Rose HummerIn diesen Tagen erreicht ein neuer Leckerbissen Europa: Die Lobster Roll hat sich auf den Weg von der amerikanischen Ostküste nach Paris und Berlin gemacht. Auf den Spuren eines Trends…

OK, es gibt bestimmt Leute, die noch nie von einer Lobster Roll gehört haben. Deshalb zur Einführung: Eine Lobster Roll ist ein mit Hummerfleisch gefülltes Sandwich – sie gleicht irgendwie einem Hot Dog. Aber irgendwie natürlich auch überhaupt nicht.

In Maine, dort wo die andere Seite des Atlantik verführerisch und rau ist, ist die Lobster Roll so selbstverständlich wie ein Döner in Berlin. Das mag jetzt seltsam klingen, weil Hummer in Deutschland als exklusives und hochpreisiges High-End Food bekannt sind. An der nordamerikanischen Atlantikküste gibt es allerdings so viel Hummer, dass er dort beinahe zum Grundnahrungsmittel gehört. Gekochte und gegrillte Hummer oder eben Lobster Rolls kauft man dort in der Regel am Straßenrand in irgendwelchen Holzhütten. Serviert wird das alles gerne auf Pappe oder Plastik zusammen mit einer Büchse Bier. So einfach geht lecker.

Photo: (CC BY-NC 2.0) https://www.flickr.com/photos/wck/

Stilvoller Snack, die Lobster Roll. Photo: (CC BY-NC 2.0) https://www.flickr.com/photos/wck/

Lecker und einfach – aber nicht ganz moralisch

Damit ist auch schon erzählt, was die Lobster Roll so wunderbar macht. Sie ist extrem lecker und gleichzeitig total hemdsärmelig. Ihr einziger Nachteil: Hummer sind extrem faszinierende und kluge Tiere und in ihrer gesamten Erscheinung einfach sehr liebenswert, was zumindest bei mir dazu führt, dass ein moralisches Bauchgrimmen den Hummer-Genuss dann doch zu einer sehr seltenen Angelegenheit macht.

Dennoch stelle ich zu meiner Freude fest, dass es die Lobster Roll in den vergangenen Monaten geschafft hat, in Europa zu landen. In Berlin kann man seit einigen Wochen immer Sonntags in der Bar Bourbon Dogs Lobster Rolls essen. Und in Paris stehen die Sandwiches schon seit einiger Zeit auf der Karte des Frenchie To Go oder seit kurzem im Restaurant „Les Pinces“, wo man den Hummern im Keller gleich ein eigenes großes Salzwasserbecken geschaffen hat.

 

Straßenszene in Maine. Foto: Christiane Weihe

Straßenszene in Maine. Foto: Christiane Weihe

 

Ein Grund für das Aufkommen der Lobster Roll in Europa könnte unter anderem darin liegen, dass Nordamerikanische Hummer in den vergangenen Jahren einen extremen Preisverfall erlebt haben. Von 5,50 Dollar/Pfund im Jahr 2004 auf 3,50 Dollar/Pfund 2012. Warme Winter haben dazu geführt, dass in Maine und vor der kanadischen Küste die Hummer-Population deutlich zugenommen hat, weil Hummer im warmen Wasser aktiver sind. Es gab quasi ein Überangebot. Gut für den Konsumenten. Schlecht allerdings für die Hummer-Fischer, die trotz mehr Masse weniger Einkommen hatten.

Kalter Winter = weniger Lobster =
Höhere Preise

Problematisch ist bloß, dass der vergangene Winter in Nordamerika extrem lang und  kalt war. Die Hummer-Population ging folglich deutlich zurück. Zudem verzögerte sich durch die Kälte das Wachstum der Hummer, deren Fang erst ab einer bestimmten Größe legal ist. Folge: Die Preise steigen wieder. Momentan liegen sie bereits bei 1-2 Dollar mehr pro Pfund als im Vorjahr.

Könnte also gut sein, dass das den Vormarsch der Lobster Roll in Richtung Europa bremst. Was in der Konsequenz dazu führt, dass ich Lobster Rolls künftig vielleicht wieder nur in den USA essen werde. Und da ich dort nicht jedes Jahr bin, wäre das eine gute Balance zwischen Genuss und Gewissen. Wer es mit dem Gewissen nicht so hat, der sollte mal reinbeißen!

 

Eat Lobstah! Irgednwo in Maine... Foto: Christiane Weihe

Eat Lobstah! Irgendwo in Maine… Foto: Christiane Weihe

 

Was meinst Du dazu?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Go top