Am DonnerstaRose Interview Mikrofong diskutieren wir im Rahmen der Social Media Week über das Thema Share Economy. Das Thema  ist schon ein paar Tage alt. Aber im vergangenen Jahr hat es rasant an Popularität und Bedeutung gewonnen. Zugpferde des Trends sind die großen Player wie Airbnb, Drive Now oder Car2Go. Aber auch in vielen anderen Bereichen breitet sich das Prinzip Teilen statt Besitzen aus. Höchste Zeit einmal drei Thesen zur aktuellen Debatte zur Diskussion zu stellen.

1. Narrativ und Wahrheit

Das Label Share Economy besteht aus zwei Wörtern. Das Wort Share nutzen die Protagonisten der Share Economy dabei für ihr Narrativ. Und zwar so erfolgreich, dass viele vergessen, dass Economy auch zu dem Begriff gehört. Am Ende des Tages geht es hier um Business-Modelle und nicht um selbstloses Teilen. Doch die Penetration des Begriffs Share und seine Einordnung in einen irgendwie zeitgenössischen Kontext, in dem der Einzelne weniger Wert auf Besitz legt, in dem angesichts schwindender Ressourcen das Teilen wichtig wird, sorgen dafür, dass die Player der Share Economy vielerorts einen gewissen Vertrauensvorsprung genießen. Wo Share draufsteht kann nichts Schlechtes drinnen sein – auch wenn ein Hedgefonds dahinter steht. Diese Diskrepanz zwischen Narrativ und Wahrheit liegt gerade wie eine Nebelkerze über der Debatte. Dieser Nebel muss sich lichten, um zu bewerten, was Share Economy kann und bringen wird.

2. Regulierung regulieren

Eine gute Sache hat die aktuelle Entwicklung in jedem Fall. Vielerorts wird nun darüber nachgedacht, ob es wirklich nötig ist, zahlreiche Wirtschaftsbereiche unnötig stark zu regulieren. Die behördliche Regulierungswut beim Betrieb von Hotels, Restaurants und Taxikonzessionen ist stellenweise übertrieben. Natürlich braucht Verbraucherschutz Regulierung. Auf der anderen Seite ist ein möglichst direktes Verhältnis von Anbieter und Verbraucher oft die beste Regulierung. Die Kaste der Regulierer sollte in ihrem Einfluss auf Märkte reguliert werden. Wenn das der Share Economy gelingt, ist das kein Schaden.

3. Ein Spiel der Eliten

Die gesamte Debatte zur Share Economy und ein Großteil ihrer Angebote, betrifft momentan vor allem Menschen, die über genügend finanzielles und intellektuelles Kapital verfügen, um daraus etwas Gutes zu ziehen, beziehungsweise um überhaupt zu verstehen, wie man gewisse Angebote nutzt. Dabei hätte die Share Economy vor allem Potentiale für Gesellschaftsgruppen, die nicht zu den First Movern gehören. Der Einkommensschwache Rentner, der nicht mit dem Taxi, sondern mit Uber zum Arzt fährt und 8,50 Euro spart. Oder die prekär Beschäftigten, die sich kein Hotel in Berlin leisten können aber vielleicht noch das Geld für eine Übernachtung via Airbnb zusammenbekommen, um ihren Kindern mal die Hauptstadt zu zeigen. Und so weiter… Schafft es die Share Economy stärker zu einem Angebot zu werden, das Menschen Dinge ermöglicht, die bisher nicht möglich waren, würde sie nicht nur ökonomische Potentiale heben, sondern auch soziale.

teilen und wirtschaften

© Sonja Pieper, Kaffee und Kuchen. CC BY-SA 2.0. Via: https://flic.kr/p/4Ya1Qe.

1 Kommentar

  1. Dr. Madny Read Antworten 25. September 2014 at 18:14

    3 Gegenthesen zur Share Economy

    Steile Thesen, mein lieber Rosengärtner. So steil, dass ich doch einmal antworten möchte mit drei Gegenthesen.

