Rose_GlueckDie Journalistin Pauline Tillmann gründete im Mai 2015 das digitale Magazin „Deine Korrespondentin“. Damit möchte sie die Sichtbarkeit von Frauen erhöhen. Im Magazin berichten Journalistinnen über starke und spannende Frauen weltweit. Die Geschichten selbst sind aber nicht nur für Frauen interessant, sondern sollen auch Männer inspirieren.

An guten Geschichten mangelt es dem Korrespondentinnnen-Netzwerk nicht. Wohl aber an einer soliden Finanzierung. Eine Herausforderung, die wir bei Rosegarden auch kennen. Wir haben mit Pauline gesprochen.

Pauline, seitdem du vor zwei Jahren „Deine Korrespondentin“ gegründet hast, hast du unterschiedliche Finanzierungsmodelle ausprobiert. Welche waren das und wie waren deine Erfahrungen damit?

Generell lässt sich sagen: Mit guten Inhalten im Netz Geld zu verdienen ist verdammt schwierig. Früher hat man Journalismus mit Werbeanzeigen querfinanziert, aber das funktioniert nicht mehr. Deshalb muss man sich auf die Suche nach neuen Erlösmodellen machen. Das Motto lautet „trial and error“. Wir haben ein Ganztagesseminar zum Thema Auslandsberichterstattung für 80 Euro angeboten. Nachdem wir viel Werbung dafür gemacht haben, haben sich 15 Leute angemeldet, aber dieser Markt ist einfach so gut besetzt, dass es schwierig ist, da Geld zu verdienen.

Dann haben wir Webinare ausprobiert. Das erste Webinar handelte von der Ukraine. Als wir dafür Geld verlangten, meldete sich gar niemand an. Erst als wir es kostenlos anboten, waren fünf Leute dabei. Generell gibt es gerade sehr viele Webinare, die eine Stunde kostenlos sind zu Themen wie „Arbeitet deine Webseite für dich?“ Und im Anschluss daran kann man ein Paket für 99 oder 199 Euro buchen, um das Thema zu vertiefen. Auch die Gründerinnen von Edition F haben ja jetzt mit ihrer „Female Future Force“ den Ansatz, Wissen in Form von Webinaren – für Geld – zu verkaufen. Kann also funktionieren, wenn man vor allem Karrierethemen behandelt.

Wenige Monate nach unserem Start haben wir es auch mit einer Paywall probiert – was nicht funktioniert hat. Die Gründe waren vielfältig. Vor allem waren wir noch nicht so bekannt, wir waren früher dran als viele andere Medienhäuser und vor allem gab es sehr viel hochwertigen Content im Netz umsonst. Man muss den Usern also mehr bieten als die reinen Inhalte. Wir haben seit März eine Mitgliederkampagne auf „Steady“, bei der wir versuchen, genau das zu tun. Dort kann man zum Beispiel das Silber-Paket abschließen, das den Zugang zu einem unserer „Kaminabende“ sichert oder eine Postkarte von den Korrespondentinnen.

Unsere wichtigste Einnahmequelle derzeit sind Abdrucke in Regionalzeitungen. Die übernehmen unsere Texte und Fotos – und bezahlen dafür. Wir wären wirtschaftlich, wenn die Zeitungen jeden Text drei Mal übernehmen würden. In Wirklichkeit passiert das aber maximal einmal. Warum das so ist? Meistens argumentieren sie mit Platznot, fehlendem Budget oder Umstrukturierungsmaßnahmen. Der wahre Grund liegt aber unserer Auffassung darin, dass wir es immer noch meistens mit Männern in den Politikressorts zu tun haben und die sehen schlichtweg nicht die Notwendigkeit, Geschichte über starke Frauen ins Blatt zu hieven.

Um noch bekannter zu werden, bauen wir momentan unsere Medienpartnerschaften aus. Derzeit veröffentlichen wir unsere Geschichten auch auf Edition F und ze.tt. Das bringt zwar kein Geld, aber Reichweite. Das heißt, uns lernen immer mehr Menschen kennen.

Ist der bezahlte Journalismus am Ende?

Überhaupt nicht! Wir befinden uns in einer Pionierzeit. Der Journalismus wird gerade neu gedacht und wir können diesen Prozess aktiv mitgestalten. Die User sind durchaus immer mehr bereit, für gute Inhalte zu bezahlen. Sie müssen allerdings überzeugt werden und sie müssen einen echten Mehrwert haben. Das ist anstrengend und mühsam – aber es lohnt sich. Denn Journalismus, der von den Lesern finanziert wird, ist maximal unabhängig. Wenn man übrigens in die USA schaut, gibt es seit dem Amtsantritt von Donald Trump tausende neue Abonnenten bei der New York Times und unabhängige Recherchezentren wie „ProPublica“ bekommen so viele Spenden wie nie zuvor. Das heißt, die meisten Menschen wissen, dass guter Journalismus Zeit braucht und Geld kostet. Sie sind überzeugt, dass eine starke Demokratie gute Medien braucht und sind bereit, ihren Beitrag dazu zu leisten.

Du hast es schon kurz erwähnt: Gerade läuft eure Kampagne, um über den Dienst „Steady“ Abonnenten zu finden, die euch regelmäßig finanziell unterstützen. Was ist das Konzept dahinter und wie kann man mitmachen?

Wir hatten ja vor zwei Jahren ein erfolgreiches Crowdfunding auf „Startnext“. Aber beim Crowdfunding muss man nach einer gewissen Zeit immer wieder von vorne anfangen und neues Geld eintreiben. Bei „Steady“ ist der Vorteil, dass wir dauerhaft Geld einnehmen. Das heißt, die User schließen ein Abo ab, das sie jederzeit kündigen können. Das bringt uns monatliche Einnahmen, die uns auf eine stabile finanzielle Basis stellen. Denn nach zwei Jahren, die wir jetzt am Markt sind, geht es tatsächlich um nichts weniger als: Können wir weitermachen?

Nachdem sich die Abdruckzahlen nicht so entwickeln wie erhofft, sind wir jetzt darauf angewiesen, dass uns die Leser unterstützen. Es gibt viele, die uns gut finden und schätzen. Nun geht es darum, diese Menschen dazu zu bringen, sich bei Steady anzumelden und ihre Konto- oder Kreditkartennummer einzugeben.

Wir wollen die Sichtbarkeit von Frauen erhöhen, weil in Mainstream-Medien fünf Mal mehr über Männer berichtet wird als über Frauen. Wir glauben, das ist nicht zeitgemäß und deshalb wollen wir mit unseren Reportagen von starken Frauen auf der ganzen Welt genau dagegen angehen. Wenn uns eure Leser mit 5 oder 10 Euro im Monat unterstützen wollen, würden wir uns natürlich freuen. Die Kampagnenseite lautet: https://deine-korrespondentin.steadyhq.com/de.

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