Rose FrageAb heute ist die neue Ausgabe des ROSEGARDEN Magazins mit dem Thema „Was ist Zeit?“ deutschlandweit im Handel erhältlich. Auf 116 Seiten haben wir uns auf die Suche nach der Bedeutung dieser so großen Frage gemacht. Einige einleitende Worte zur Zeit dazu von Peter Jelinek.

Das Managen von Zeit ist wie der Wahn nach Perfektion. Niemals erreichbar und doch ein treibender Faktor für das menschliche Wesen. Somit zeigt die Frage nach Zeit folgendes: sie ist ein Objekt der Begierde. Gleichzeitig ist diese Begierde nicht greifbar und wabert im menschlichen Bewusstsein herum. Trifft die Frage nach Zeit auf den Menschen, so entsteht ein nie endender Konflikt, den nur das Individuum, also Du, für sich beantworten kannst. Gönn Dir die Zeit und hinterfrage, was Du als sinnvoll erachtest.

Verloren in der Produktivität

Zeit sparen und managen. Was eine Sisyphusarbeit zu sein scheint, ist tatsächlich ernst gemeint. Und so wie Sisyphos in der Unterwelt des Gottes Hades dazu verdammt war, stets den Felsbrock gen Spitze zu hieven (und es nie schaffte), so scheint der Mensch seit der Erfindung der Uhr, sich der Zeitersparnis zu widmen.

Apps wie ATracker, 30/30 oder OFFTIME sollen uns heutzutage dabei helfen, diese Zeitersparnis endlich zu realisieren. Mal wieder etwas, um Zeit zu sparen. Die Selbstüberwachung, die Optimierung und das Managen der Ressource Zeit bestimmt unser handeln.

Die Apps sind Arbeitstechniken, die zur effektiven Nutzung der Zeit führen sollen und somit ein wesentlicher Bestandteil der beruflichen Weiterbildung sind. Zeitmanagement unterstützt uns den Tag zu strukturieren, Ziele konsequent zu verfolgen und Prioritäten zu setzen. Zeitmanagement kann also zum beruflichen Erfolg führen und ist daher beliebt.

Produktivität, Effektivität und Flexibilität werden so unter einen Hut gebracht und schlussendlich wird Zeitgewinnung vermittelt – Zeitmanagement in seiner reinsten Form. Das Gefühl, etwas Sinnvolles mit seiner Zeit getan zu haben. Ein erfüllendes Gefühl, der den Homo oeconomicus in uns aufblühen lässt. Das Spiel beginnt dann mit jedem Weckersignal von vorne.

Der (digitale) Sekundenzeiger bestimmt also den Takt des Lebens und wir versuchen ihn zu managen. Zeitmanagement ist somit Selbstbestimmung. Doch die Frage nach Zeit, kann auch das Zeitmanagement nicht beantworten. Denn wenn wir gar nicht wissen, was Zeit ist, können wir sie folglich auch nicht managen.

Was also ist Zeit?

Bereits der Philosoph Augustinus von Hippo stellte fest: „Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich es; will ich einem Fragenden es erklären, weiß ich es nicht.“ Ein tieferer Blick in die Philosophie scheint ebenfalls wenig befriedigend zu sein. Für Aristoteles ist der Zeitbegriff untrennbar an Veränderungen gebunden. Veränderungen geschehen in der Zeit, aber von der Zeit selbst gilt das nicht.

Immanuel Kant sieht die Zeit als eine Art Raum. Sie ist also eine „reine Anschauungsform“ und zwar die des inneren Sinnes. Sie ist unser Zugang zur Welt, gehört also zu den subjektivmenschlichen Bedingungen der Welterkenntnis und ist folglich die besondere Form, die das menschliche Bewusstsein den Sinneseindrücken verleiht. John McTaggert sieht die Antwort nach der Frage, was Zeit ist, bei Augustinus, Kant und den heutigen Naturwissenschaften. Es gibt also es eine Vielzahl an philosophischen Antworten, was Zeit ist. Doch von der Antike bis heute kann dies, zumindest aus philosophischer Sicht, nicht zufriedenstellend beantwortet werden

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In meinen Augen, habe ich Dir, als Leser, gerade Zeit gestohlen. Das tut mir fast schon leid. Denn ich kann sie Dir nie wieder zurückgeben. Geld ist nur ein schwacher Trost. Es waren also viele Worte um nichts. Denn was ist Zeit denn nun? Und wie kannst Du sie managen? Die Zeit könnte ebenso gut nihilistisch sein – oder deterministisch. Also nichts oder bestimmt.

Die Lösung ist einfach. Hör einfach auf nach Zeit zu fragen und sie der Tatsache ins Auge, dass Du die Zeit bist. Denn die Frage nach der Zeit ist unmittelbar auch eine Frage nach Deinen Sinn im Leben. Du alleine bestimmst. Und so wie Du bestimmst was für Dich sinnvoll ist, ist also auch Deine jeweilige Zeiteinteilung und somit die Zeit an sich, das, was Du aus ihr machst.

Ein Supercomputer meint übrigens, die Antwort zum Sinn des Lebens wäre 42. Meint der Computer damit 42 Minuten, Stunden, Tage? Das ist das tolle: Jeder Mensch kann sich seine Antwort darauf selber suchen. Auch Du.

 

Titelbild: Michael Gaida. Via: https://pixabay.com/de/uhren-zeit-uhrzeit-ziffernblatt-842410/.

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