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Die ganze Welt ist vielleicht etwas hoch gegriffen, es sind eigentlich nur Zweidrittel davon. Denn so groß ist der Anteil der Erdoberfläche, der von den Meeren bedeckt wird. Und die bergen eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit in sich. Im Jahr 2011 wurde der in den Ozeanen zirkulierende Plastikmüll auf etwa 100 Millionen Tonnen geschätzt und laut Jenna Jambeck, Umweltingenieurin an der University of Georgia, kommen jedes Jahr etwa acht Millionen Tonnen dazu. Und die stellen eine immense Bedrohung dar für Klima und Umwelt, unsere Gesundheit aber auch die Zukunft vieler Wirtschaftszweige. Wie also reinigt man etwa 1,4 Milliarden Kubikkilometer Wasser?

Der Niederländer Boyan Slat glaubt ein Werkzeug für diese fast unlösbare Aufgabe entwickelt zu haben. Die Idee dazu kam ihm bei einem Tauchurlaub in Griechenland, wo ihm die riesigen Mengen Plastikmüll auffielen, die im Meer treiben. Er las Bücher über Meereskunde, sprach mit Experten und machte Skizzen für ein Projekt, das er im Herbst 2012 als angehender Ingenieurstudent an der Universität in Delft vorstellte. Da war Boyan Slat gerade einmal 18 Jahre alt.

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Foto: Erwin Zwart / The Ocean Cleanup

Seine Idee erreichte die Presse und erhielt großen Zuspruch in der Öffentlichkeit. Unterstützt von zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeitern und durch eine erste Crowdfunding-Kampagne konnte Boyan Slat nur wenige Monate später ein Team aus Wissenschaftlern zusammenstellen, um seine Idee einer Auffangbarriere für Plastikmüll, mit dem die Ozeane vom Abfall befreit werden sollen, weiter voranzutreiben.

Inzwischen wurde das Projekt mehrfach modifiziert und in kleinerem Maßstab getestet. Durch eine weitere Crowdfunding-Kampagne finanziert, startet Anfang 2016 nun ein zweijähriges Pilotprojekt im Meer zwischen Japan und Südkorea – wo durch Meeresströmungen bedingt besonders viel Müll im Wasser treibt. Auf einer Länge von 2.000 Metern wird die Filteranlage in der Mitte eines Kreisstromes positioniert und dort die Abfälle aufgefangen, die von der Strömung angetrieben werden. Die Energie für den Betrieb bezieht die Struktur aus Sonne und Wellenbewegung. Im Anschluss wird der Müll an Land recycelt.

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Foto: Erwin Zwart / The Ocean Cleanup

Es ist schön zu sehen, dass Projekte wie „The Ocean Cleanup“, die nicht weniger versuchen, als uns allen eine lebenswerte Zukunft auf der Erde zu ermöglichen, von der Öffentlichkeit anerkannt und unterstützt werden. Bei all den schlechten Nachrichten über Klimawandel und Umweltzerstörung, die uns jeden Tag erreichen ist es wichtig auch die „Hoffnungsträger“ eines besseren Lebens hervorzuheben. Vor zwei Wochen wurde Boyan Slat und seine Vision einer Filteranlage für die Weltmeere als eines von fünf Projekten mit dem INDEX Award 2015 ausgezeichnet. Mit 500.000 Euro ist der Preis, der alle zwei Jahre für ethische und ökologisch sinnvolle Projekte verliehen wird, mit dem weltweit höchsten Budget ausgestattet. Das macht auch Sinn. Denn oftmals können die Ideen nur auf diese Weise zur Marktreife geführt werden oder die in erster Linie nicht wirtschaftlich angelegten Produkte weiterentwickelt werden.

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Foto: The Ocean Cleanup

Doch Boyan Slat meint, dass seine Idee sogar profitabel ist. „I believe the key thing is, that only if we realize change is more important than money, money will come.“ Und könnten wir damit unsere Weltmeere retten, spräche auch absolut nichts dagegen.

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INDEX award

 

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