Rose KurzgeschichteSexismus, Diskriminierung und Dummheit – drei Dinge, die der Bloggerin und Social Media Managerin Teresa Bücker mächtig gegen den Strich gehen. Sie entwirft Modelle für eine Zukunft, in der emanzipierte Frauen ihren Alltag selbst bestimmen können. Die Aufzeichnungen ihrer Monologe führte ihre digitale Kollegin Annina Luzie Schmid.

#Aufschrei hat das Schweigen über Belästigung, Sexismus und Gewalt in einer neuen Dimension gebrochen. Die Debatte ist ein Anfang.

Der #Aufschrei war überfällig. Er hat die Solidarität unter Frauen, aber auch von Männern mit Frauen gestärkt. Viele haben das erste Mal darüber gesprochen, was ihnen widerfahren ist, andere haben ihr eigenes Verhalten reflektiert. Wir müssen zuhören lernen.

Für viele Männer war neu, in welchem Ausmaß Frauen sexueller Belästigung ausgesetzt sind. Ich verstehe nicht, warum sich viele Männer pauschal angegriffen fühlten. Ich würde mir bei ähnlichen Debatten in Zukunft mehr Ruhe und Selbstreflexion wünschen.

So gesehen ist der #Aufschrei eine Weiterführung von feministischen Debatten, die es schon lange gibt. Von den Medien würde ich mir wünschen, dass sie die angerissenen Themen auch künftig ernsthaft verfolgen. Anlässe gibt es täglich. Hoffentlich bleiben Geschlechtergerechtigkeit und Freiheit zentrale Themen.

Wenn ich mich stärker fühle, muss ich das den Schwächeren ins Gesicht reiben? Wer sich mit #Aufschrei auseinandergesetzt und dazu Gespräche geführt hat, hat etwas mitgenommen. Das kann eine Gesellschaft verändern. In meinen Augen ist Gleichberechtigung ein Verfassungsauftrag, kein Luxusproblem.

Pressefoto Teresa Bücker(1)Die Innovation in der Arbeitswelt hinkt hinter technologischer Innovation hinterher. Wo bleiben unsere Ideen?

In Deutschland scheuen wir Experimente und trauen unseren Arbeitnehmer_ innen nicht. Warum reden wir nicht häufiger darüber, wie wir arbeiten wollen?

Ich mag die Bezeichnung Gleichstellung nicht, da sie nahe legt, Frauen sollten so wie Männer werden und dann sei alles gut. Wenn Weiblichkeit im Beruf grundsätzlich ein Nachteil ist, weil jemand anders agiert oder verhandelt, dann stimmt etwas nicht. Differenzen wertschätzen, um die Vielfalt dann zu nutzen – das könnte eine Lösung sein. Dabei sind formale Abschlüsse keine Talente. Unternehmen sollten sich ihren Angestellten mit Neugierde an deren Person nähern.

Was die Frauenquote betrifft: Ich habe angefangen zu arbeiten und gesehen wie der Hase läuft. Menschen ziehen nun einmal Menschen nach, die ihnen ähnlich sind. Typisch männliche Eigenschaften gelten als Führungsqualitäten. Mich wundert, dass die Männer sich nicht langweilen in ihren homogenen Gruppen. Die Innovationsforschung zeigt zudem, dass vielfältige Teams besser arbeiten. Die ökonomischen Argumente sind also auch klar auf Seite der Quote.

Was ich noch nicht weiß, ist, warum Frauen gewerkschaftlich schlechter organisiert sind als Männer. Möglicherweise auch wegen der familiären Doppelbelastung. Parteiübergreifende Bündnisse sind gerade im Feminismus wichtig. Wenn ich nur darauf warte, dass sich etwas ändert, ändert sich doch nichts.

Mein idealer Arbeitsplatz bietet Raum für Experimente, flache Hierarchien und dynamische Führungsrollen. Wertschätzung, aktive Personalentwicklung, Vertrauen, Vielfalt und Input von Außen sind ebenfalls entscheidend dafür, dass Organisationen in Bewegung bleiben.

Ich habe ein positives Menschenbild und glaube, dass Viele etwas zu unserer Gesellschaft beitragen wollen und dass es dafür auch diverse Möglichkeiten gibt. Wir müssen uns überlegen, wie wir allen Zugang zu entlohnter Beschäftigung bieten – und damit meine ich auch Hausarbeit und Kindererziehung. Kulturarbeit und politisches Engagement muss ebenfalls möglich sein, sonst verarmt eine Gesellschaft.

Feste Rollen kann es nicht geben, denn Menschen wandeln sich. Paare/Familien entscheiden gemeinsam.

Ich mache mir über meine eigene Karriere nicht allzu viele Gedanken. Ich weiß nicht, wo ich in fünf Jahren sein will, kann ich vielleicht auch gar nicht, denn im Bereich Internet, Politik und Medien wandelt sich alles viel zu schnell. Ich bleibe neugierig. Generell arbeite ich zuviel und vermisse manchmal Zeit für Freund_ innen, meine Familie und meinen Mann. Wo ich ein Kind unterkriegen soll bei all dem? Ich weiß es wirklich nicht.

Dafür, dass Finanzen in dieser Frage nicht ausschlaggebend sein werden, müssen wir politisch kämpfen. Männer müssen ohne Risiko in Elternzeit gehen dürfen. Und beide Geschlechter müssen sich fragen, was sie wirklich wollen. Warum sollte ein Mann überhaupt ein Kind wollen, wenn er nicht bereit ist, dafür länger zuhause zu bleiben?

Ich glaube, viele Menschen haben es natürlich in sich, für andere da sein zu wollen. Ich sage immer von mir, ich habe einfach viel mehr Liebe in mir, als sie nur einem Menschen zu widmen. Das, was nach meinem Mann noch übrig bleibt, können also andere bekommen, z.B. auch Kinder. Ich glaube, man verpasst nur etwas, wenn man sein Leben nicht mit anderen teilen möchte.

Der Feminismus, den ich für mich gewählt habe, zielt auf weibliche Freiheit ab. Die kann eine Frau auch empfinden, wenn sie sich bewusst für ein Leben als Hausfrau und Mutter entscheidet und das später nicht bereuen muss, weil sie keine Aufgabe hat oder eine zu niedrige Rente. Familienpolitik sollte Frauen und Männern Freiheit ermöglichen, und dies gerecht. Es ist auf jeden Fall nicht gerecht und nicht fortschrittlich verheiratete Paare besser zu stellen und gleichgeschlechtliche Paare zu diskriminieren. Das ist weder logisch noch human.

Ich bewundere Menschen am meisten, die ihrem Herz und ihrem Bauch folgen, auch wenn sie das von einem klassischen beruflichen Aufstieg fernhält. Wichtig finde ich auch, unabhängig zu bleiben. Mich inspirieren daher vor allem Schriftsteller_ innen, die jahrelang unter prekären Bedingungen schreiben, um vielleicht irgendwann einmal Erfolg zu haben.

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