Rose_MikroVocalcoach. Nur was für Musiker? Im Gegenteil. Wer seine Stimme häufig benutzt sollte wissen, was er macht und wie er wirkt. Über einen Besuch beim Vocalcoach.

Reden? Ach bitte! Das ist meine leichteste Übung. Nicht das ich mehr rede als nötig, aber wenn es nötig ist, quatsch ich noch jeden an die Wand. Zuhören tut man mir auch, wenn ich es darauf anlege. Meinen halbtauben Großvater musste ich mein Leben lang fast anschreien, um mich verständlich zu machen, was mich mit einer lauten Stimme gesegnet hat. Vorträge halten? Na klar, meine leichteste Übung… Beladen mit einem recht gesunden Selbstbewusstsein bezüglich meiner Sprechpotenz bin dann dann also mal zum Vocalcoach, um hier darüber zu berichten, was da so passiert. Und ihr könnt es euch schon denken: Ganz so geil ist das mit meiner Stimme nun doch nicht.

Leila Bostic arbeitet in Berlin als Vocalcoach. Sie ist ausgebildete Schauspielerin, Logopädin und nebenbei Backgroundsängerin in der Liveband von Sarah Connor und spielte in der Vergangenheit u.a. mit Peter Fox und einigen anderen nationalen Pop Künstlern.  Leila kann reden. Und singen. Kein Zweifel.

Sprich mit dem Luftballon!

Also, rauf aufs Sofa und erst mal ein entspanntes Gespräch. Probleme beim vielen reden? Heiserkeit? Luft bleibt weg? Aufgeregt? Besondere Vorkommnisse? Immer noch alles easy. Dann soll ich mal erzählen, was ich am Wochenende so mache und mein kleiner Freizeitvortrag wird aufgenommen und mir anschließend vorgespielt. „Und, wie findest du deine Stimme so?“ – „Hm, irgendwie dünn und zögerlich. Wenig dynamisch.“ Kein Widerspruch ihrerseits. Aber alles normal. Eine Stunde später spreche ich wieder aufs Band. Dynamischer, mit resonanzreicherer Stimme, sauber artikuliert, weniger atemlos. Zwischen diesen beiden Aufnahmen habe ich mit einem Luftballon gesprochen, Laute von mir gegeben, mit dem ich in jedem Affenstall der König gewesen wäre, meinen Oberkörper und meinen Gaumen gedehnt und vor allem sehr viel über das Atmen gelernt. Und insgesamt lange nicht mehr so viel über mich selbst erfahren und dabei auch noch richtig Spaß gehabt.

 

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Leila Bostic (Foto: Philipp Plum)

 

Es ist, um es kurz zu machen, verblüffend festzustellen, wie viel man falsch macht bei einer Sache, von der man annimmt, dass man sie ganz gut hinbekommt und andauernd macht. Und das in einem Umfeld, in dem unsere Sprache ein extrem wichtiges Instrument ist. Jeder kann das an sich selbst beobachten. Es gibt Stimmen, denen man gerne zuhört, Stimmen, denen man vertraut, Stimmen, die seriös wirken, Stimmen, in die man sich verliebt, Stimmen, die einen so richtig abtörnen. Die Stimme ist unsere akustische Visitenkarte. Leila nennt sprechen übrigens „beschalltes Ausatmen.“ Und dieses beschallte Atmen brauchen wir im Alltag öfter, als man denkt. Den Chef nach mehr Gehalt fragen? Aber bitte nur mit entspannter selbstbewusster Stimme. Eine Präsentation halten? Im Meeting nach seiner Meinung gefragt werden? Dem Auftraggeber erklären, dass das so jetzt nicht geht? Als Trauzeuge dem Paar ein paar nette Worte mitgeben… Unsere Stimmen sind im Dauereinsatz und kaum einer weiß, wie man sie richtig verwendet.

Wollen wir nicht alle verstanden werden?

Es steht und fällt mit dem Atmen, das beim Sprechen bitte schön aus dem Zwerchfell heraus gesteuert wird und eben nicht durch permanentes heftiges Luft holen. Und es geht um Entspanntheit, also so richtig locker um die Schultern und den Kiefer herum sein. Das klingt alles logisch und plausibel und es stellen sich schnell erste Erfolge ein. Gleichwohl ist es ein langer Prozess dahin all diese Kleinigkeiten und Grundsätze zu seiner neuen Sprechselbstverständlichkeit zu machen. Aber es ist eine Investition um besser verstanden, gehört und wahrgenommen zu werden. Und wollen wir das nicht alle?!

Also, wer glaubt, dass er was zu sagen hat, dem kann ich nur empfehlen mal den Vocalcoach seines Vertrauens zu besuchen. Und wer da noch zögerlich ist: Leila arbeitet gerade mit ihrem Freund an einer App rund um das Thema Sprechen und Sprechübungen. Das wäre vielleicht ein guter Anfang.

Titelfoto: Thomas Magdalinski

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