Rose_DrinkKombucha erobert langsam aber sicher den heimischen Markt. Was sich hinter dem sagenumwobenen Getränk verbirgt, hat Lena Baseler bei einem Workshop von fairment herausgefunden.

„Ich gehe nachher noch auf einen Kombucha-Workshop.“ – „Was soll das sein?“, fragt mein Gegenüber. Aha. Ich bewege mich anscheinend in Kreisen, in denen man das Teepilzlimogetränk noch nicht wirklich kennt. Um ehrlich zu sein habe ich Kombucha vorher noch nie wissentlich getrunken. Eigentlich habe ich keine Ahnung von dem Getränk. Aber das soll sich ja am Abend beim Workshop des Berliner Kombuchalabels fairment noch ändern.

Kombucha ist keine neue Szenegetränkerfindung aus Friedrichshainer Hinterhöfen. Das Teegetränk gibt es schon lange, über die Namensquelle ist man sich uneinig. Man vermutet, dass es aus dem Japanischen kommt und einmal Algentee geheißen haben soll. Kombucha wird aus der Fermentierung eines gesüßten grünen oder schwarzen Tees mit einem Teepilz, auch Scoby genannt, hergestellt. Sieben bis zehn Tage gärt das Produkt im Normalfall vor sich hin, um so den charakteristischen Geschmack und die probiotischen Kulturen zu entwickeln.

Hört sich erst einmal so mittel-lecker an. Gärung und Pilz in Verbindung mit einem Nahrungsmittel – für westliche Stadtbewohner dank Nahrungsmittelindustrie mittlerweile der Horrorendgegner im heimischen Kühlschrank. Dabei tun die bei der Fermentation entstandenen Essigsäuren und Vitamine ihr Bestes um sich probiotisch auf unser Wohlbefinden auszuwirken.

Also auf zum Workshop nach Berlin-Mitte, um zu lernen wie gesund geht! Es sind mittlerweile alle Workshopteilnehmer eingetroffen. Eine gewisse urbane Aura von Power und Gesundheit schwebt nun im Raum, alle erzählen was sie denn im Leben so machen und wie genau sie sich ernähren: „Paleo, keinen Alkohol, weißer Industriezucker – oh mein Gott niemals!“ Ich halte jetzt wohl lieber meinen Mund.

Ich bin kein „Foodie“. Ich ernähre mich nicht vegan, ich ernähre mich nicht Paleo und haltet euch fest: ab und zu oder auch öfter schiebe ich mir mal Schokolade rein. Die, die mit bösem weißem Industriezucker produziert ist. Das gebe ich vor den anderen Kursteilnehmern aber besser nicht zu. Schließlich bin ich ja hier, um zu lernen wie diese Wunderwaffe von Getränk mich wieder auf den rechten Pfad des gesunden Lebens zurückholt.

Paul von fairment, einer der beiden Jungs des Berliner Startups, begrüßt uns freundlich und gibt jedem eine Flasche Kombucha. Schöne Flasche, nettes Design. Der Kombucha ist ockerfarben. Ich trinke den ersten Schluck. Säuerlich, etwas herb und süß zugleich. Ein wenig schmeckt er nach Most. Aber eigentlich ziemlich lecker. Den Geschmack von Kombucha zu beschreiben ist ungefähr so, wie Helene Fischers Musik versuchen zu erklären – es gestaltet sich schwierig.

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Lebendiger Kombucha von fairment

Eine Kursteilnehmerin fragt, ob Alkohol in dem Kombucha sei. Auch ich habe schon rosige Wangen. Paul antwortet, dass durch den Gärungsprozess zwangsläufig Alkohol entsteht, der Anteil aber unter 0,5 Prozent bleibe. Wahrscheinlich würden wir aber eher durch die B-Vitamine etwas berauscht sein. Ob Alkohol oder Vitamin B – egal, es fühlt sich ganz gut an.

Wir fangen an, selber Kombucha herzustellen. Wasser heiß machen, Tee und dann Zucker rein. (Am besten für die Gärung sei weißer Industriezucker: Entsetzte Blicke. – Aber man könne auch Honig oder braunen Zucker benutzen: Merkliches Aufatmen unter meinen Mitschülern.) Danach den noch sehr süßen Tee abkühlen lassen und in eine Glasform gießen, Starterflüssigkeit (ganz normale Kombuchaflüssigkeit) rein und abschließend den glibbrigen Scoby heineingleiten lassen. Achtung, dieses gallertartige Ding darf dabei nicht kaputt gehen. Jetzt noch ein paar Tage gären lassen und dann in Flaschen abfüllen, damit sich die Kohlensäure bilden kann. Fertig ist der selbstgemachte Kombucha.


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Heißen Tee abkühlen lassen …




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… Scoby in den süßen Tee gleiten lassen



Bei fairment in der Produktion läuft das alles ein wenig anders. Paul und Leon haben ihre Braustätte in Berlin-Pankow und arbeiten mit 1000l Behältern. Kennengelernt haben sich die beiden vor zwei Jahren. Leon betrieb einen Paleolifestyleblog und Paul war aktiv beim Supperclub. Das Thema Paleo beschäftigte Paul schon damals. Nach Jahren gesundheitlicher Probleme änderte er seine Ernährungsweise, lebte fortan „The Paleo way of life“ und seine Beschwerden lösten sich auf. Paleo bildet die Ernährung aus der Steinzeit durch heute verfügbare Lebensmittel nach. Weizen gibt es zum Beispiel nicht. Auch Kombucha ist paleotauglich. Warum dann also nicht ein Getränk auf den Markt bringen, das gut schmeckt und dazu noch gesund macht?

Die beiden entschieden sich also dazu, den Kombucha für ein größeres Publikum herzustellen und so entstand fairment. Eine neue Kombuchamarke, bei der alle Zutaten bio sind.

Der Workshop neigt sich dem Ende zu. Der Kombucha wurde von uns erfolgreich hergestellt, wobei manche schon – ich leider nicht – mit Vorwissen glänzten. Ich fühle mich aber nun auch etwas probiotischer, einfach gesünder. Nicht ganz so gesund, wie meine Mitworkshopper natürlich – aber wenigstens weiß ich jetzt, wie ich zuhause selbst Kombucha herstelle. Für die heimische Produktion kriegen wir alle von Paul noch ein Starterkit mit Starterflüssigkeit und Teepilz. Und falls mein selbstgemachter Kombucha doch zu sauer wird – wenn man ihn zu lange gären lässt, wird er übrigens zu Essig – kann ich mir ja immer noch ein Fläschchen fairment Kombucha von dem netten kleinen Startup aus Berlin im Biosupermarkt kaufen. Also, trinkt euch gesund!

Weitere Informationen unter: http://fairment.de

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Kombucha von fairment

 

Titelbild: Via https://pixabay.com/de/kombucha-tee-japan-1074594/

 

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