Rose DrinksMezcal – der mexikanische High-End Craftspirit ist nach London und Barcelona gerade dabei Berlin zu erobern. Der Bartender Roger Breitenegger und der Mexikaner Christian Schrader sind daran nicht ganz unschuldig.

Ein Gläschen Mezcal hab ich in den vergangenen Jahren immer mal wieder getrunken. Aber meine erste eigene Flasche hab ich mir erst in diesem Januar gekauft. Und gleich wieder verschenkt. Es war ein nasser und kalter Berliner Abend, ich saß mit einer Freundin im Auto irgendwo auf der Sonnenallee, zwischen uns der Mezcal. Wir tranken aus der Flasche, im Hintergrund murmelte Matt Berninger irgendwas von Bloodbuzz und nach dem zweiten Schluck stabilisierte der Mezcal unsere Lebenslagen deutlich. Damit bestätigte sich eine mexikanische Weisheit: Mezcal ist gut für alles im Leben. Du hast Grippe? Trink Mezcal. Du bist glücklich? Trink Mezcal. Du hast Sorgen? Trink Mezcal.

Mezcal: Handgemachte Tradition, klandestines Design. (Photo: Florencia Morán)

Mezcal: Handgemachte Tradition, klandestines Design. (Photo: Florencia Morán)

Meine eigene Mezcal Geschichte gibt irgendwie auch den Ton für das vor, was Mezcal ausmacht. Es ist ein Getränk voller Geschichten, es kommt mit einer Story, die kulturelle Identität, Tradition und Zeitgeist so selbstverständlich verbindet, dass es kein Wunder ist, dass der Schnaps vor allem in der Foodie-Szene beliebt ist. Authentizität und Handwerk sind dort die wichtigste Währung. Der rohe, klandestin wirkende Style, in dem Mezcal Flaschen häufig gestaltet sind, schadet der Sache bestimmt auch nicht.

Ein Getränk zum Küssen

Eine Art Underground Botschafter des Mezcal ist der gebürtige Mexikaner Christian Schrader. Unter dem Label Agavera tourt er an den Wochenenden mit einem Fahrrad samt mobiler Bar durch Berlin. Zu Food-Festivals, Märkten, Ausstellungen, privaten Tastings. Mit dabei hat er eine exklusive Auswahl verschiedener mexikanischer Mezcal und eine Mission: Mexikanische Kultur und Identität nach Berlin bringen. Jenseits von Sierra Tequila und kulinarischem Tex-Mex-Quatsch mit Guacamole aus der Tube. Wenn man Christian dabei zuhört, wie er über Mezcal spricht, kommt man auf den Gedanken, dass in seinen Adern anstatt Blut der Agaven-Schnaps fließt. Beeindruckendes Wissen um Produkte und Produktion paaren sich mit aufgekratzter Leidenschaft. Auf die Frage, wie man Mezcal am besten trinken sollte sagt er: „In vielen kleinen Schlucken. So als ob du ihm ganz oft kleine Küsse gibst.“

Christian Schrader: "Mezcal muss du küssen." (Photo: Florencia Moran)

Christian Schrader: „Mezcal muss du küssen.“ (Photo: Florencia Moran)

Die Leidenschaft für Mezcal teilt Christian Schrader mit dem Bartender Roger Breitenegger. Roger betreibt in der Oranienburgerstraße eine Pop-Up Bar, deren Thema alle paar Monate wechselt. In den vergangenen Wochen trug die Bar den Namen TU SALUD und widmete sich ausschließlich Craft Beer und Mezcal. Für Roger ist der gerade startende Hype um Mezcal kein Wunder. „Mezcal ist ein maximales Craft Produkt – es passt perfekt zum Zeitgeist.“, sagt er. Mezcal wird mehrheitlich handwerklich von vielen kleinen Familienbetrieben hergestellt. Es ist ein komplett natürliches Produkt. Und es lässt sich perfekt mit Craft Beer kombinieren, da es noch für jede Braumethode einen passenden Mezcal gibt, so Roger.

