Rose Foto KameraWährend die Temperaturen bei uns langsam den Nullpunkt erreichen, machen es sich Andere in wärmeren Teilen der Welt gemütlich. Zum Beispiel in Jamaica, der ersten Station unserer Autorin Anke, die für ein Jahr den Büro-Schreibtisch gegen ein Backpack eingetauscht hat. Für ROSEGARDEN berichtet sie von besonderen Orten und Begegnungen auf Ihrer Weltreise.

 

Stand-Up Paddling in Hawaii, Reggae Konzerte in Jamaika, Open Stage in. Schon lange wollte ich die Welt bereisen, aus dem Alltag ausbrechen und Dinge erleben, die ich bisher nur als Bilder in meinem Kopf herumgetragen habe. Und irgendwann ergab sich die Gelegenheit. Ich lasse mich von meinem Arbeitgeber beurlauben und bereite mich auf die längste Reise meines Lebens vor. Ein Jahr ohne Familie, Freunde, Arbeit und ohne meinen gewohnten Lebensalltag. Nur ich und ein Rucksack voller Kleider, mein Pass, eine Kreditkarte und natürlich mein Laptop.

Jamaica

„Das Schöne am Reisen ist, dass wir fremde Orte besuchen, die dann auch noch etwas mit uns machen. Port Antonio ist so ein Ort.“

Das erste Ziel, noch in Europa, ist Le Havre. Dort besteige ich ein Containerschiff und erreiche nach zwölf Tagen auf hoher See mit 21 Mann Besatzung, abendlichem Karaoke, Lesen, Tischtennis und vielen Stunden mit Blick auf das Meer wieder Land. Sant Marten, Niederländische Antillen. Zwei Wochen versuche ich hier in meinem neuen Leben anzukommen, und von der Hektik des deutschen Alltags Abstand zu finden. Dann fliege ich weiter nach Jamaica und bin endlich wirklich weg.

Jamaica

Mit dem Flugzeug ist es nur ein Katzensprung, aber während Sankt Marten das bebilderte Klischee der Karibik ist, erfüllt Jamaica alle stereotypen Erwartungen aus schlechten Filmen. Zumindest auf den ersten Blick – oder nein, eigentlich auch auf den zweiten, dritten. Aber das im besten und schönsten Sinne.

Trotzdem war mir nicht bewusst, dass die Rastafaris tatsächlich so konsequent ihre Kultur leben: Das Zelebrieren von Entschleunigung und Entspannung, ständig Joints rauchen und dabei Musik hören. Vor allem in Port Antonio. Es wird mir dennoch ein Rätsel bleiben, warum statt der unbestritten guten Jamaikanischen Raggaemusik, allerorts nervige Stampf-Musik zu höre ist. Oft nur ein einziger Song, der abrupt endet und in Dauerschleife abgespielt bis unendlich mal wiederholt. Meiner guten Laune tut das aber keinen Abbruch. Im Gegenteil!

Jamaica

„Ich hätte jede Wette verloren, denn die eindeutig Entspanntere ist Reni, die Australierin. Rastaman Rev kann schon ein bisschen launenhaft sein.“

Ich wohne bei Reni und Revelino. Sie ist Australierin und hat ihn auf ihren Reisen in die Karibik kennengelernt. Und Revelino ist natürlich ein Rastaman – allerdings mit eigenem Guesthouse. Er hat zwar etwas Divenhaftes an sich, aber wenn er lacht, dann verbreitet er einen unwiderstehlichen Charme.

Die beiden zusammen zu erleben, war schon fast die Reise hierher Wert. Revelon ist irgendwie nicht wirklich sozial, obwohl er das Guesthaus führt. Reni dagegen völlig offen und kommunikativ ist. Das ergibt einen recht speziellen Spannungsbogen. Und aus der Frage, ob genügend grüne Bohnen im Essen sind, können durchaus längere Diskussionen entstehen. Das Verhalten der beiden ist nicht unüblich für gemischte Partnerschaften. Und davon gibt es recht viele hier.

Jamaica

Nach ein paar Tagen werde ich bereits von der gesamten Nachbarschaft gegrüßt und nicht selten steht ein Auto mit riesigen Boxen auf dem Dach an der Straßenecke und beschallt die Gegend mit lauter Musik.
Ich spüre, Jamaika ist mir wohlgesinnt. Ein Land der Freude. Ich erlebe überall entspannte Zufriedenheit, die sich schnell auf mich überträgt. Ich bin in meiner Reise angekommen.

 

„Bikinis aus Wolle verhalten sich im Wasser eher suboptimal. Sie behalten nicht ihre Form.“

Irgendwann laden mich Papa und Clive, Revs Freunde, zu einer Floss-Tour auf dem nahe gelegenen Rio Grande ein. Und um gleich mögliche Annahmen aus dem Weg zu räumen: Ich habe es tatsächlich fertig gebracht, nicht einmal während meines Jamaikaaufenthalts an einem Joint zu vergehen.

Jamaica

Während wir auf dem selbst gebauten Floss den Fluss entlang treiben, strickt Papa ohne Unterlass Bikinis, die der fast Zwei Meter große Mann in allen Größen und Farben auf Märkten, an Shops oder auf der Straße verkauft. Auch mir. Wir haben riesen Spaß, trällern ein Liedchen nach dem anderen und ich kann mir nicht vorstellen, ob den beiden je zu vermitteln wäre, was wir in Deutschland in unseren Büros so oft als Stress empfinden. Aber wozu auch; das Leben kann so einfach sein, schnell noch einen gebaut und einen weiteren Gang runter geschaltet.

Ich fühle mich völlig abgekoppelt vom Rest der Welt.

Jamaica
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Text und Fotos: Anke Wiedenroth

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