rose denkblaseBeatrix von Storch wurde Opfer einer Tortenattacke. Kann man witzig finden, muss man aber nicht. Gar nicht witzig wiederum ist ein sexistischer Kommentar gegen Frau von Storch unter einem Bild von ihr mit Torte, meint Lena Baseler. Teil 3 unserer wöchentlichen Reihe „Der Blick auf die Dinge“.

Zu allererst: Ich bin absolut kein Fan der AfD und Beatrix von Storch nervt mich auch. Da ist der Name der Enkelin des Nazi-Reichsfinanzministers Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk irgendwie schon Programm. Storchig, staksig, hölzern. Frau von Storch wurde nun vergangenen Sonntag Opfer einer Tortenattacke. Ein als Clown verkleideter Mann betrat eine nicht öffentliche Sitzung der AfD in einem Hotel in Kassel und zack landete eine Torte auf Frau von Storch, mit dem Ziel die stellvertretende AfD-Vorsitzende zu demütigen.

Zugegebenermaßen fand ich die Meldung anfangs schon ganz witzig. Weil ich Beatrix von Storch und die AfD eben sehr blöd finde. Meine Häme verging aber doch recht schnell. Sie selbst postete später auf Facebook Bilder der Attacke – ein Portrait ihrer selbst, sowie des verkleideten Angreifers und veröffentlichte dazu seinen Namen.

Fraglich ist ja, ob der „Tortale Krieg gegen die AfD„, wie ihn das Aktionsbündnis Peng Collective auf seiner Homepage selbst betitelt, wirklich eine Ultima Ratio zur Verteidigung unserer demokratischen Werte darstellt. Tortenattacken sind per se eigentlich amüsant, aber irgendwie auch ganz schön überholt. Bereits Bill Gates und Nicolas Sarkozy wurden in der Vergangenheit getortet. Revolution ist wirklich etwas anderes. Dass der Torten werfende Mann jetzt Morddrohungen aufgrund seines veröffentlichten Namens erhält, ist wiederum gar nicht witzig.

Ebenfalls überhaupt nicht witzig ist ein Kommentar auf Facebook unter von Storchs Bild:

Screenshot via Rhetorische Perlen von AfD- und NPD-Anhängern: https://www.facebook.com/afdnpd/photos/a.1503730059842798.1073741827.1503548603194277/1702066003342535/?type=3&theater

Screenshot via Rhetorische Perlen von AfD- und NPD-Anhängern: https://www.facebook.com/afdnpd/photos/a.1503730059842798.1073741827.1503548603194277/1702066003342535/?type=3&theater

„Wenn Ihnen öfter mal jemand was ins Gesicht gespritzt hätte, wären Sie vielleicht nicht so mies drauf.“

Ich musste zweimal hinschauen, um zu glauben, was ich da gerade auf dem geposteten Screenshot der Facebookseite „Rhetorische Perlen von AfD- und NPD-Anhängern“ gelesen hatte. Im selben Moment fragte ich mich, wer in dieser Form etwas tatsächlich öffentlich kommentiert. Ich schäme mich ja schon solch einen Ausfall lesen zu müssen. Nun wurde in der letzten Zeit sehr viel über die AfD-, Pegida- und „Besorgte Bürger“- Anhänger gesprochen, deren Sprachkultur auf Facebook meist nicht nur bloß am Rande des Geschmacklosen kratze. Allesamt ein dem rechten Spektrum zugehöriges Publikum, das Hass- und Hetzkommentare auf Facebook hinterlässt.

Und nun? Nun schreibt eine vermutlich eher nicht dem rechten Spektrum verbundene Person unter das Bild von Beatrix von Storch solch einen Kommentar. Unabhängig davon welcher Partei diese Frau angehört, Sexismus und jegliche Art von Rassismus verdienen null Toleranz. Auch bei Beatrix von Storch, egal welche sehr fragliche Haltung und Argumentation sie vertritt, sind wie bei jeder anderen Frau oder auch Mann Kommentare dieser Art nicht zu akzeptieren. Damit unterscheidet man sich nicht wesentlich von ihrer Politik. So etwas bestätigt einmal mehr, dass Sexismus bei jeglicher politischer Couleur vorkommt. Egal ob rechts oder links, ekelhaft geht immer.

