Rose LandkarteMindestens zwei mal im Jahr stehen wir vor der Frage in welche Stadt wir für ein langes Wochenende wollen. Istanbul, Paris, London, Barcelona – das kann ja jeder. Wenn man die Städte nicht eh schon kennt, so kennt man sie aus den Erzählungen des halben Freundeskreises. Wir haben hier drei Empfehlungen für Städte, die noch ihren Einwohnern gehören und von denen man nach einem Besuch wirklich begeistert Neuigkeiten erzählen kann.

Triest

Triest ist wundervoll altmodisch und entspannt. Wer Venedig theoretisch mag, praktisch aber kein Freund von Touristenmassen und Abzocke ist, der wird hier sein Glück finden. Wer die Freiheit hat in der Nebensaison zu reisen, versucht ein Zimmer im dann bezahlbaren Hotel Duchi d‘Aosta zu bekommen. Man fühlt sich ein wenig in die Vergangenheit versetzt, aber das passt wunderbar hierher. Das Frühstück nimmt man bei gutem Wetter am besten gleich auf der Terrasse ein. Tagsüber empfiehlt es sich durch die kleinen Gassen der Stadt zu schlendern. Nach 18 Uhr wird Aperitivo hier natürlich groß geschrieben. Verkneift euch den Aperol Spritz und probiert lieber eines der regionalen Biere, die gerne in der großen Flasche im Weinkühler serviert werden. Stil hat hier noch eine Bedeutung. Anschließend sollten unbedingt möglichst viele der friulanischen Weißweine in einer der zahlreichen Weinbars probiert werden. Sie zählen zu den besten Weißweinen der Welt. Fragt nach einem Sauvignon Blanc von Venica. Das bringt zunächst Respektpunkte beim Kellner und anschließend flüssiges Gold im Glas. Auf dem Heimweg schnappt man sich ein Eis und schlendert damit über die blau erleuchtete Piazza Unità d‘Italia. Und am nächsten Tag noch mal von vorne!

In Bordeaux Foto: Christiane Weihe

In Bordeaux
Foto: Christiane Weihe

Bordeaux

Bordeaux kommt einem unwirklich schön vor. Offenbar zurecht. Die Innenstadt ist das größte zusammenhängende Stadtgebiet, das Weltkulturerbe der UNESCO ist. Wenn man an dem dritten kleinen Platz steht, der von prächtigen Hausfassaden umgeben ist, glaubt man für einen Moment „Hier war ich doch schon mal…“. Dann stellt man fest, dass man sich nicht verlaufen hat, sondern dass diese perfekten kleinen Plätze hier einfach kein Ende nehmen. Wer Sonntags in der Stadt ist, muss auf den Markt an den Quai des Chartrons. Hier gibt es vor allem eins: Essen. Austern, Fischspieße oder duftende Canellée, gerne auch eine gegrillte Merguez. Die Einheimischen kommen hier zum späten Mittagessen her. Man sollte es ihnen gleich tun und sich mit einem kalten Glas Entre Deux Mers und ein paar Austern aus dem Bassin von Arcachon auf eine Mauer ans Ufer der Garonne setzen. Und wem es mal zu viel Stadt wird, der ist in jeweils gut einer halben Stunde an den Sandstränden des Atlantik oder inmitten einer der schönsten Weinregionen überhaupt.

Frühstückstisch im B&B von Azzurra und Zena in Turin

Frühstückstisch im B&B von Azzurra und Zena in Turin
Foto: A. Quartararo

Turin

Von den drei genannten Städten ist Turin sicher noch am ehesten das, was uns Großstädtern als Stadt bekannt vorkommt. Mit einer Millionen Einwohnern recht groß, an den Rändern gerne auch mal hässlich, aber in seinem Inneren unwiderstehlich. Wer kommt, der sollte zwingend bei Azzurra und Zena übernachten. Gerne auch den Reisetermin verschieben, sollte dort gerade ausgebucht sein. Die beiden haben den Traum vieler junger Städter wahr gemacht und betreiben an der zentralen Piazza Castello in einem wunderschönen alten Stadthaus ein Bed & Breakfast mit zwei Zimmern. Das Frühstück ist zum abhängig werden. Tagsüber stellt Azzurra unablässig neue Brote oder Kekse in den Ofen, die dann morgens auf dem Tisch stehen während auf dem Herd die Caffetiera leise sprudelt. Bei schönem Wetter sieht man beim Blick aus dem Zimmerfenster die schneebedeckten Spitzen der Alpen. Richtig lustig wird es in der Stadt so ab 18.30 Uhr. Dann heißt es Apericena. Hier in Turin hat man unter diesem Kunstbegriff einfach den Aperitif und das Abendessen zu einer neuen Mahlzeit verbunden. Die Bars überbieten sich zu diesem Anlass mit belegten Broten, Häppchen und Spießchen aller Art, deren Verzehr im Getränkepreis inbegriffen ist. Zwar zahlt man dann für sein Bier – oder stilechter seinen Negroni – 8,00 Euro, allerdings braucht man anschließend kein Abendessen mehr. Danach am besten in die Weinhandlung Parola (http://www.parolavini.it), in der Abends immer einige sehr schöne Tropfen in entspannter Stimmung ausgeschenkt werden. Bevor man spät Abends die Treppen zu Azzurra und Zena wieder hinaufsteigt sollte man in dem neben dem Hauseingang befindlichen Café Mulassano einen Café nehmen. Auch ein Ort, der fast zu perfekt ist, um wahr zu sein, weshalb man am folgenden Abend unbedingt bei einem weiteren Besuch überprüfen sollte ob man das nicht alles geträumt hat.

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