rose denkblase Wenn das Kind zur perfekten Ergänzung des eigenen Outfits wird. Gedanken zu Post-Müsli-Eltern diese Woche in „Der Blick auf die Dinge“.

Letztens am Nebentisch im Café mitgehört: „Adoption ist schon was Tolles, vor allem kann man sich dann ja auch aussuchen, wie das Baby ungefähr aussieht. Und man tut natürlich auch etwas Gutes für das Kind und seine Familie.“ – „Ja, absolut. Wenn ich mir eins aussuchen dürfte, würde ich ein asiatisches Baby nehmen.“ – „Ja! Asiatische Kinder sind supersüß, es gibt ja auch viele syrische Kinder jetzt, aber die sind einfach nicht ganz so niedlich.“

In dem Moment bemerken meine Tischnachbarinnen meinen entsetzten Blick. Einerseits scheinen sie in Geographie nicht ganz so bewandert zu sein: Syrien liegt auf dem asiatischen Kontinent. Andererseits ging ihr rassistisches Gespräch gerade um Kinder, nicht um irgendein neues Kleidungsstück, das man als hippe Cappuccinotrinkerin ab sofort unbedingt tragen muss.

Obwohl – es geht in gewisser Weise auch um ein Trendstück, das It-Piece einer jungen aber dennoch unbedingt familienbewussten Altersschicht. Nicht nur schweifen in letzter Zeit die Gespräche im erweiterten und auch engeren Freundeskreis um das Thema Kinder, sondern man bekommt viele junge hübsche Paare, die sicherlich einen extrem gut geführten Instagramaccount haben, mit einem kleinen Wurm auf dem Arm zu Gesicht. Alles schön und gut – kriegt Kinder. In klassischer Betrachtungsweise evolutionsbedingt eh eine der zentralen Aufgaben im Leben.  Aber man wird das beklemmende Gefühl nicht los, dass das Kind gerade bei einigen Menschen als I-Punkt des Outfits und des anvisierten Lifestyles fungiert.

Cool und nachhaltig angezogene Babys, bei denen das Outfit mit Bugaboo-Buggy den Wert eines Normalokleidungsstils circa um das dreifache übersteigt. Gerne darf es auch der Name Peter sein, der das Kind verziert. So wie bei dem kleinen Jungen aus der Kita unter uns. Daddy bringt ihn jeden Morgen dorthin. Man hört zum Abschied meist ein über den Hof hallendes „YAAAAAAAAY, tschüss Peter, tschühüssss.“ Und dann zischt der Papa ab: New Balance Schuhe in marineblau, passend zum Carhartt-Mantel. Die Sonnenbrille sitzt, so dass Klein-Peter beim Moment des Abschieds nicht Papas Augen sieht, sondern die verspiegelten Gläser der Persol-Sonnenbrille. Peter soll schon früh mitbekommen was modisch geht. Auch Peter ist stets einwandfrei gestriegelt. Ich glaube, Peter darf den Sandkasten nur aus der Ferne mit seiner Mini-Persol-Sonnenbrille betrachten. Die gute Hose könnte ja…

Via: https://pixabay.com/de/wandern-strand-familie-zusammen-1081723/., CC0 Public Domain

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Solche Momente, genau wie der Moment mit den oben angeführten Damen, bringen einen zum Nachdenken. Man wird das unangenehme Gefühl nicht los, dass Kinder oftmals verobjektiviert werden. Als perfekte Ergänzung für das eigene Selbstbild. Kinder, die in gewisser Weise ein cooles Accessoire darstellen. Kinder, die Biogläschen bekommen und total durchdachte Namen und durchgestylter sind als Karl Lagerfeld. Die Post-Müsli-Eltern lassen sich etwas einfallen, was später like-bringend auf Facebook veröffentlicht werden kann.

Natürlich sind das Beobachtungen, die aus der Pre-Elternschicht kommen. Und natürlich möchte ich mich hüten, alle jungen modebewussten Eltern über einen Kamm zu scheren. Dennoch ist in vielen Fällen das Kind, zeitlich passend zum 12 Uhr Klingeln der biologischen Uhr, ein Statussymbol. Ein Statussymbol, das auf jeden Fall legitimiert ist. Elternsein ist super. Kinder sind super. Aber eben auch ohne Outfits und Namen, die eher nach mehr Profilierung der Eltern selbst aussehen und klingen.

 

Titelfoto: Via https://pixabay.com/de/kinder-kinder-spielen-junge-1160096/

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