Bartender Roger Breitenegger schätzt den Craftsspirit für seine Vielfalt. (Photo: Florencia Moran)

Bartender Roger Breitenegger schätzt den Craftsspirit für seine Vielfalt. (Photo: Florencia Moran)

Was Christian und Roger ebenfalls am Mezcal begeistert ist – bei aller Konkurrenz – der Zusammenhalt der Mezcal Produzenten. Das bestätigt auch eine Szene mit Gernot Allnoch, Ambassador von San Cosme Mezcal, der bekanntesten Mezcal Marke momentan. Am Ende unserer Magazin Launch Party, die San Cosme freundlicherweise unterstützte, gibt mir Gernot einen eindringlichen Rat mit auf den Weg: „Auch wenn ich für San Cosme arbeite, tu mir einen gefallen, probier so viel Mezcal wie es geht, da kannst du so viel erleben.“ Wer in Mezcal macht, versteht sich offenbar als Botschafter einer Kulturguts und nicht bloß einer Marke. Eine angenehme Erfahrung.

Mezcal braucht Zeit und hat seinen Preis

Mezcal wird aus dem Herzen der Agave hergestellt. Bevor das möglich ist, brauchen die Produzenten Geduld. Das Agavenherz kann genutzt werden, bevor die Pflanze ihre einmalige Blüte erreicht. Dieser Zeitpunkt kommt nach sechs bis zehn Lebensjahren. In diesen Jahren bestimmen Lage und Witterung in hohem Maße den Charakter des künftigen Mezcal. Die geernteten und bis zu 100 Kilogramm schweren Herzen werden gekocht und zu Brei geschlagen. Für das Kochen werden traditionell Gruben im Boden mit heißen Lavasteinen ausgelegt. Während seiner Zeit in der Grube, nimmt die Agave die Aromen des Bodens auf und der Mezcal erhält seine charakteristische rauchige Note. Mit einem Mühlstein werden die Herzen dann zermalmt. Anschließend folgen eine Fermentierung mit Hefe und zwei Destillierungen. Danach kann bereits die Abfüllung in Flaschen beginnen, es sei denn, der Mezcal soll in Fässern gelagert werden und reifen.

Mezcal Botschafter: Christian Schrader und Roger Breitenegger. (Photo: Florencia Morán)

Mezcal Botschafter: Christian Schrader und Roger Breitenegger. (Photo: Florencia Morán)

Guten Mezcal erkennt man an einem Alkoholgehalt zwischen 45 und 55 Volumenprozent. In diesem Spektrum hat man es mit einem reinen Produkt voller spannender Aromen zu tun. Oft ist er rauchig, manchmal hat er eine sanfte süße Note, die den Charakter der Agave transportiert und er schmeckt immer irgendwie „rein“. Weshalb man ihn vor allem pur genießen sollte, um alle Nuancen mitzuschneiden. Guter Mezcal hat seinen Preis. Das liegt an der aufwendigen Produktionsmethode, den kleinen Produktionsmengen und dem weiten Weg von Mexico nach Deutschland. Eine gute Flasche Mezcal kostet leicht zwischen 40 und 50 Euro. Sie ist aber jeden Cent wert und, wie wir gelernt haben, ein guter Begleiter in jeder Lebenslage.

Wer in die Mezcal Welt eintauchen will, der sollte unbedingt am 28. August zur Abschieds-Party in Rogers Bar TU SALUD gehen und sich durch die verschiedenen Mezcal Sorten küssen. Wer den Termin verpasst, der folgt am besten Agavera auf Facebook und weiß, wo in der Stadt das nächste mal das Herz der Agave schlägt und darauf wartet von dir liebkost zu werden.

Cheers!

Christian Schrader tourt unter dem Namen Agavera durch Berlin. (Photo: Florencia Moran)

Christian Schrader tourt unter dem Namen Agavera durch Berlin. (Photo: Florencia Morán)

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