Rose Interview MikrofonDie Idee des Teilens ist Jahrhunderte alt.  Ein Gut wird der Allgemeinheit zugänglich gemacht, ein Mehrwert für viele entsteht. Ziemlich sozial logisches Prinzip. Umso erstaunlicher, dass Teilen unter dem Namen Share Economy gerade so eine starke Prominenz erfährt.  Wird Teilen das neue Haben und steht womöglich das Ende des Kapitalismus bevor? Kann so jeder, egal ob arm oder reich, einen Konsum zelebrieren, der ihm sonst möglicherweise nicht vergönnt war?

Im Rahmen der Social Media Week Berlin 2014 diskutierte Maren Heltsche, Rosegarden–Herausgeberin, mit Vertretern der Branche: Airbnb, DriveNow, FabLab Berlin und Verni sind ebensolche Plattformen der Share Economy. Wohnen, Mobilität, Hardware, Kunst, alles scheint teilbar.

„Wandel gibt es immer. Nun wird die breite Masse erreicht, Share Economy ist grenzübergreifend“, so Christopher Cederskog, Regional Manager Germany & Central and South Eastern Europe bei Airbnb. Das Prinzip von Airnbnb beruht darauf, dass privat an privat seinen Wohnraum vermietet, insbesondere für Reiseaufenthalte, Airbnb ist nur Vermittler, kein Besitzer. Ebenso funktioniert Verni. Robin Greenwood, Gründer von Verni erklärt das Prinzip so: „Künstler oder Sammler können auf einer Onlinemap ihre Kunst pinnen, Nutzer können dann mithilfe der App Kunst in ihrer Nähe suchen und betrachten.“ Eine Hybridform aus online und offline, private Kunst wird online zugänglich gemacht, die dann offline zusammen erlebt werden kann.

DriveNow und das FabLab funktionieren ein bisschen anders. Sie besitzen die Güter, die sie anderen zum Teilen bereitstellen.  Drive Now vermietet Autos, im FabLab bekommt man Zugriff auf Maschinen wie 3D-Drucker und Lasercutter und das damit verbundene Know-How.

Foto: Tilman Vogler

All diesen Unternehmen ist gemeinsam, dass sie zur Share Economy gehören. Manche sind ein bisschen mehr Share, manche ein bisschen mehr Economy. Fakt ist, dass die Share Economy in den letzten Jahren einen kometenhaften Aufstieg erfuhr. Doch warum passiert das gerade jetzt? Ein wichtiger Treibstoff für die Ideen seien die Möglichkeiten des (mobilen) Internets und seiner Verbreitung. Erst die breitere Nutzung  dieser Technologien bietet die Infrastruktur des Teilens und gab den Share Economy-Modellen den richtigen Auftrieb, da waren sich alle einig. Auch das Thema Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung seien sicherlich ein wichtiger Aspekt für den Boom der Share Economy. Da haben sich das persönliche und das gesellschaftliche Mindset in einigen Bereichen durchaus verändert. Für viele wird das freie, mobile Leben durch weniger Besitz attraktiv. Man muss nicht viel besitzen, um Schönes zu erleben. Das grundlegende Bedürfnis der Vernetzung durch das Internet, das Collective Decision Making, sei ein weiterer Katalysator der Share Economy ergänzt Greenwood.

So unterschiedlich sie auch sind – all die Modelle der Share Economy führen zu einer Demokratisierung der Wirtschaft und des Konsums, oder? Michael Fischer, Pressesprecher bei DriveNow, betont, dass der Antrieb seines Unternehmens ein wirtschaftliches Modell sei, das es jedoch einem jedem Führerscheinbesitzer möglich mache, hochwertige Autos für wenig Geld regelmäßig zu fahren. Dennoch, ist Share Economy nicht doch ein eher elitäres Modell des Teilens? Sind es nicht eher Intellektuelle und finanziell potente Kunden die diese Angebote nutzen? Ein Internetzugang zuhause und oftmals ein internetfähiges Handy sind jedenfalls Voraussetzung für das Teilen 2.0. Konterkarierend zu dieser aus dem Publikum aufgegriffenen Frage erläutert Wolf Jeschonnek, dass das FabLab erst einmal nur einem gewissen Publikum bekannt sei. Dennoch passiere ein Demokratisierungsprozess, denn 3D-Drucker oder Lasercutter, die nun einmal einen Wert von mehreren tausend Euro hätten, können jetzt von jedem genutzt werden.

Foto: Tilman Vogler

Bleibt die Frage nach der Zukunft der Share Economy. Wird mit ihrer Stärkeren Verbreitung gar das Ende des Kapitalismus eingeläutet? Die Vertreter der Unternehmen sind sich da am Donnerstagabend nicht einig. Antwortet Jeschonnek mit einem klaren Nein, so resümieren Cederskog und Fischer, dass Share Economy nicht klar in schwarz oder in weiß aufgeteilt werden kann. „Letztendlich ist Share Economy nun auch nicht ausschließlich altruistisch, es wird Geld damit verdient. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte.“ Verni-Gründer Robin Greenwood schließt ab: „Die Share Economy wird weiter wachsen. Das einzige was man nicht teilen kann, ist die Zahnbürste und den Ehering.“

Titelfoto: © Tilman Vogler

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