Rose_GedankenJoachim Gauck wird nach 2017 nicht für eine weitere Amtszeit als Bundespräsident zur Verfügung stehen. Wie wäre es dann mal mit einer Frau als Staatsoberhaupt? Lena Baseler über vatikanische Verhältnisse und einen Paradigmenwechsel. Der Blick auf die Dinge.

Dass Bundespräsident Joachim Gauck angekündigt hat, für eine zweite Amtszeit nicht zu Verfügung zu stehen, ist ein kluger und rationaler Entschluss. Erneut höchste Instanz Deutschlands mit dann 77 Jahren zu sein würde vatikanische Verhältnisse annehmen. Und ist Gauck auch im Volk nicht unbeliebt, so müsste man sich trotz einer alternden Gesellschaft fragen, wen der nette Onkel denn eigentlich vertreten würde? Als junge Bürgerin dieses Landes finde ich wenig Identifikation mit einem alten Mann.

Elf Männer – vatikanische Verhältnisse

Bisher gab es elf Bundespräsidenten – einschließlich dem bis 2017 Amtierenden. Elf Männer. Elf mal eine männliche höchste Instanz in Deutschland –  da haben wir sie wieder, die vatikanischen Verhältnisse!

Ist das noch vertretbar? In Zeiten der immer lauter werdenden aber auch gleichzeitig immer mehr respektierten Gleichstellungsdebatte in deutschen Gefilden, sollte nun von den Parteien in einem sinnvollen Rahmen über eine überparteiliche Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin nachgedacht werden.

2009 schickten SPD und Grüne Gesine Schwan ins Rennen – bekanntermaßen ohne Erfolg. In Anbetracht der aktuellen politischen Situation im Lande wäre es keine schlechte Idee, eine möglichst breit gespannte Koalition zu bilden, die gemeinsam eine Kandidatin aufstellt, die erstmals als Staatsoberhäuptin unser Land – in der übrigens mehr Frauen als Männer leben – repräsentieren könnte.

Es wird sich nach den Wahlen der Länder Berlin und Mecklenburg-Vorpommern im Herbst zeigen, wie sich die Kräfteverhältnisse in der Bundesversammlung gestalten werden. Man stelle sich nun aber einmal vor,  dass die Wahlen im September 2017 weniger erfolgreich für die SPD und CDU ausfallen, als erhofft. Dass die Grünen erneut baden-württembergische Höhenflüge erleben und die AfD immer noch für viele Bürger dieses Landes, trotz Storchschen und Gaulandschen Ausfällen, eine wirkliche Alternative darstellt. Dann wird sich während der passenden Kandidatensuche einiges strategisch tun und alte Paradigmen sollten – müssen – endlich verlassen werden.

„Es wird Zeit, dass in Deutschland eine Frau Staatsoberhaupt wird.“

Mit einer Frau als Kandidatin für das Amt als parteiverbindendes Zeichen (mal im Ernst, nach Jahren der Großen sich liebhabenden Koalition, ist dies nun auch kein skandalöser Schritt) kann auch endlich im 21. Jahrhundert angekommen eine Frau das höchste Amt im Staate innehaben. Manuela Schwesig und Wolfgang Thierse formulierten es so: „Es wird Zeit, dass in Deutschland eine Frau Staatsoberhaupt wird.“ Diese Frau dann wirklich zu bekommen, erfordert Kooperation und Willen zum Kompromiss auf überparteilicher Ebene.

Deutschland würde es gut tun neben einer Bundeskanzlerin auch eine Bundespräsidentin zu haben. Den Frauen in Deutschland würde es gut tun. Guten Tag, Frau Bundespräsidentin!

 

Foto: Harald Henkel: Schloss Bellevue, Berlin. Via: http://tinyurl.com/je6h75v is licensed under a Creative Commons license: CC BY-ND 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/

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