Rose Essen FoodAnna Maria Wild hat einfach gemacht, wovon so viele träumen. Das eigene Café. Liebevoll eingerichtet nach den ganz eigenen Vorstellungen. Dann fing sie an zu backen. Und die Berliner kamen in Strömen. Heute sieht man nicht selten kleine Gruppen von Japanerinnen auf der Suche nach Annas bezauberndem Café um das Kottbusser Tor streunen.
Anna, beschreibe doch mal deinen Job in ein paar Worten.

Ich habe 2010 ein kleines Café in Kreuzberg eröffnet. Meine Arbeit ist vielfältig: Service und Backen sind nur ein kleiner Teil meines Alltags. Ich kaufe ein und mache Bestellungen, kümmere mich um Reparaturen, Weiterentwicklungen, Geschäftskontakte, Kundenanfragen, Dienstpläne und natürlich ist auch die finanzielle Organisation in meinen Händen. Und jetzt hab ich bestimmt noch fünf Sachen mindestens vergessen.

Masterplan?!
Den gab es absolut!

annawild_web

Anna Maria Wild bei der Arbeit. Foto: © Sascha Krickle

Hattest du einen Masterplan dafür, wie du etwas, was du leidenschaftlich gerne machst zu Geld machen kannst oder ist das einfach passiert?

Ich habe schon immer davon geträumt, einen eigenen Laden zu haben und mich deshalb nach dem Abitur für ein Wirtschaftsstudium entschieden. Es war also gar nicht unbedingt das Backen, sondern das Aufbauen eines eigenen Geschäfts, das die Leidenschaft war. Das Backen habe ich aus meinem familiären Hintergrund einfach „gehabt“. Zurück zum Masterplan: doch, doch! Den gab es absolut! Ich habe spätestens mit Beginn des Studiums an meinen Plänen gefeilt. Ich versuche eigentlich immer erstmal, das zu tun, was ich am liebsten tun würde. Und wenn das schiefgeht, kann ich immer noch was anderes machen. Warum nicht also vor allem beruflich Träume verwirklichen? Dazu braucht es meiner Meinung nach einen Plan. Sonst geht es vielleicht aus unnötigen, doofen Gründen hops, und wie schade wäre das!

Wie lange hat es gedauert bis du das Gefühl hattest „jetzt funktioniert es, ich kann davon leben“?

Och, das ging entweder schnell oder ich warte immer noch drauf, kommt drauf an, wie man´s sehen will. Ich hatte zum Start keinerlei Erwartungen, war also vom schnellen Erfolg völlig überrumpelt. Ich hatte dann allerdings zum dritten Geburtstag das Ziel, dass ich mein Privatleben wieder etwas genießen kann. Das hat gut geklappt, ich habe ein großartiges Team und wir haben Strukturen geschaffen, die im Alltag Routine (endlich!) bringen. Das gibt mir viel Freiheit und ich kann mich um Dinge kümmern, die den Laden voranbringen oder meine Freunde wieder öfter sehen. Einen Nebenjob habe ich nie gebraucht, seit der Laden offen ist, aber reich bin ich noch nicht.

Wir gehen auch der Frage nach, ob es überhaupt gut ist, Leidenschaft zu Geld zu machen oder ob es nicht besser ist, Leidenschaft Leidenschaft sein zu lassen. Was hast du diesbezüglich für Gedanken?

Hast du es vielleicht sogar mal bereut nicht mehr nur zum Spaß zu backen? In der Tat backe ich zu Hause nicht mehr so viel, was aber an fehlender Zeit liegt. Ich hab‘s nie bereut, ich liebe mein Leben, ich bin sehr glücklich. Ich empfehle es jedem, der bereit ist, über mehrere Jahre sein Leben komplett einer Sache zu verschreiben. Was allerdings manchmal nervt, ist, dass die Kreativität im Privatleben echt leidet. Auch das ist ein Zeitproblem, glaube ich. Als Studentin hatte ich echt mehr Zeit.

Fräulein Wild findet ihr in der Dresdener Straße 13 in Berlin-Kreuzberg.
Geöffnet: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 20.00 Uhr.

Was meinst Du dazu?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Go top