    1. Share Economy als Errungenschaft der Zivilgesellschaft

    Meine erste These antwortet gleich auf zwei von Deinen – No 1 und 3. In meinen Augen wurzeln viele Angebote von gemeinsam genutzten Konsumgütern, die heute unter dem schönen Label „Share Economy“ firmieren, tief in der Zivilgesellschaft. Und zwar nicht als Hirngespinst oder „Business Idee“ elitärer Gruppen, sondern als Gegenangebote zu den „großen Strukturen“. Kleidertauschparties gibt es seit den 1970er Jahren und sind gar nicht auf „Economy“ aus, sondern auf Alternativen zum Shoppingwahn. Gemeinschaftsgärten wie die schönen Prinzessinnengärten in Berlin Kreuzberg oder die „Essbaren Gärten“ im kleineren Andernach zeigen, wie Menschen Orte in der Stadt gemeinsam zurückerobern. Auch hier steht Gemeinschaft vor Geldverdienen. Und nicht zuletzt wuchsen Carsharing-Angebot schon lange vor car2go und drivenow aus der Mitte kleiner und großer Städte – Angebote, die sich natürlich auch wirtschaftlich tragen wollen, aber die nicht von den Konzernen kamen, sondern als Ideen von Bürgerinnen und Bürgern. Die Böll-Stiftung* weist zu Recht darauf hin, dass auch Bibliotheken, Waschsalons und landwirtschaftliche Genossenschaften lange vor der einfachen Kommerzialisierung heutiger Sharing-Angebote gemeinschaftliches Nutzen stark gemacht haben. Ganz ohne Nebelkerzen.

    2. Regulierung soll schützen

    Du hast durchaus recht, wenn Du Regulierung mit Augenmaß forderst. Doch lohnt hier meiner Ansicht nach der Blick auf das Ziel von vermeintlich übermäßiger Regulierung. Die Beschränkung von Dumping-Angeboten schützt Menschen, die in der Share Economy arbeiten – ob als Taxifahrerinnen oder Hoteliers. Auch wenn man sicher darauf schauen muss, welche Kleinunternehmer wie und welchem Umfang die gleich Standards erbringen müssen wie große Hotelketten oder Taxibetriebe, sind Mindestlöhne, Fahrgastsicherheit und Hygienestandards nichts, was man leichtfertig aufgeben sollte.

    3. Umwelt und Klima profitieren

    Auch wenn ich diese These hier an Platz 3 stelle, bin ich doch zutiefst davon überzeugt, dass gemeinschaftlich genutzte Produkte oder Dienstleistungen vor allem zu einem Ziel beitragen sollen und auch können: Ressourcen und Energie sparen und damit Umwelt und Klima entlasten. Zumindest hatten das diejenigen vor Augen, die erste Leih-, Miet- und Tauschangebote schufen – für ihre privaten Autos, den Rasenmäher im Schuppen und vieles mehr. Aus Sicht von NABU und der Heinrich-Böll-Stiftung „birgt eine gemeinschaftliche Konsumkultur das Potenzial, den Ressourcenverbrauch eines jeden Einzelnen zu senken und gleichzeitig die Lebensqualität zu halten oder sogar zu erhöhen.“* Heutige Angebote sind viel hipper, besser designt und leichter zugänglich als ihre Vorfahren aus den 80er Jahren und haben damit das Potenzial, noch viel mehr Menschen für die Ideen von gemeinsamem Nutzen zu begeistern. Und sie ganz nebenbei und ohne großen Aufwand zu aktiven Umwelt- und Klimaschützern zu machen…

    * Die sehr lesenswerte Studie „Nutzen statt Besitzen“ der Heinrich-Böll-Stiftung und des NABU: https://www.boell.de/sites/default/files/Endf_NutzenStattBesitzen_web.pdf

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