Rose WerkzeugWachstum scheint für Unternehmen ein Muss zu sein. Doch für die meisten kleinen und mittelständischen Unternehmen ist es ganz normal, nicht zu wachsen. Diesen Beitrag haben wir aus dem Online-Angebot von Good Impact übernommen.

Von Tasnim Rödder

Fortschritt, Weiterentwicklung, Wachstum – sie liegen in der menschlichen Natur, sind unabkömmlich. Dass die Wirtschaft auch unbedingt und stetig wachsen muss, diese Überzeugung wird auch nach der Wirtschafts- und Finanzkrise vehement vertreten – und es werden ununterbrochen Wege gesucht, um größer, schneller, mehr zu werden.

Was in der öffentlichen Diskussion dabei oft übersehen wird: Für die überwiegende Anzahl an kleinen und mittelständischen Unternehmen ist es ganz normal, kaum oder gar nicht zu wachsen. Und sie sind ganz zufrieden damit.

Alternative Unternehmensstrategien

Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) hat nun in einer Studie gezeigt, dass Wachstum nicht für jedes Unternehmen die oberste Maxime ist. Im Rahmen des Forschungsprojekt „Postwachstumspioniere“ entstand eine Broschüre, in der 11 mittelständische, wachstumsneutrale Unternehmen vorgestellt werden:

  • Brauerei Clemens Härle KG ein Familienbetrieb in der vierten Generation produziert traditionellen und nur regional genießbares Bier im malerischen Allgäu.
  • Wupatki, der standhafte, kleine Spielzeugladen in der Rostocker Innenstadt, bewahrt trotz zahlreicher benachbarter Ladenketten seine Einzigartigkeit, auch ohne Onlineshop.
  • Die Möbelmacher GmbH ist eine ökologische Schreinerei in Bayern, die seit 1988 mit ihren 15 Angestellten Möbel ausschließlich aus regionalen Holz fertigt.
  • Carl Klostermann und Söhne GmbH & Co. KGein Familienunternehmen in Wuppertal, das als einziger Betrieb in der ehemaligen Hochburg des Bandwebe- und flechtgewerbe überlebt hat und noch heute regionale Textilien herstellt.
  • Die Blumenschule im bayrischen Schongau begreift sich als „Demonstrationsbetrieb ökologischen Landbaus“ und vermittelt bei zahlreichen Workshops und anderen Veranstaltungen Wissen mit und über alte Pflanzenarten. b.r.m. business resource management, ein regionaler IT-Dienstleister in Hamburg, der seine Priorität auf Qualität statt Wachstum legt und so seine Kunden Verlässlichkeit garantieren kann.
  • SERI* Nachhaltigkeitsforschung- und Kommunikation GmbH berät mit 15 Mitarbeitern internationale Organisationen, Unternehmen und NGOs im Bereich nachhaltiger Unternehmenstrukturen.
  • Die Richard Henkel GmbH in Baden- Württemberg ist auf die Produktion von Stahlrohrmöbeln und Oberflächentechnik spezialisiert. Lange fertigte das Unternehmen an ihrer Kapazitätsgrenze – zu Lasten der Qualität, bis sich Susanne Henkel für einen Wachstumsstopp entschied Oktoberdruck AG stellt jegliche Druckerzeugnisse her. Seit 1973 erprobt sich das berlinerische Alternativunternehmen darin ökologisch, sozial und fair zu wirtschaften und berät auch andere Unternehmen in diesem Bereich.
  • Neumarkter Lammsbräu, 1628 gegründet, produziert die Oberpfalzer Brauerei seit 30 Jahren Bio-Bier und andere Erfrischungsgetränke aus 100 % ökologisch zertifizierten Rohstoffen.
  • Netzkauf EWS eG, ein regionaler Energieversorger, der aus der Schönauer Anti-Atom-Bewegung „Stromrebellen“ entstanden ist und heute 150 000 Kunden mit grünem Strom versorgt.

 

Wer den Wachstumszwang nur aus der Zeitung kennt, kann schnell meinen, es gebe keine Alternative zu ihm. Wer sich die Wirtschaft aber etwas genauer anschaut, merkt, dass es ihn oft gar nicht gibt.

 

Titelfoto: © Buddhike de Silva, Work. Via: https://flic.kr/p/8jbsEX is licensed under a Creative Commons license CC BY 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

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