rose denkblaseDauernd lügen wir. Weil es leichter ist, als einfach den unbequemen Weg zu gehen und ehrlich zu sein. Ein paar ehrliche Gedanken diese Woche in „Der Blick auf die Dinge“.

Nicht nur ich erwische mich beim Flunkern. Ich erwische – wenn das hier denn das richtige Wort ist – andauernd Menschen um mich herum beim Wahrheitsverschleiern. Warum lügen wir bloß so oft? Haben wir immer Angst, jemanden zu verletzen, nur weil man mal ehrlich ist? Weil dieses Ehrlichsein gerade Spiegel unseres echten Gefühls ist.

Gerade geschehen: Ich maile mit einer Person, vertröste sie auf unbestimmte Zeit, wegen „super viel zu tun gerade, du weißt ja..“. Und ebenfalls kürzlich passiert: Telefonat mit minutenlangem Dauergeflöte in meine Ohren. Mir versichernd, dass die meinerseits dargestellte Situation ja wirklich gar nicht so schlimm sei. Wir wissen beide, dass das nicht stimmt, ich kurz vor der Rache meines eigenen Karmas stehe und jetzt einfach fliehen sollte.

Also, warum lügen wir uns so oft an? Warum benutzen wir die Ausdrücke „gerne“, obwohl man es nicht gerne macht, oder „Alles gut!“, obwohl gerade eben auch nichts gut ist. Meist flunkern wir auch noch den Menschen etwas vor, die vielleicht nicht unsere Engsten sind, aber eben doch schon einen beträchtlichen Teil des alltäglichen Leben beeinflussen. Gerade dort sollte man doch seine Persönlichkeit durch Wahrhaftigkeit beweisen können und dürfen, ohne schweißnasse Hände zu bekommen und sich schnell ein Alibi hervorzaubern zu müssen.

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© Alexa LaSpisa, liar liar. Via: https://flic.kr/p/cSH7ib is licensed under a Creative Commons license: CC BY 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Ehrlich sein ist eben meistens verdammt anstrengend. Einerseits für den Sprechenden, da er im gleichen Moment sich selbst mit der manchmal nicht ganz so sexy Realität auseinandersetzen muss, und gegebenenfalls mit der Reaktion des Gegenübers. Andererseits von dem Zuhörenden, der die dann das Gesagte reflexiv einfach mal nicht auf sich beziehen muss. Schwer in so einer egomanen Gesellschaft wie unserer, bei der jeder kleinste Funken mit sich selbst in Verbindung gebracht wird. Aus Angst nichts Besonderes zu sein. Eine glattbügelnde Lüge, die von beiden just in diesem Moment erkannt wird, scheint da bequemer.

Bequemer für zwei Minuten – ja. Aber nicht für das ganze Leben. Möchte ich mich wirklich in einem Weltbild aus Halbwahrheiten wiederfinden, das ich selbst ordentlich mitgestalte? Nein. Der Weg des geringeren Widerstandes ist eben nicht leichter, weil man sich von sich selbst entfernt. Weil es chronisch wird in dieser so super netten und offenen Öffentlichkeit und man sich damit auch immer mehr von seinen Mitmenschen entfernt. Alle sind total freundlich und dabei unehrlich. Wie schrecklich.

Ein Plädoyer für die harte Wahrheit

Hört auf zu lügen! Lasst uns ehrlicher sein – auch wenn die Wahrheit manchmal nicht in einem ganz so faltenfreien Gewand erscheint und der vermeintlich beleidigende Moment auch sofort im Anschluss. Man kann das aushalten, wirklich. Und man kann Kritik aushalten. Oder eben auch sagen: „Hey, ich habe mich nicht gemeldet – weil ich eben keinen Bock hatte.“ Sich selbst und auch den anderen im gleichen Moment einfach mal nicht so wichtig nehmen ist ehrlich gar nicht so schlimm.

Wenn jeder das durchziehen würde, würde man sich in naher Zukunft auch nicht mehr so fühlen, als hätte jemand dir an den Karren gepinkelt. Denn man wüsste, dass es nicht gegen einen selbst als Person ist, sondern ehrliches Miteinander, welches immer noch durch Lust und Gefühl bestimmt ist.

Ich fange jetzt damit an. Versuche es zumindest und schreibe: „Hey, ich habe mich nicht gemeldet – weil ich eben keinen Bock hatte.“

 

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