Rose ContributorenDer Illustrator Sebastian Blinde, mixt klassische Illustration mit Elementen aus Fotos. So entstehen beeindruckende digitale Collagen. Aber auch klassische Illustrationen schätzt er als zeitlosen Stil. Wir haben ihn zum Gespräch über seine Arbeit getroffen. Hier findet ihr Sebastian’s Arbeit auf Behance.

Sebastian, kannst du dich noch an deine erste Illustration erinnern? Und wenn ja, was war das?

Ich hab da im Rückblick kein spezielles Bild oder Motiv im Kopf…aber ich habe immer gezeichnet, gemalt oder gebastelt. Und ähnlich einer Hofkatze, brachte ich ständig Gefundenes nach Hause…Raupen oder Schnecken in Einweckgläsern, die ich dann auch gemalt habe. Oder Sperrmüll, aus dem ich dann windschiefe Paläste für meinen Hund gebaut habe. Der war davon allerdings wenig beeindruckt. An eine Illustration kann ich mich sehr gut erinnern, ist ja auch noch nicht allzu lange her. Nachdem eine Anstellung als Textil- und Flächendesigner 2009 zu Ende ging und ich mit dem Gedanken spielte als freier Illustrator zu arbeiten, habe ich einige wirklich großformatige Illustrationen angefertigt. Darunter ein weißer Rabe umgeben von zahlreichen Schmetterlingen. An dem saß ich mehr als zwei Wochen, jeden Tag. Die Falter sehr kleinteilig gezeichnet, die große Form des Raben sehr reduziert und flüchtig. Das Bild mag ich bis heute noch sehr gern.

Illustration: Sebastian Blinde

Illustration: Sebastian Blinde

Wir leben ja im Zeitalter des Fotos – auch weil einfach jeder mit dem Smartphone überall Fotos machen kann. Brauchen wir mehr Illustrationen, um wieder aufmerksamer hinzugucken, und nicht so abzustumpfen?

Für mich konkurieren diese Welten nicht miteinander. Allerdings beobachte ich seit einigen Jahren eine zunehmende Bereitschaft Illustration an unterschiedlichsten Orten einzusetzen. Sei es auf dem Label eines guten Weines, wo die Zeichnung den beseelten, handwerklichen Ansatz des Weingutes emotional und ebenso handwerklich untermauert, oder bei der Gestaltung der Website und den Flyern eines Musikfestivals oder Clubs, wo es ebenfalls um den Transport eines mehr gefühlten und schwer greifbaren Vibes geht. Eine gute Freundin von mir hat sich auf Graphic Recording spezialisiert. Das heißt, sie fasst auf Kongressen oder Tagungen hochkomplexe Inhalte zusammen und setzt diese live in gezeichnete Schautafeln um…so werden schnell und in größerem Umfang genau diese Inhalte beim Teilnehmer nachhaltig im Gedächtnis gespeichert und besser verstanden. Das sind sehr unterschiedliche Einsatzfelder. Im Moment ist also vieles möglich und der Wunsch, Information oder Emotion über Illustrationen zu erfahren ist sehr ausgeprägt.

Illustration: Sebastian Blinde

Illustration: Sebastian Blinde

Wie würdest du in drei Worten deinen Stil beschreiben?

Emotional, detailverliebt und entdeckungsfreudig.

Bist du Künstler oder Kreativer?

Ich bin Illustrator, da mache ich mir mal gar keinen Stress!

Illustration: Sebastian Blinde

Illustration: Sebastian Blinde

Woran arbeitest du gerade?

Im Moment arbeite ich viel mit digitalen Collagen. Ich mixe gezeichnete, digitalisierte Elemente mit freigestellten Objekten aus Fotos, baue so sehr kleinteilige Portraits von Wesenheiten und arbeite mit einer Freundin daran, diese zu animieren. Sie produziert Musik speziell dafür und wir mixen alles, was uns vor die Flinte läuft. Der Großteil dieser Arbeiten entsteht dabei frei, neben bezahlten Aufträgen, da man immer Herzensprojekte haben sollte.

Collage: Sebastian Blinde

Collage: Sebastian Blinde

Collage: Sebastian Blinde

llustration aus der Serie „Ghosts in Veils…“  Sebastian Blinde

 

 

 

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