rose denkblase

Die Freundin beugt sich über den kleinen Café-Tisch hinweg zu mir herüber und senkte ein wenig die Stimme, als sie das B-Wort ausspricht. Eine Bekannte würde das jetzt machen – und das Ergebnis wäre … toll. Sie rückt noch etwas näher und hebt demonstrativ die Augenbrauen, um mir ihre Stirnfalten vorzuführen. Das könne man alles wegmachen. Sie lehnt sich zurück und lächelt fein. Und sooo teuer sei es auch nicht. 

Bums. Da ist es, das Wort. Hallo Botox. Willkommen im Freundeskreis. 

In meinem Kopf rattert es. Ich erinnere mich an Frauenzeitschriften, in denen der Botox-Konsum von Celebrities durchgekaut wird. Botox-Geständnisse, Botox-Vermutungen, Botox-Ablehnungen, sogar Botox-Aufforderungen, wenn Beauty Queens die Lieder zu hängen beginnen. Vor allem aber ist mir eine Geschichte in Erinnerung geblieben: Dass Frauen in Hollywood beim Botox-Termin angaben: Aber bitte nicht wie bei Nicole. Etwa zur gleichen Zeit entdeckte ich auch die ersten Botox-To-Go Geschäfte in der Nähe des Ku’damms. 

Botox

© Christian Schirrmacher, Botox to go. Via: http://flic.kr/p/vP3soC is licensed under a Creative Commons license: CC BY 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Warum auch nicht? Botulinumtoxin ist, obwohl ein Nervengift, fachgerecht eingesetzt relativ unbedenklich und im Gegensatz zum Lifting, das in den 90er Jahren sehr beliebt war, erfordert es keinen chirurgischen Eingriff. Ob man Lust hat sich den Giftstoff unter die Haut spritzen zu lassen, der in verdorbenen Fleisch- und Wurstwaren anzutreffen ist, sei jedem selbst überlassen. Zumindest sollte man sich, wenn schon denn schon, mit einem Spezialisten zusammentun und die immer wieder notwendig werdenden Auffrischungen nur in Maßen durchführen lassen. (Alleine schon, wegen des Nicole-Effekts). Und bei der Auswahl des richtigen Präparats – Botox ist lediglich der Name eines von vielen – kann man inzwischen auch ethisch korrekt den Hersteller auswählen, der die anhaltenden qualvollen Tierversuche durch alternative Kontrollmethoden ersetzt hat.

Vor zehn Jahren war das Thema – außerhalb der Glamour-Zeitschriften – für mich definitiv keines, und auch bei dem Gespräch mit der Freundin, bemerke ich heute inneren Widerstand. 

Wir machen uns selbst, wie es uns gefällt

Gerade habe ich für die kommende Ausgabe des ROSEGARDEN Magazins ein Interview mit einer Frau geführt, die als Mann geboren wurde. Sie hat mehrere Operationen über sich ergehen lassen, um ihrem Traum der Ideal-Frau näher zu kommen. Für jemanden, die ihr Leben damit verbringen muss, auszuloten, wie viel Weiblichkeit da eigentlich sein sollte, um als richtige Frau durchzugehen, die in einem Zwiespalt aufgewachsen ist und rein biologisch auch nie wirklich im Frau-Sein ankommen wird, sind äußere Merkmale so wichtig, wie die Luft zum Atmen. Attraktivität und jugendliches Aussehen natürlich inbegriffen.

Und wie ist das für uns übrigen Frauen, die im Laufe ihres Lebens auch schon etliche Male über die eigene Weiblichkeit gestolpert sind? Die sich wieder und wieder neu definiert haben auf der Suche nach dem perfekten Ich. Und die auf diesem Pfad vor allem mit ihrem Äußeren hadern und sich schließlich optisch begradigen, absaugen, hinzufügen und auspolstern lassen.

Ich mach das für mich

„Ich mach das für mich“ ist eines von vielen Erklärmustern und sicher besser, als wenn Freund, Freundin oder anderen nahe stehenden Personen dazu drängen. Und Botox hilft ja auch Falten zu glätten und ein frischeres Aussehen zu geben. Aber wann hört man dann auf: Silikon-Brüste müssen alle 10 Jahre ausgetauscht, Botox alle 4-6 Monate nachgespritzt werden. Wo liegt die Grenze, oder anders gesagt: Werden wir auch mit 80 Jahren noch im Wartezimmer der Schönheitschirurgen sitzen? 

Die Freundin mit dem Botox-Wunsch ist eine intelligente, attraktive Frau, die immer ein wenig aussieht, als käme sie gerade aus dem Urlaub. Sie ist Ende 30 und Single. Ungewollt. Einen großen Teil ihrer Energie steckt sie in ihr Äußeres – wie die meisten von uns. Doch die Zeit geht an unserem Körper eben nicht spurlos vorbei und mit Frauen in Konkurrenz zu treten, die gefühlt Anfang 20 sind, ist schwierig. Ja, auch wegen all der Lebenserfahrung. Die eigentlich Frage ist aber: muss sie das überhaupt? 

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