Rose_HummerSusanna Glitscher mochte gutes Essen schon, ehe es cool wurde, gutes Essen zu mögen. Heute arbeitet sie als Expertin für Food-PR und Events in Berlin. Ein Gespräch über gutes Essen, Hypes und soziale Verantwortung.

 

 

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Susanna Glitscher (Foto: Nikolaus Kim)

Susanna, Du hast bereits für verschiedene Food Start-Ups gearbeitet und vergangenes Jahr mit Bonafide Broth auch ein eigenes temporäres kulinarisches Projekt gelauncht. Was machst du gerade?

Gerade hatte ich eine Woche Urlaub in New York. Jetzt fange ich an für die Berlin Food Week zu arbeiten, die im Oktober wieder stattfindet.

Wie bist du ursprünglich zum Thema Food gekommen?

Während meines Studiums der Kulturwissenschaften hab ich mich viel mit Gastrosophie befasst. Das fand ich spannend, die Verbindung von Kunst, Literatur und Essen. Aber eigentlich ging es schon viel früher los: In meiner Familie wurde immer wahnsinnig viel und gerne gekocht, meinen Eltern war es wichtig woher Lebensmitteln kommen und was auf den Tisch kommt. Mit meinem Vater hab ich schon früh gemeinsam am Herd gestanden und die Besuche auf dem Wochenmarkt mit meiner Mutter hab ich geliebt.

Dir wurde guter Geschmack sozusagen in die Wiege gelegt… wann hattest du denn deinen ersten Job, der mit Essen zu tun hatte?

Abgesehen von den üblichen Kellner-Jobs hab ich 2009 angefangen bei einem Catering-Unternehmen in Berlin-Wedding zu arbeiten. Die haben ausschließlich mit regionalen Bio-Erzeugern gearbeitet. Ich hab da das Event-Management gemacht. Das Beste war es aber nach Feierabend mit den Köchen in der Küche zu stehen, die Reste aufzuessen und Wein zu trinken.

Wie würdest du eigentlich die Berliner Food-Szene beschreiben, was charakterisiert die?

Sie ist relativ offen, nicht so exklusiv, du findest leicht Zugang. Wenn du mit guten Produkten arbeitest und handwerklich was kannst, kannst du jeden überzeugen und mitmachen.

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Coffee Break (Foto: Nikolaus Kim)

Wie erklärst du dir eigentlich den Hype rund um das Thema Food, den es seit etwa fünf Jahren in Berlin gibt?

Ich glaube der kam auch ganz stark von außen. Leute, die in anderen Städten gelebt und Ideen und Bedürfnisse mitgebracht haben. Berliner brauchen das auch, diesen Input von außen. Die Stadt ist langsam und verschlafen, besonnen auf Traditionen. Ich darf das sagen, ich bin Berlinerin 🙂

Glaubst du, dass der Hype nachhaltig ist und irgendetwas davon bleibt?

Wer einmal gutes Essen probiert hat, geht nicht mehr zurück. Ich glaube deshalb, dass vieles bleiben wird. Auch wenn es natürlich eine Geldfrage ist. Nicht jeder kann es sich leisten, sein Fleisch in der Markthalle Neun zu kaufen, aber wer es einmal probiert hat, isst vielleicht dann häufiger vegetarisch und leistet sich seltener aber dafür gutes Fleisch.

Stichwort „Kann sich nicht jeder leisten“. Noch sind es ja die Jungen, Reichen, Gebildeten, die den Food-Hype befeuern und nutzen. Dabei müsste man in ganz anderen gesellschaftlichen Milieus ansetzen, um den nötigen Wandel in der Ernährung zu beflügeln. Glaubst du die Berliner Food-Szene hat dafür ein Bewusstsein?

Mir persönlich ist das sehr wichtig. Mich macht es traurig, wenn ich sehe, wie Kinder in der U-Bahn mit einer Döner-Box als Abendessen gefüttert werden. Über andere will ich nicht konkret urteilen. Generell glaube ich, dass es beides gibt. Für viele ist das gar kein Thema. Aber es gibt auch Leute, die sich da sehr stark engagieren wie beispielsweise Hendrik Haase, der auch viel öffentlich über das Thema spricht.

Was war eigentlich beste Essen deines Lebens?

Ich hatte das Glück dass die Berliner Köche Kristof Mulack und Emil Torp für mich gekocht haben. Beides total tolle Typen und Köche, die sich viele Gedanken über Zutaten und Kompositionen machen. Deren Essen ist fast ein Kunstwerk.

Und der beste Drink?

Da sag ich jetzt was ganz kitschiges. Ich war vor anderthalb Jahren über Weihnachten in Mexico. Das Bier abends am Strand zusammen mit frischem Red Snapper.

Hast du ein Lieblingsrestaurant in Berlin?

Aus nostalgischen Gründen die Osteria No. 1. Da war ich früher mit meinen Eltern immer. Ein klassischer Westberliner Italiener mit weißen Tischdecken und Sommergarten. Aktuell aber vermutlich das Industry Standard in Neukölln – das kannst du dir aber leider nicht jede Woche leisten.

Was werden denn die nächsten großen Trends beim Thema Food?

Kombucha, war zwar schon mal ein wenig da, kommt aber gerade wieder. Dann Drink-Begleitungen zum Essen. Also passende Cocktails für jeden Gang. Naturwein wird ein großes Thema. Oh, und Donuts! In New York gibt‘s jetzt Donuts mit Matcha. Das kommt bestimmt auch hierher. Die sind bunt und fotogen, das ist schon mal wichtig für Trends, dass sie auf Instagram funktionieren.

Wie viele deiner Essen fotografierst du denn?

Privat ist mir das eigentlich unangenehm. Ich mach das nur, wenn ich auf Recherche bin 🙂

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(Foto: Nikolaus Kim)

2 Kommentare

  1. Leon Antworten 19. April 2016 at 20:51

    Sehr coole Restaurantempfehlung mit dem Industry-Standard. Ich kann noch das Herz & Niere empfehlen.

    Wir brauen übrigens mit http://fairment.de den ersten Bio-Kombucha im Handel in Berlin 🙂

    Probiotische Grüße!

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