Wir erinnern uns bitte an die nun schon wieder sehr leise gewordene Debatte um die Silvesternacht in Köln. Alle waren sie auf einmal Frauenrechtler. Die Linken sowieso und auch schon vorher und die Rechten dann spätestens ab Silvester auch. Aber die Linken konnten wenigstens behaupten, dass dieses Thema schon lange auf ihrer Agenda stehen würde. Das bestreite ich mit dem oben angeführten Kommentar. Natürlich, so wie auch immer, kann man nicht verallgemeinern. Aber wenn einem die Argumente ausgehen, wohl auch komischerweise leider gegen die AfD, wird es dreckig und verachtend. Ob Torten oder Sexismus, eine linke Ultima Ratio sieht anders aus.

 

Titelfoto: © Metropolico.org., Beatrix von Storch. Via: https://flic.kr/p/jxtQzA is licensed under a Creative Commons license: CC BY-SA 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

 

1 Kommentar

  1. P. Lustig Antworten 4. März 2016 at 16:21

    Sehr geehrte Frau Basler,

    ich bin nicht ganz einverstanden damit, dass Sie Beidem – dem Tortenwurf als auch dem Sexismus – fehlende Argumente unterstellen. Oder anders ausgedrückt, mit den Argumenten verhält es sich doch in beiden Fällen recht unterschiedlich.
    Sie unterstellen dem Tortenwurf eine ernsthafte Begründung als Ultima Ratio… Damit aber übergehen Sie doch gerade die Subversivität der Aktion. Diese liegt doch nicht in der oberflächlichen Lächerlichkeit, die lediglich ein mehr oder weniger dummes Bild liefert. Der Tortenwurf ist doch nur das (zugegeben schmierige) Mittel zum Zweck, nämlich die Enttarnung der AfD-eigenen Argumentation und deren Denkweise. Der Wurf wurde mit Argumenten begründet, die die AfD selbst in Bezug auf den Schießbefehl an den Grenzen bemüht. Es geht also nicht um fehlende Argumente, sodern darum, die Argumente der AfD ad absurdum zu führen. Und das hat wunderbar geklappt. Insofern – das zeigten auch die explodierenden Diskussionen – ist der Tortenwurf keineswegs eine zeitlich überholte Protestform. Sie ist raffinierte Bloßstellung, nicht als Hähme über das sahneverschmierte Gesichts und Outfit von Frau v. Storch, sondern der Argumentations- und Denkweisen dieser Partei/Politikerin.
    Es ist aber bezeichnend, dass die AfD ihren Gegenangriff lediglich auf der Ebene der oberflächlichen Lächerlichkeit startet. Frau v. Storch selbst hat dieses Bild von sich veröffentlicht und sich – sie müsste es eigentlich besser wissen – der öffentlichen Meute zum Fraß vorgeworfen. Das rechtfertigt keinen Sexismus – da gehe ich mit Ihnen konfrom. Frau v. Storch kann solche Anfeindungen von Dritten aber dann nicht dem Tortenwerfer zum Vorwurf machen. Storch und auch die ganze AfD beweisen aber, dass sie mit einer derartigen Form des Protestes absolut nicht oder wenig professionell und kompetent umgehen können. Das Bild von Frau . Storch ist nur ein willkommener Nebeneffekt. (Wahrscheinlich hatten sich die Akteure das so nichtmal träumen lassen, weil nicht damit zu rechnen war, daß die AfD selbst zum Gelingen der Bloßstellung so inkpompetent beigetragen hat.) Die Botschaft des Tortenwurfs ist eine Andere und er ist mit Nichten Resultat fehlender Argumente. Und hier zeigt sich eine völlige Differenz zu der Argumentationslosigkeit sexistischer Angriffe.
    Dennoch: Danke für den Artikel.

Was meinst Du dazu?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Go top