Rose

„Don’t underestimate this storm. Prepare for the worst.“ DeBlasio, Jan 25, 2015

Juno – was sich anhört wie der Titel eines Films aus dem Jahr 2007 in dem sich ein Schulmädchen entscheidet ein Kind zu bekommen, ist heuer der niedliche Name eines „potentially historic Blizzard“ der die Ostküste Nordamerikas in der Nacht von Montag auf Dienstag heimsuchen sollte. Verbunden damit starke Winde und heftiger Schneefall, mitunter meterhoch. So zumindest lautete die Prognose. Man müsse demnach auf das Schlimmste vorbereitet sein. Auf Zeiten ohne Lebensmittel- oder medizinische Versorgung, ohne Strom und Wasser.

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Leere Straßen in  Manhattan, Dienstagmorgen

 

Also stellten wir uns bereits Sonntagabend im Bezirk Park Slope zu den Einheimischen in die Schlange vor den biologisch korrekten Supermarkt, besorgten im Hardware Store Kerzen und Streichhölzer und ließen noch einmal Waschmaschine und Trockner durchlaufen. Man kann ja nie wissen. In einem Land, in dem für einen Film gerne gesamt New York unter eisigen Schneemassen verschwindet, marode Überlandleitungen ganze Landstriche in Dunkelheit versinken lassen und auf Grund mangelnder Bauvorschriften die Temperaturen in Wohnungen beim Ausfall der Heizung in Minuten (gefühlt) unter Null fallen können, muss man auf alles vorbereitet sein.

Schooooool’s out fooor… Winter!

Montagmittag dann die Nachricht aus der Schule: Nachdem am Vormittag bereits die Nachmittagsclubs abgesagt wurden, hat das NYC nun angeordnet, dass die Schulen am Dienstag geschlossen bleiben. Es schneit seit den frühen Morgenstunden. Als ich die Kinder aus der Schule abhole, stehen, anstelle der Nannys, heute überwiegend Elternpaare vor dem Eingang herum. Die Arbeitgeber haben die Angestellten früh nach Hause geschickt und die Nutzen die Gelegenheit mal wieder etwas Zeit mit den Kindern zu verbringen. Von Panik keine Spur. Ich frage, ob die anderen Eltern sich auf den kommenden Sturm vorbereitet haben, Kerzen gekauft, Lebensmittel gehortet? Man lacht mich aus. Hier habe es noch nie einen Stromausfall gegeben. Auch dieses Mal nicht.

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Schneefall in Brooklyn: 26. Januar 9 Uhr und 17 Uhr, 27. Januar 9 Uhr

Egal. Der Schnee fällt weiter, der Wind steigt. Im Laufe des Nachmittags werden einige U-Bahnverbindungen unterbrochen und Bürgermeister DeBlasio kündigt ein Fahrverbot auf den Straßen ab 23 Uhr an. Um diese Zeit etwa soll Juno die Küste New Yorks treffen. Außerdem werden Zug- und Flugverkehr stark eingeschränkt. Die Lage ist ernst.

Später gehen wir – vielleicht ein letztes Mal für einige Zeit – in den nahe gelegenen Prospect Park zum Schlittenfahren. Aber der Wind treibt uns bald wieder nach Hause. Es schneit jetzt schon seit beinahe 12 Stunden, aber noch sind nicht mehr als ein paar Zentimeter zusammengekommen.

Kein Sturm, aber eine SMS vom Bürgermeister

Um 21.30 Uhr dann brummt mein Handy. Eine Alarmbotschaft an alle Einwohner New Yorks, dass um 23 Uhr die Straßen gesperrt werden. „Get out of the way, so we can make the city safe.“ Ich denke an DeBlasios Worte von der Nachmittagskonferenz, während wir eine Serie im Fernsehen schauen. Der Sturm muss jetzt schon sehr nah sein. Aber noch merkt man nichts. Bis 24 Uhr bleibe ich wach, es schneit, es windet. Kein Sturm. Vielleicht kommt er gar nicht? Auch als ich um 4 Uhr noch einmal hinausschaue, sieht der Hinterhof fast unverändert aus.

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Park Slope, Montagnachmittag

 

Heute morgen dann ist klar. Der Sturm hat rechtzeitig abgedreht. Nur seine Ausläufer sind bis New York vorgedrungen. Jetzt rast er weiter die Küste hinauf in Richtung Boston. Die Straßen sind wieder freigegeben und allmählich kommen Zug-, Bahn- und Flugverkehr wieder in Gang. Ein entspannter Tag mit den Kindern liegt vor uns. Vielleicht gehen wir noch einmal Schlitten fahren. Oder wir hängen den ganzen Tag in unserer warmen Wohnung herum. Zu Essen haben wir auf jeden Fall genug.

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