Rose NerdWenige Dinge sind beruhigender als der Blick auf drei Kilogramm Bücher, die darauf warten während des Urlaubs gelesen zu werden. Hier unsere Empfehlungen für den Sommer. Ach so: Seine Lieblingsbücher kauft man am besten beim Buchhändler um die Ecke. Bestellungen sind in der Regel am Tag danach da und man spart es sich, nach dem Nachbarn, der das Paket angenommen hat, zu fahnden. Ich kaufe und bestelle hier.

Mark Oliver Everett
Things the grandchildren should know

Mark Oliver Everett ist die Verkörperung der grandiosen Band Eels. Seine Lebensgeschichte ist bis an die Grenzen der Absurdität dramatisch: Schwester begeht Selbstmord, Vater liegt tot im Bett, Mutter stirbt wenige Jahre später an Krebs. Während dessen erfindet sich der Außenseiter E im wilden Echo Park der späten 1990er Jahre neu. Als einer der größten Independent-Künstler unserer Tage. Nicht immer schön, aber am Ende voller Hoffnung.

Oliver Bottini
Ein paar Tage Licht

Foto: Hans Scherhaufer

Foto: Hans Scherhaufer

OK, OK – das ist kein Geheimtipp. Na und?! Oliver Bottini zählt zu den momentan angesagtesten Krimiautoren Deutschlands und war Kontributor unserer allerersten Ausgabe. Er gehört auf diese Liste! Sein aktueller Roman „Ein paar Tage Licht“ ist in diesen Tagen erschreckend realitätsnah. Die Geschichte von „Ein paar Tage Licht“ um deutsche Waffenexporte nach Algerien, die Rollen von Rüstungsunternehmen, Politik und Diplomatie sowie die Bezüge auf den algerischen Befreiungskrieg der 1950er Jahre und den arabischen Vor-Frühling der späten 80er ist ein Thriller, der nachdenklich stimmt. Lesen! Hier unser ausführlicher Beitrag über das Buch.

Steen T. Kittl und Christian Saehrendt
Du hast die Haare schön

Cover+Kittl+Saehrendt+Haareschoen„Du hast die Haare schön“ ist ein kluges Buch, in dem die Autoren hellwach den Schönheitswahn dieser Tage sezieren. Vor allem ist es sorgfältig und präzise recherchiert. In Zeiten von Behauptungs-Journalismus und dem Erfolg von Volksphilosophen wie Herrn Precht ist das eine Wohltat. Hier lernt man als Leser noch was und hält die Autoren auf jeder Seite nicht nur für ausgesprochen kurzweilige Erzähler, sondern auch für sehr seriöse Männer in den besten Jahren, die sich die Mühe gemacht haben sich zu informieren, ehe sie schreiben. Mit dem Buchkauf am besten gleich einen Friseurtermin vereinbaren. Als kleiner Vorgeschmack unser Interview mit Steen Kittl über Bärte und andere Modefragen zum nachlesen.

Chimamanda Ngozi Adichie
Americanah

americanahtitelEs ist das großartigste Buch seit langem: Americanah von Chimamanda Ngozi Adichie. Auf den Buchumschlag passen gar nicht alle superlativen Lobgesänge, die der Roman auslöste. Auch die drei ersten Innenseiten sind voll davon: New York Times, San Francisco Chronicle, Dave Eggers, NPR, L.A. Times – alle sind sich darin einig ein Meisterweg gelesen zu haben. Und sie liegen richtig: Die Geschichte von einem jungen nigerianischen Paar, das von Nigeria aus in die USA und Großbritannien auswandert ist ein einzigartiges Stück über Migration, die verrückte Welt nach 9/11, Identität und Liebe.

Dominique Manotti
Zügellos

Foto: Les Petites Gestes Opale

Foto: Les Petites Gestes Opale

Mag sein, dass Dominique Manotti vordergründig Krimis schreibt. Tatsächlich sind ihre Bücher ein hellwacher, entlarvender Blick in das politische und wirtschaftliche Frankreich. Ein wunderbarer Einstieg in diese Welt ist der Roman „Zügellos“, der im Herbst 1989 in Paris spielt. Manotti spinnt eine Story, mit der sie wunderbar die Stimmung dieser Zeit einfängt: Wachsende Großkonzerne, Werbung als immer noch großes Heilsversprechen, AIDS und Kokain, der Zusammenbruch des Ostblocks. Ein wenig erinnert Manotti an Fred Vargas. Doch wo Vargas manchem zu verspielt und metaphysisch wird, begnügt sich Manotti mit einem grellen Schnappschuss. Ihre Charaktere sind jedoch ähnlich verschroben-sympathisch und ihr Blick auf Paris nicht weniger klug verliebt. Gesellschaftskritische Romane von einer Wirtschaftshistorikerin, die lange Jahre die Pariser Sektion der größten französischen Gewerkschaft leitete, – das mag anstrengend klingen. Das Gegenteil ist der Fall: Man kehrt sehnsüchtig in Manottis Welt zurück und lässt sich auf höchstem Niveau unterhalten.

Ivy Pochoda
Visitation Street

Ivy Pochoda

Foto: Justin Nowells

Red Hook, Brooklyn. Zwei Mädchen. Teenager. Ein Gummiboot, dunkles Wasser. Übermut und Fluchtgedanken. Dann die Strömung. Ein Mädchen rettet sich ans Ufer. Das andere kehrt nicht zurück. Eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Über den Umgang mit dem Verschwinden und über die Frage wie ein sich wandelnder bunter Stadtteil in New York damit umgeht. Als Einstimmung hier noch mal unser Interview mit Ivy Pochoda.

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