Rose_Gedanken

Was macht Weiblichkeit aus, wie werden Frauen zu Frauen und mit welchen Konsequenzen geht das einher? Der Prozessverlauf im Fall Gina-Lisa Lohfink zeigt auch, dass sich trotz #Aufschrei gegen Sexismus leider weniger in der Gesellschaft bewegt hat, als gedacht.

Die US-amerikanische Schriftstellerin Siri Hustvedt stellte in ihrem 1992 erschienenen Roman „Die unsichtbare Frau“ die Frage nach dem weiblichen Bewusstsein, seiner Beeinflussbarkeit und den Konsequenzen, die sich daraus für das eigene Verhalten ergeben. Eine attraktive, in New York lebende Studentin aus dem mittleren Westen gerät auf der Suche nach ihrer weiblichen Identität in den Sog von Beziehungen zu Männern, die die Persönlichkeit der jungen Frau nach eigenen Vorstellungen gestalten und Teile dabei beliebig auszublenden oder hervorzuheben versuchen. Der Versuch, sich in der eigenen Selbstfindung von äußeren Einflüssen abzugrenzen, scheitert und zeigt gleichzeitig welche Macht – hier vorwiegend durch das andere Geschlecht dargestellt –  soziale Normen auf die Stiftung von Identitäten haben.

Eine Frau außerhalb der Norm

Gina-Lisa Lohfink schert sich nicht allzu sehr um Normen. Die Teilnehmerin der dritten Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ wurde bekannt durch eine laute, unangepasste Art und ein auffälliges Äußeres. Gerade deshalb bietet sie auch sehr, sehr viel Projektionsfläche für andere und wird sowohl von Frauen als auch von Männern gleichwohl verehrt und verachtet.

Mit dem Prozess wegen Falschaussage, bei der die gebürtige Hessin vom Opfer zur Täterin gemacht wurde, wird aber nicht nur die Notwendigkeit aufgezeigt, die Forderung #neinheisstnein endlich durchzusetzen. Auf erschreckende Weise offenbart sich hier auch eine Debatte, die doch längst als abgeschlossen galt. Und es zeigt, dass der Grat auf dem sich weibliche Identität in der Gesellschaft bewegen darf, bis heute schmal geblieben ist. Zwischen auffällig und billig, zwischen Heilige und Hure, liegen mitunter eben nicht mehr als die Nuance einer Haarfarbe, eine Körbchengröße, oder eine freie, selbstbestimmte und ja, auch sexuell freizügige Lebensweise. 

Denn Gina-Lisa Lohfink als Stereotyp des blonden Luders mit großer Oberweite, das leichten, einfach verfügbaren Sex verspricht, lässt keinen Raum für ein Nein. Nicht bei den Tätern, nicht bei einem (großen?) Teil der Öffentlichkeit und offenbar auch nicht vor dem Gesetz. Nur so lässt sich erklären, warum eine Verurteilung wegen Falschaussage und Verleumdung überhaupt möglich ist.

Der französische Psychoanalytiker Jacques Lacan sagte bereits vor über 40 Jahren, „die Frau“ existiere nicht und sprach sich damit auch gerade gegen Stereotypisierungen von Frauen aus. Wichtig wäre also nun anzuerkennen, dass Gina-Lisa nicht „die Frau“ ist, sondern „eine Frau“. Eine Frau, der Unrecht getan wurde und die nun um dessen Anerkennung vor Gericht zieht.

 ze.ttMissy-MagazinStraight und Rosegarden veröffentlichen unter der Aktion „Nein heißt nein“ verschiedene Inhalte rund um den Gina-Lisa-Lohfink-Prozess und der sexuellen Selbstbestimmung von Frauen.

Titelfoto: Alexas_Fotos Via: https://pixabay.com/de/sch%C3%B6nheit-barbie-h%C3%BCbsch-puppe-1265761/ is licensed under a Creative Commons license: CC0.

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