Rose_LyrikGibt es das perfekte Restaurant? Das ist natürlich eine sehr subjektive Frage. Aber unser Autor glaubt etwas in der Art gefunden zu haben.

Als es kulinarisch eigentlich eh schon um mich geschehen war, gab es als Begleitung zum Dessert, der eine kalte Birnensuppe mit Joghurtwürfel war, einen Tomatenlikör – gemacht aus 72 verschiedenen Tomatensorten. In dem Moment befand sich das Paradies also in der Pariser Rue du Cotte, unweit des wundervollen wuseligen Marché d’Aligre – im Restaurant Tondo.

In den vorhergehenden zwei Stunden hat der aus Sardinien stammende 29-jährige Koch und Namensgeber des Restaurants, Simone Tondo, in der Küche mit viel Seele und Präzision ein Menü gekocht, das zum besten gehörte, was ich je essen durfte.

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Dennoch wäre es falsch jetzt hier sofort und ausschließlich auf den Aspekt Kochen einzugehen. Denn das im Juni neu eröffnete Tondo lebt von einem schwer in Worte zu fassenden Spirit, der einem in jeder Sekunde zeigt, dass hier wirklich alle Beteiligten mit maximalen Spaß und größter Leidenschaft dabei sind, etwas großes aufzubauen. Es ist ein Erlebnis für alle Sinne.

Neben Simone Tondo zählen Martin Ho und Jos Kjer, die für Service und Wein zuständig sind, zum Herz des Restaurants. Jos Kjer war vor der Eröffnung des Tondo Sommelier im legendären Le Chateaubriand. Das Zusammenspiel der drei ist wunderbar. Denn im Tondo stimmt einfach alles. Und das in dem atemberaubenden Ambiente eines der wenigen in der Stadt erhaltenen Art Deco Restaurants, das vom Architekten Marcelo Joulia so treffsicher in eine zeitgemäßen Ort verwandelt wurde, dass ich hier gerne einziehen würde.

Simone Tondo hat, bevor er nun sein eigenes Restaurant eröffnete, in Paris im Rino und im Roseval gekocht. Wer sich ein wenig mit der Pariser Foodszene auskennt, der weiß, dass beide mittlerweile geschlossenen Läden zu den Top Locations der bald zehn Jahre alten Bistronomie Bewegung gehörten. Also der Revolution der Pariser Gastronomie. Entsprechend orientiert sich Tondo natürlich an dem Stil dieser Bewegung, schafft es aber dem Ganzen einen klitzekleinen italienischen Anstrich zu geben. Etwa als in der Mitte des Menüs ein kleiner Teller mit Plin serviert wurde, die der aus dem Piemont stammende Sous-Chef zubereitet hat. Plin sind gefüllte Nudeln, in etwa sowas wie Ravioli. Der Teig dieser Plin, ihre gesamte Textur und der Geschmack waren von einer beinahe irritierenden Perfektion.

Unbedingt soll aber hier noch die Weinbegleitung herausgestellt werden. Denn die schaute so treffsicher über das Thema Wein hinaus und harmonierte perfekt mit dem Essen. Etwa mit dem bereits erwähnten Tomatenlikör oder einem Sherry der Equipo Navazos (einer Gruppe, die alte Sherryfässer birgt und auf den Markt bringt). Dazu eine spannende Auswahl an Naturweinen und vorweg ein Bier von der schottischen Black Isle Brewing Company.

Tja, es scheint als habe ich für mich so etwas wie das perfekte Restaurant gefunden. Das einzige Problem? Zwischen mir und dem Tondo liegen in der Regel etwa 1.200 Kilometer. Hmpf….

Alle Fotos: MICKAËL A. BANDASSAK

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