Cris Koch hat seinen Job als Schriftsetzer bei einem großen Verlag aufgegeben, um als Maler und Künstler zu arbeiten. Denn Freiheit ist im wichtiger als Geld und sein idealer Arbeitsalltag hat keine Routinen.

Du hast dich gegen einen sicheren Job und für deine Leidenschaft entschieden. Ist es jetzt einfacher oder schwerer als du dir es zu Beginn vorgestellt hast?

In dem Job in der Druckinsdustrie fehlte nach einigen Jahren die Herausforderung, so gern ich dort arbeitete. Es gab
zwar das Angebot in der vermeintlichen Karriereleiter aufzusteigen. Aber ich sah da den Aufstieg nicht. Das fühlte sich eher an wie Abstieg in Unfreiheit und Bindung mit noch weniger freier Zeit für die eigenen Dinge. Und dieser Freiraum war mir immer wichtig. Zeit, beziehungsweise Lebenszeit ist das wertvollste überhaupt, genug davon auf die eigene Sache verwenden zu können ist Luxus.

Ich habe das Angebot dankend abgelehnt und bin mehr einer Intuition gefolgt als ich mich an der Akademie bewarb. Einer Vorstellung bin ich nicht gefolgt.

Foto: Cris Koch

Foto: Cris Koch

Hast Du einen Masterplan für Deine Tätigkeit oder kannst Du aus Deiner Leidenschaft Geld machen?

Einen Masterplan habe ich nicht. Kann man in der Kunst nur schwer haben, denn nichts ist sicher. Kunst zu machen hat viele Lesarten, aber eine wichtige ist das Streben nach Freiraum. Die Gesellschaft hingegen strebt nach mehr Sicherheit. Das wird erreicht durch Angst und Beschneidungen der Freiheit. Mit dieser Thematik beschäftige ich mich in meiner konzeptuellen Arbeit „Kunst+Sicherheit“, auf sehr ironische Art. Kurz gesagt ist die Idee, dass alle Menschen zu jeder Zeit einen Helm tragen, dann ist alles sicher und alle sind frei. Des Weiteren gibt es eine fortlaufende Fotoserie, die Kunstschutz Army. Ideell gedacht sind alle Künstler Freiheitskämpfer, global gesehen ist das eine Armee, die für die Freiheit kämpft, aber ohne Waffen, ohne Struktur und Ordnung, eben frei. Die Fotoserie portraitiert diese „unsichtbare“ Armee, natürlich mit Helm … 

 

 

Anstatt einem Masterplan habe ich einen Plan B: Ich erstelle eine lose Serie mit gefundenen Objekten, die ich mit der Typo „Plan B“ bemale. Das sind Taschen oder kleine Boxen die eigentlich nichts beinhalten und ironisch mit diesem Gedanken der Absicherung spielen. Ein mir wichtiges Zitat von Brion Gysin möchte ich hier nennen: After all, live is a game, not a carrier.

Lohnt sich der Weg den Du gegangen bist, würdest Du ihn wieder gehen?

In deiner Frage steckt die Frage nach dem Lohn, also dem wertbaren Ausgleich. Ich sehe das nicht als vordergründiges Ziel.
Im Prozess des Malens zum Beispiel wäre das ein verhängnisvoller Gedanke. In einem Interview mit Marina Abramovic las ich vor kurzem: „Money and success is not the aim, its just side effect“. Sie sagte, dass man als Künstler bereit sein sollte, Fehler zu begehen. Den Gedanken mag ich. Wie wenn man spielt und immer wieder Neues ausprobiert und auch was falsch machen darf, ohne dafür gleich bewertet zu werden. Denn das ist ja der Lohn. Dafür muss aber alles stimmen und perfekt oder schön gemacht sein. Das ist langweilig.

 

 

Im Blick zurück auf den Werdegang würde ich einiges anders machen aber dennoch, ja, ich würde den Weg wieder so gehen.

Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus und ist die Leidenschaft hierbei immer eine motivierende treibende Kraft?

Der ideale Arbeitsalltag hat keinen Alltag. Sich immer wieder selbst überraschen, im positiven wie im negativen. Wenn denn doch Alltag eintritt, wechsle ich das Medium. Woanders weitermachen. Dinge mit Abstand neu betrachten und sehen wohin das führen könnte. Ernsthaftes Spiel.

Leidenschaft ist sicher eine treibende Kraft, aber damit ist es nicht getan. Es steckt sehr viel Arbeit in der Sache, Disziplin ist wichtig, Wille und Beharrlichkeit. Kunst ist auf Dauer angelegt, das ist ein Weg und ich will den gehen.

www.criskoch.de

Fotos: Cris Koch

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