires.
Mein Lieblingsteil: Kleid Eliza

Screenshot ThokkThokk

ThokkThokk

Grafikdesign trifft ökologisch und fair produzierte Kleidung – so beschreiben ThokkThokk selbst das Leitmotiv ihrer Mode. Sie arbeiten mit internationalen Künstlern zusammen und bedrucken mit Siebdruck seit 2006 vor allem Shirts, viele davon in Handarbeit am München Standort.
Mein Lieblingsteil: Hoodie Midgnight

Woodlike

„Ökologisch, fair, nachhaltig, recycelt“ – so wollen Woodlike Mode machen. Ich mag die sehr stylishen Sonnenbrillen aus recyceltem Plastik, andere finden sicher die angesagten Jumpsuits (denen ich leider etwas kritisch gegenüberstehe) toll, die in Deutschland produziert werden.
Mein Lieblingsteil: Shirtkleid La Rochelle

Screenshot KnowledgeCotton Apparel

Knowledge Cotton Apparel

Und jetzt was nur für Männer: Seit 1969 stellt die dänische Marke Mode für Herren her – schon immer zu 100 Prozent aus ökologisch produzierter Baumwolle und ohne chemische Zusatzstoffe. Bei allen Produkten legen die Hersteller Wert auf Qualität und Respekt vor der Natur und dem Menschen.
Mein Lieblingsteil: Hemd mit Eulendruck

Und was ist mit Schuhen, Unterwäsche, Bademode? Auch hier gibt es wahnsinnige schöne Produkte, die Sinn und Spaß machen. Zwei Beispiele:

Mymarini

Design und Öko? Wie das geht zeigen die traumhaft schönen Badeanzüge und Bikinis von Mymarini. Die Entwürfe werden Hamburg gefertigt und die Produkte in Deutschland genäht; der Stoff kommt aus umweltfreundlicher Herstellung in Italien. Danke für den Tipp an Christiane Weihe.
Mein Lieblingsteil: Badeanzug „azul-smaragd“

Screenshot Mymarini

Aikyou

So so schöne Unterwäsche, die zudem nachhaltig ökologisch, schadstoffarm und fairtrade ist, stellen die Firmengründerinnen in Deutschland und Kroatien her. BHs und Unterhosen sind nur für Frauen zu haben, vor allem für solche mit kleiner Oberweite.
Mein Lieblingsteil: BH Audrey

Ekn

Ehrlich gesagt, hab ich mich bei Suche nach schönen (!) und fairen Schuhen etwas schwer getan. Passend lief mir ein Artikel in der aktuellen brandeins zum Label ekn über den Weg und ja, die machen wirklich schöne Schuhe für Männer und Frauen, die unter nachhaltigen Bedingungen in Portugal gefertigt werden.
Mein Lieblingsteil: hellgrauer Chelsea Boot

 

Titelfoto: © Phil LaCombe,

1 Kommentar

  1. Pingback: Wann haben wir eigentlich aufgehört, Kleidung zu flicken? | Weniger ist mehr Leben

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