Rose Essen Food„Ein Abend mit…“ heißt unsere Rubrik rund ums Kochen, Essen und Trinken. Denn jeder Abend ist anders. Ob beim Käsebrot mit der dritten Staffel Sherlock zuhause, bei einem Familienfest im Wirtshaus oder mit der Freundin im hochdekorierten Restaurant. Klar ist nur: Eigentlich gehört doch zu jedem Abend gutes Essen und gutes Trinken.

Wenn man über 30 Jahre alt ist, dann sehen Abende mit einem guten Freund anders aus als früher. Alkohol spielt nach wie vor eine Rolle. Allerdings haben sich die Flaschen in Form und Inhalt geändert; und man benutzt jetzt Gläser. Und glücklicherweise gehört gutes Essen auch dazu. Dabei lässt es sich dann leidenschaftlich debattieren oder zufrieden schweigen.

Eine fabelhafte Umgebung für solch einen Abend ist die „Kantine Kohlmann“ in Berlin Kreuzberg.

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Foto: Kantine Kohlmann

Nach einem dreiviertel Jahr längst kein Geheimtipp mehr, ist es dort angenehm entspannt, unprätentiös. Und die Spezialität des Hauses, die verschiedenen Happen, lassen sich gut miteinander teilen und darüber fachsimpeln. Die Atmosphäre ist angenehm, man kann in die Küche schauen, und zu romantisch ist es auch nicht.

Die Happen der Kantine Kohlmann sind moderne Variationen von deutscher und insbesondere Berliner Küche. Die Kalbscurrywurst kommt mit ausreichend Sauce, die Königsberger Klopse klassisch mit Kartoffeln und Kapern und die scharfen Kartoffeln gibt es mit Estragonmayonnaise. All das wird serviert in Gläsern und Schalen auf großen Holzbrettern, sieht gut aus und schmeckt ordentlich. Völlig neu ist das aber nicht. „Deutsche Tapas“ greifen gerade immer mehr um sich.

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Foto: Kantine Kohlmann

Etwas mehr Spannung kommt aber bei der Kalbsleber mit Granatapfel und Rosenkohl auf, die ein echtes Erlebnis ist. Und wahrscheinlich auch bei den Wachtel-Senfeiern mit Sahnepüree, Senf-Espuma und Hirsensenf-Popcorn, die erst später beim Durchforsten der bisherigen Karten ins Auge fiel. Gerne mehr von diesen Ideen.

Küchenchefin der Kantine Kohlmann ist Käthe Kowalewski, die unter anderem im Schneeweiß gelernt hat, noch ziemlich junge 25 Jahre alt ist, und die Küche gut im Griff hat. Zum Beispiel bei der „hausgemachten Salzgurke mit Ziegenkäse“. Die ist genau das und sieht auch genau so aus – gibt aber ganz schön was her.

Die Gurke wird in einem Sud aus Fenchelsaat, Dillsaat, Salz und Dill eingelegt. Danach finden auch noch Weinblätter und noch mehr Dill ihren Weg zur Gurke. Dazu gibt es milden Ziegenkäse und beides zusammen schmeckt vorzüglich.

Auch in der Einrichtung wird die kulinarische Grundidee gut umgesetzt: Der Fließenboden und die Fenster erinnern an ein altes Wirtshaus, altes Silberbesteck und weiße Leinenservietten mit rotem Streifen liegen auf den Tischen. Dazu schlichte Gläser, keine Tischdecke, fantastische Stühle – das passt. Bilder dazu gibt es hier.

Auch wenn ein bisschen mehr Mut bei den Happen vielleicht gut tun würde: Das alles schmeckt ziemlich gut. Der Service ist aufmerksam und im besten Sinne sehr nett. Dazu gibt es Weine, die ordentlich zusammengestellt, aber ein wenig zu teuer sind.

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Foto: Kantine Kohlmann

Ein guter Rahmen also, um an einem Abend die großen Themen des Lebens zu besprechen oder einfach nur eine gute Zeit zu verbringen. Und gut auch, dass es über ein paar Stufen direkt in die angeschlossene Bar geht. Dort kriegt man guten Gin Basil Smash und kann mit etwas Glück über Vor- und Nachteile von Eiweiß im Drink belehrt werden. Dass der Abend dann noch etwas nachhallt, dafür sorgen die nicht ganz so gute Entlüftung aber vor allem auch die gute Atmosphäre und die Happen von Käthe Kowalewski.

Ein Abend mit einem guten Freund in der Kantine Kohlmann, Restaurant und Bar, Skalitzer Straße 64. Sechs Happen kosten 19 Euro.
www.facebook.com/pages/Kantine-Kohlmann

Titelfoto: © Kantine Kohlmann.

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