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Pegida – die jüngste Ursuppe Vorurteil beladener Frustbürger wurde gestern ein Jahr alt. Dummheit ist offenbar konservierbar. Unser Autor Peter Jelinek nutzt den traurigen Jahrestag und warnt vor schleichenden und galoppierenden Radikalen in Deutschland.

Holger Apfel fragt sich dieser Tage sicherlich: Was habe ich damals falsch gemacht?! Damals, das war vor rund zwei Jahren, als der damalige Fraktionsvorsitzende der rechtsextremen Partei NPD die Strategie des ‚seriösen Radikalismus’ der Öffentlichkeit präsentierte. Die NPD wollte das werden, was in Frankreich der Front National oder Österreich die FPÖ ist. Raus aus der Schmuddel-Ecke, rein in die Mitte der Gesellschaft.

Doch die Strategie ging nicht auf. Die Partei verlor eine Wahl nach der anderen. Die AfD übernahm das Ruder. Heute, zwei Jahre nach dem Scheitern, scheint ein derartiges Konzept durchaus seine Anhänger zu finden und die AfD weiß das. Glatzköpfe und Stumpfsinn laufen Hand in Hand mit Anzug und Krawatte umher – immer montags. AfD und NPD, der Unterschied ist marginal. Seite an Seite geht es mit den besorgten Bürgern durch die (Ostdeutschen-) Straßen. Der seriöse Radikalismus, er schleicht sich heran.

Strammen Schrittes Richtung Populismus

Die ‚Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes’, kurz Pegida, marschieren wieder – strammer denn je. Nachdem sie durch Streitereien und Skandalen rund um Lutz Bachmanns Führungsriege fast aus der Öffentlichkeit verschwunden waren, feiern sie dieser Tage eine heroische Wiederauferstehung und wähnen sich mit ihren Parolen von einer breiten Öffentlichkeit unterstützt. Eines aber hat sich im Vergleich zum Vorjahr verändert. Die Stimmung ist aggressiver, die Ablehnung gegen das Establishment und jeglichen Fremden ist größer geworden. Man könnte auch sagen: der Radikalismus hat der Bewegung rund um Pegida Raum gegeben. Und darin liegt ihre Stärke und die Chance für den Populismus.

Foto: CC BY-SA 2.0 https://www.flickr.com/photos/gruenenrw/

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Eine aktuelle Umfrage des Institutes Insa für Focus Online bestätigt dies. Dort verlangt aktuell jeder dritte Bürger den Rücktritt der Kanzlerin. Sie hätte in der Flüchtlingskrise versagt. Gerade AfD Anhänger sehnen sich nach diesem Schritt. Auch innerhalb der CDU gibt es mehr und mehr Stimmen gegen Angela Merkels Kurs. Ein Brandbrief macht seine Runde. Beim CDU Zukunftskongress vor einigen Tagen, gab es zum Teil heftige Kritik und große Sorgen angesichts weiterer Flüchtlingswellen, die Deutschland erreichen.

Flüchtlinge: Wollen wir das schaffen?

Auch die Medien tragen dieses Bild mit voran. Nicht ein Tag vergeht, indem Horst Seehofer, CSU, Frauke Petry, AfD, oder Kommentatoren etablierter Medien vor einer unlösbaren Aufgabe warnen. Grenzschließung, Einschränkung des Asylrechts, Grundgesetzänderungen. Die Liste der Forderungen, sie wiederholt sich mit jedem Tag. Die Medien tragen dieses Bild in die Öffentlichkeit. Nach der Welle der Euphorie und des ‚Wir schaffen das’, kommt nun die Pessimismus-Welle. Nicht nur #Dieselgate ruiniert die Deutsche Ordentlichkeit, sondern auch die schier nicht enden wollenden Flüchtlingsströme. Der Deutsche, er versteht die Welt nicht mehr und man fragt sich zurecht: Wollen wir das überhaupt schaffen?

AfD, NPD und zum Teil auch CSU und andere politische Bewegungen, greifen das nur zu gern auf. Es ist die Chance der Populisten. Einfache Antworten auf komplexe Fragen haben Hochkonjunktur. Nicht nur in Österreich, der Schweiz oder Großbritannien. Es wären die goldenen Zeiten für Holger Apfels ‚seriösen Radikalismus’. Die Nein zum Heim-Schilder sind mittlerweile zum Standardprotestschild geworden – egal wo Flüchtlingsheime entstehen sollen. Die kreative braune Ader dahinter, die NPD, mischt sich unter die besorgten Bürger. Sie initiiert Aufmärsche. Bekannte Neonazis laufen gemeinsam mit dem Bürgertum. Es vereinen sich Hass und Angst. Ein Selbstläufer, dessen Ergebnis in brennenden Heimen oder gewalttätigen Übergriffen auf Flüchtlinge mündet.

Im Galopp zum Radikalismus

In Umfragen stagniert die NPD zwar weiterhin und kann wenig von der aktuellen Stimmung abgreifen, doch ihr springt eine Partei zur Seite, die mit der Absetzung ihres ehemaligen Fraktionsvorsitzenden, Bernd Lucke, den Rechtsruck amtlich gemacht hat – die Alternative für Deutschland.

Sie lädt ein zu seriösen Bürgergesprächen und Veranstaltungen zum Thema Flüchtlingskrise ein. Reicht aufgrund von „Grenzverletzungen“ Klage gegen die Bundeskanzlerin ein und fordert öffentlich die Grenzschließung und/ oder Grundgesetzänderung. Wäre am Sonntag Bundestagswahl, sie würden die fünf Prozenthürde locker schaffen. Und das alles mit Themen, die vor einigen Jahren nur der NPD zugeordnet werden konnten. Nutzte die NPD vor einem Jahr Pegida und Co noch indirekt als Plattform für ihre Themen, so reiten sie nun stolz mit ihr. Der seriöse Radikalismus, er nähert sich mit vollem Galopp der Mitte der Gesellschaft.

Beitragsfoto: CC BY-SA 2.0 https://www.flickr.com/photos/gruenenrw

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