Rose_GedankenKai Diekmann hatte eine Idee. Er fand sie witzig, die meisten anderen eher nicht so. Am Mittwochmorgen veröffentlichte Diekmann ein Interview mit Jan Böhmermann, doch es war Fake wie er später zugibt. Ist Satire der Satire und dann noch vom BILD-Herausgeber wirklich witzig? Der Blick auf die Dinge.

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Seit Jan Böhmermanns Neo Magazin Royale Sendung vor zwei Wochen, bei der er sein Gedicht „Schmähkritik“ vorgetragen hat, scheint die Lawine um die Causa Böhmermann plus möglichen Gesetzesbruch nicht zu stoppen. Man hat beinahe das Gefühl, dass jede deutsche Redaktion das Thema aufgreift. Meinung machen für oder gegen Böhmi scheint so richtig trendy zu sein. Auf Facebook laufen die Kommentarspalten heiß und selbst die Tagesschau buchsiert die Staatsaffäre – wenn sie denn eine ist, behandelt wird die Debatte jedenfalls so – auf die Poleposition der Nachrichtenbeiträge.

Grund genug für Kai Diekmann, ehemaliger Chefredakteur der BILD, sich ebenfalls ein Stück vom Kuchen rund um Jan Böhmermann abzuschneiden. Riesenaufregung gestern morgen im Social Web. Kai Diekmann verkündete via Facebook und Twitter, das erste Exklusiv-Interview mit Böhmermann geführt zu haben. Das gesamte Interview stellte er sodann auf Facebook, viele Medien berichteten schnell – die Kehrseite unserer Nachrichtenkultur in Echtzeit. Reales und Imaginäres sind manchmal nicht mehr zu unterscheiden. Böhmermann verkündet, dass er sich für nichts entschuldigen müsse.

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Quelle: https://www.facebook.com/kai.diekmann.77/posts/827840744026758

Wäre das Interview echt gewesen, wäre es tatsächlich ein ganz schöner Coup für Diekmann und die BILD. Der unter Polizeischutz stehende Böhmermann äußert sich seit Tagen nämlich nur über Pressemitteilungen oder Statements der Produktionsfirma.  Das Interview war aber nicht echt. Fake. Die Disziplin, in der Jan Böhmermann, der sogenannte deutsche Chefsatiriker der Nation seit ungefähr 12 Monaten ja Profi ist. Doch Kai Diekmann ist Journalist, kein Satiriker oder Comedian. Und im seriösen Journalismus inszeniert man sich nicht mit Falschmeldungen und Wichtigtuerei.

Bei Diekmann hat der Fake nicht ganz so geklappt, außer dass er Clickbaiting par excellence provoziert hat. Die Antworten, die der vermeintliche Böhmermann gab, waren zwar auch im frech-bourgeoisen Böhmermann-Slang geschrieben, man musste sich aber wundern, dass das Interview nicht auf BILD.de zu finden war. Egal, Diekmann hat erreicht was er wollte. Jetzt ist er in den sozialen Medien, wenigstens wieder für ein paar Stunden, der King. In gewisser Weise hat er sich die Logik Böhmermanns zu eigen gemacht. Keine schlechte Idee, jedenfalls in der Theorie.

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Quelle: Twitter, @KaiDiekmann

Leider ist Diekmanns Versuch wie ein Gewinner dazustehen etwas schief gegangen, denn dieser ganzen Affäre noch ein Ding oben drauf zu setzen, war dann wirklich nicht mehr lustig und kein intellektueller Urknall. Man möchte sich an die Stirn schlagen, so breit grinsend sonnt er sich jetzt im Lichte des Medienrummels (zu beobachten u.a. auf Twitter). Satire der Satire. Und dann auch noch schlecht gemacht. Diekmann sollte das lustig und dabei noch intelligent sein anderen überlassen. Satire darf alles, aber nicht jeder kann sie.

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