Rose ContributorenChristiane Hoffmann schreibt auf ihrem Blog Weniger ist mehr Leben über Abfallvermeidung und eigenes Konsumverhalten. Dieses mal geht es jedoch um ein ebenso wichtiges Thema: die nicht ertragbaren Zuständen in den Erstaufnahmestellen und Flüchtlingsunterkünften gilt es zu ändern. Dabei kann jeder helfen. Via: Weniger ist mehr Leben.

Seit etwa einer Woche fühle ich mich wie aus der Spur geworfen und in eine andere Umlaufbahn katapultiert. Seit meinem ersten Besuch in einer Flüchtlingsunterkunft, in der ich einfach nur Spenden abgegeben habe, ist viel passiert. Ich habe Kinderregenkleidung bei Freunden eingesammelt, geholfen, Kinderkleidung zu sortieren und auszugeben, ich habe bekannte Gesichter vor Ort getroffen und neue Menschen kennengelernt, gemeinsam haben wir versucht zu helfen. Ein Tropfen auf dem heißen Stein und nichts im Vergleich zum Einsatz der vielen Helferinnen und Helfer, die seit Wochen jeden Tag auf den Beinen sind, ehrenamtlich arbeiten in ihrem Urlaub und ihre Freizeit (und auch immer wieder Geld) investieren, um das größte Leid zu lindern.

Aber mein Kopf summt schon jetzt von all den Eindrücken und ich finde es schwer, abzuschalten und zur Ruhe zu kommen. Während bis vor kurzem (überspitzt gesagt) mein größtes Problem darin bestand, Reis ohne Plastikverpackung zu finden, ist das völlig in den Hintergrund geraten. Es ist schwierig in Worte zu fassen.

 

Tun was nötig ist! Mit dem, was dafür nötig ist!

 

Plastiktüten habe ich gefühlt schon ewig nicht mehr in der Hand gehabt, in der Kleiderausgabe aber natürlich massenhaft – um sie den Flüchtlingen zu geben, um ihre Sachen rein zu packen. Vielfach wurden wir nach Rucksäcken gefragt. Hatten wir leider nicht.

Ich stand im Drogeriemarkt und habe Shampoo, Duschgel und ähnliches gekauft. Natürlich alles in Plastik. Und in der kleinen Reisegröße. Festes Shampoo? Großpackung?? Unverpackt??? Selbstverständlich und sinnvollerweise das genaue Gegenteil. Dazu Windeln. Und einzeln verpackte Müsliriegel, denn auf den Bedarfslisten stehen fast überall Wasser (natürlich in Flaschen) und Snacks wie z.B. Müsliriegel, die für die Ausgabe einzeln verpackt sein müssen. Lauter Dinge, an denen ich sonst ziemlich zielstrebig vorbeilaufe. Es fühlte sich sehr absurd an.

 

Aber Wünsche sind erlaubt, oder?

 

Natürlich müssen wir jetzt tun, was getan werden muss. Wer der Meinung ist, wir sollten diese Menschen lieber ihrem Schicksal überlassen, um nicht noch mehr “Asylanreize” zu schaffen, der ist hier fehl am Platz. Wer sich einen Stacheldraht um unser Land oder gleich um die ganze EU herum, wünscht, der kann sich an dieser Stelle hier gerne verabschieden. Keiner verlässt freiwillig seine Heimat mit nichts, vertraut sich und seine Kinder Schleppern und ihren Schlauchbooten an. Wir reden hier von Menschen wie Du und ich, von Kindern, die unsere eigenen sein könnten.

Trotzdem wünsche ich mir eine andere Welt. Eine Welt in der ich mich nicht zwischen meiner Vorstellung von nachhaltigem Konsum und der Hilfe für andere entscheiden muss. Eine Welt, in der keiner sein Hab und Gut in einer Plastiktüte verstauen kann und auch nicht muss. Eine Welt, in der Babys im kühlen deutschen Herbst eine Mütze auf dem Kopf haben und Kinder eine Jacke – und nicht nur ein T-Shirt.

 

Helft mit!

 

Aber bis das so ist, müssen wir helfen. Erkundigt Euch, welche Organisationen bei Euch und den Flüchtlingsunterkünften in Eurer Gegend aktiv sind. Schaut nach, ob sie online Bedarfslisten haben wie hier in Berlin Moabit hilft oder Kreuzberg hilft, oder fragt nach, was gebraucht wird. Keiner verlangt, dass Ihr eine syrische Flüchtlingsfamilie in Eurem Gästezimmer unterbringt, aber eine Packung Windeln beim nächsten Einkauf mitzunehmen, ist machbar. Wer sich das Geschehen lieber aus der Ferne anschaut, kann online Unterwäsche kaufen und direkt an eine passende Institution schicken lassen. Unterwäsche muss nämlich eh neu und verpackt sein. Es gibt 1000 Möglichkeiten, sucht Euch eine aus. Aber tut was. Bitte.

Und Ihr? In welcher Umlaufbahn befindet Ihr Euch gerade?

 

Titelfoto: ©sebaso, „Sozialverwaltung weist Vorwürfe zurück“ – bebildert. Via: https://flic.kr/p/x4Kjyy is licensed under a Creative Commons license: CC BY-SA 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

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