Rose NerdMandy Schoßig hat den Debütroman unseres Kontributors Wolf Schmid gelesen. Und sie ist ganz angetan.

Schon beim Lesen des Titels „Pedalpilot Doppel-Zwo“ muss ich schmunzeln. Und das Schmunzeln verlässt mich auch beim Schmökern im 270 Seiten starken, rasanten Erstlingswerk von Wolf Schmid nicht. Es erzählt die Geschichte von Vater und Sohn, die sich bei einem Besuch des Pensionärs in Hamburg wieder näher kommen. Dass beide viele Ähnlichkeiten haben wird schon nach den ersten Seiten klar – beide arbeiten als Boten (bei der Post und als Fahrradkurier, jeweils sogar mit der Nummer 22), beide sind irgendwie verschlossen und trauen ihren Gefühlen nicht so recht über den Weg und beide haben so ihre Erfahrungen mit Frauen gemacht – auch wenn sich Johannes bis fast zur letzten Seite gegen Vergleiche mit seinem Vater kräftig wehrt. Eine Sache zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken: Wieviel von unseren Eltern steckt eigentlich in uns? Wogegen wehren wir Kinder uns da eigentlich? Und können sich Eltern auch mit 60 oder 70 und trotz ihrer langen Lebenserfahrung doch noch ein Stück ändern?

Denn dass mit Vater Walter Veränderungen vorgehen, als er wegen eines Unfalls seines Sohnes Johannes dessen Job als Fahrradkurier bei den Pedalpiloten übernimmt, ist les- und spürbar. Mit jedem gefahrenen Kilometer lässt er andere ein Stück mehr an sich heran und ganz behutsam wandelt sich auch das Verhältnis der beiden Protagonisten. Besonders als die zwei zu einer skurrilen Werbeveranstaltung der Mutter und Exfrau Emilie für das Geschäft aufbrechen, wird klar, dass die beiden mehr zusammenhält, als sie vielleicht glauben. Auf die Probe gestellt werden beide, als die „eigentlich-war-es nur-eine-Nacht“-Freundin Maga von Johannes schwanger wird und sich nun zeigen muss, ob die beiden doch mehr als nur ein Vielleicht-Paar sein wollen.

Was ist denn das Höchste in deinem Leben?

Die Geschichte von Pedalpilot Doppel-Zwo ist wahrscheinlich nicht die verwinkeltste und überraschendste aller Zeiten, doch was das Buch wirklich lesenswert macht, sind die feinem Beobachtungen und Beschreibungen der Charaktere durch den Autor. Wolf Schmid, der schon in ROSEGARDEN seine Liebeserklärung an Lissabon veröffentlichte, macht das wirklich gut in seinem ersten Roman. Auch dieser ist wieder eine Liebeserklärung: an Hamburg, wo er von 2005 bis 2006 lebte, an den Job Fahrradkurier, den er ein Jahr lang selbst machte. Und eben an zwischenmenschliche Beziehungen, die er mit viel feinem Gespür und ohne plumpe Duselei beschreibt.

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Wolf Schmid

Seine Figuren dürfen Gefühle haben und sie manchmal auch zeigen, ohne dabei an Schrulligkeit zu verlieren. Ob nun Johannes, der sagt, dass er gerne eine Familie gründen würde, weil „Kinderköpfe weniger Aufmerksamkeit bekommen als Familienwagen und Telefon“ und dass es deswegen so viele „Bekloppte“ gäbe. Oder Walter, der eigentlich seiner Angebeteten nur rostfarbene Chrysanthemen schicken will und sich nicht traut. Wolf Schmid schaut genau hin und gesteht ihnen Sensibilität bei Antworten auf solche Fragen wie „Was ist denn das Höchste in Deinem Leben?“ zu, ohne dass es kitschig wird. Dabei hilft die klare, manchmal leicht schnodderige Sprache insbesondere der Kurierkollegen – bei der beim Lesen aus dem Schmunzeln schon mal ein lautes Lachen wird.

Die Art zu Schreiben hat mir überhaupt sehr gut an „Pedalpilot Doppel-Zwo“ gut gefallen. Einerseits diese direkte, ungeschönte Schreibe, durch die man gradlinig und eben ungeschönt an die Charaktere herankommt – als Menschen mit all ihren Schwächen und zugleich liebenswerten Seiten. Andererseits schafft der Autor über die Sprache eine Geschwindigkeit, die sich durchs Buch zieht und die dem Leitmotiv des Fahrradfahrens ideal entspricht – toll!

Cover: Liesmich Verlag

Cover: Liesmich Verlag

„Pedalpilot Doppel-Zwo“ von Wolf Schmid (273 Seiten + literarisches Glossar und sehr schöne Umschlagillustrationen, Soft Cover, 14,95 Euro) ist gerade eben im Liesmich Verlag erschienen.

Nachwort aus Begeisterung: Der neugegründete Leipziger Liesmich Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, insbesondere junge, unbekannte Autorinnen und Autoren zu veröffentlichen. Nach eigener Aussage stecken sie „viel Zeit und Herzblut in jedes einzelne Projekt“ und verlegen Bücher mit Leidenschaft.

 

1 Kommentar

  1. Michael Schnizler Antworten 16. Oktober 2014 at 23:23

    auch ich habe dieses buch sehr geil gefunden, es ist so nah dran an der wirklichkeit

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