Rose KurzgeschichteChristiane Weihe empört sich über eine fragwürdige Werbekampagne.

Liebe Jungs,

ich kann mir vorstellen, wie hart das ist. Gleich beim ersten Schülerpraktikum diese Aufgabe: Plakate für Tequila entwerfen. Partystimmung vermitteln und so. Klang nach einem coolen Job, oder? Aber nachdem ihr dann stundenlang im Konferenzraum mit den schwarzen Ledersesseln gechillt habt, habt ihr gemerkt: gar nicht so einfach. Noch nie eine Freundin (liegt’s an der blöden Zahnspange?), doch für eine bundesweite Plakatkampagne soll euch was einfallen, das „irgendwie sexy“ ist. Und das Zeug, für das ihr das alles macht, dürft ihr noch nicht mal selbst trinken.

Oder habt ihr dann heimlich zugegriffen? Vielleicht habt ihr bei der Gestaltung der Anzeige auch einfach nur an das erste Mal gedacht, als ihr das Wort Dosenöffner in diesem anderen Kontext gehört habt. Heißt: Mit einer anderen Bedeutung. Erst habt ihr es gar nicht verstanden. Aber dann, kicher. In der Gruppe habt ihr sogar den Mut gefunden, es mal laut auf dem Schulhof rauszukrakeelen. Seitdem war das irgendwie witzig. Doch so richtig nah seid ihr den Mädels noch nie gekommen, oder? Ich meine nicht nur körperlich. Sondern auch intellektuell, also dass ihr mal wirklich mit denen geredet hättet? Dann verstehe ich wirklich gut, dass euch dieses Missgeschick passiert ist. Also nix für ungut. Aber wenn ihr endlich mal an eine von den Schnitten ranwollt, lasst mich euch einen wichtigen Tipp geben: Dosenöffner ist ein Wort, das Männer jeden Alters nur als Bezeichnung für ein Kücheninstrument benutzen sollten.

dosenöffner_web

Was es mit Sexismus und Chauvinismus auf sich hat und wie weit die andere Bedeutung des Wortes  Dosenöffner reicht, haben euch die verantwortlichen Marketinghengste wahrscheinlich nicht erklärt. Waren die morgens noch nicht wieder nüchtern und nachmittags schon wieder betrunken von ihrem eigenen Stoff? Und haben euren Entwurf deswegen aus Versehen durchgewunken? Ich habe ja mal gehört, dass bei übermäßigem Alkoholkonsum das Gehirn schrumpft. Nur so ein Gedanke. Deswegen erkläre ich es euch einfach noch mal: Damit kann unter anderem gemeint sein, eine Frau durch Alkohol gefügig zu machen. Dafür zu sorgen, dass sie die Kontrolle verliert. Es gibt übrigens auch Männer, die so etwas mit Drogen erreichen wollen. Wusstet ihr eigentlich, dass in Deutschland fast jede siebte Frau von sexueller Gewalt betroffen ist? Ihr versteht doch sicher, dass vor diesem Hintergrund eure Plakate keine wirklich gute Idee waren?

Wie wär’s beim nächsten Mal mit einem Schülerpraktikum bei der Frauenbeauftragten eurer Kommune? Ich bin mir sicher, da könnt ihr eine Menge fürs Leben lernen. Und dafür, wie ihr in ein paar Jahren mit eurer ersten Freundin umgeht, natürlich auch.

Herzlich,
Christiane Weihe

Titelfoto: privat.

1 Kommentar

  1. Robert Antworten 30. August 2014 at 23:58

    Man regt sich über Sexismus via Sexismus auf?

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