Rose FrageMan kann mit sehr viel Liebe und Verantwortungsbewusstsein kochen – und dennoch ein richtiges Schwein sein. Hilferuf aus dem Alltag eines Aufgeklärten, der dennoch nicht auf alles eine Antwort hat und Orientierung sucht.

Es ist ja so wichtig, zuhause richtig zu kochen. Sich Zeit nehmen und so … anstatt einfach auf dem Heimweg irgendwo was auf die Hand … Gut, ich habe es schon immer vorgezogen zu kochen. Zumindest bis der irrwitzige Street Food-Tsunami nach Berlin kam – ein Sturm der Verführung. Dennoch: Zuhause kochen, nicht nur am Wochenende – Ehrensache. Diese Haltung wird mir auch seit einiger Zeit von zahlreichen Studien, Promiköchen und Ernährungsexperten nahegelegt. Es ist gesünder, stärkt das soziale Miteinander blablabla… Ich verhalte mich, was das angeht, megavorbildlich. Selbst das Bier oder den Wein, den ich vor, während und nach dem Kochen trinke, sind, wenn ich einem Teil der Studien glauben darf, absolut vorbildlich. Fühlt sich richtig gut an, so ganz von sich aus das Richtige, sozial Erwünschte zu tun.

Lecker – und dem Klimawandel in die Fresse getreten

Als ich neulich mal wieder so mega vorbildlich nach einem langen Tag mit viel Respekt vor Zutaten und Zubereitungstraditionen ein wirklich sehr einfaches Nudelgericht kochte, geriet ich aber ins grübeln ob der Korrektheit meines Verhaltens. Die Teller mussten vorgewärmt werden. Natürlich auch die Schüssel, in der diese Nudeln dann serviert werden mussten. Käse frisch reiben. Topf, Pfanne, Messer, Schneidebrett, Herd, Ofen … also, für dieses sehr einfache Nudelgericht und die anschließende Reinigung der Utensilien habe ich sehr viel Energie verbraucht. Der Co2-Fußabdruck dieses vorbildlichen Mahls war ein Tritt in die Fresse des Klimawandels. Sprich: Ernährungstechnisch bekomme ich eine Eins mit Stern. Energiespartechnisch ist dieses Verhalten eine Katastrophe. Der Burger auf dem Heimweg hätte weniger Energie verbraucht.

Ein ähnlicher Gedanke kam mir vor einigen Wochen. Wieder das gleiche Spannungsfeld. Im sehr schönen, sehr abgelegenen Hinterland des Bodensees wollte ich zur Feier eines Tages den Grill im Garten der Schwiegereltern anwerfen. Im Dorf hätte ich bei Lidl dafür ein paar eingeschweißte Bratwürste kaufen können und wenn ich lebensmüde wäre vielleicht auch ein paar Steaks. Beides ist mir allerdings zuwider und korrekt wäre es auch nicht. Aber, ha!, was ist hier schon korrekt! Als ich dann mit dem Auto zwanzig Kilometer durch diese schöne Gegend gefahren bin, bis ich bei einem Metzger eine Bio-Bratwurst kaufen konnte… da hatte ich das gleiche, ungute Gefühl: Gut für den Bauch, schlecht für die Umwelt.

Sicher gibt es auf all diese Fragen hoch-seriöse, wissenschaftliche Antworten. Die man jedoch trotz aller Informiertheit nicht einfach so aus dem Ärmel schüttelt. Was bleibt ist Orientierungslosigkeit. Und in meinem Gewissen prügelt sich dann immer mein Klimawandel-Ich mit der Ernährungs-Libido während das Aufgeklärter-Mitdreißiger-Über-Ich kollabiert, weil es zwischen richtig und falsch nicht mehr unterscheiden kann.

Und wer hilft mir jetzt weiter?

 

Tomate und Messer, Foto: CC BY-ND 2.0 by Frank Lindecke, flickr https://flic.kr/p/dN9JTh

Tomato and Knife, Foto: CC BY-ND 2.0 by Frank Lindecke, flickr https://flic.kr/p/dN9JTh

2 Kommentare

  1. Wiebke Antworten 13. Oktober 2014 at 17:17

    Dear Mario, ehrlich gesagt glaube ich, dass es nicht ganz so hyperkomplex ist, wie von Dir dargestellt 😉 Uns killen in der Klimabilanz wahrscheinlich nicht Deutschlands am Wochenende aufgewärmten Teller, sondern die CO2-Bilanz der fürs Kochen konkret verwendeten Produkte. Und wenn die Biowurst zu weit weg ist, tuts vielleicht auch mehr Gemüse aufm Grill und drei, vier von den Kackwürstchen weniger, die eh nur nach Geschmacksverstärker schmecken …

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